Sonntag, 28. Mai 2017


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Kluft zwischen niedrigen und mittleren Löhnen in Vollzeitjobs wächst weiter

Bertelsmann Stiftung legt Arbeitsmarkt-Analyse der vergangenen zehn Jahre vor

(lifePR) (Gütersloh, ) Die Kluft zwischen den Löhnen Vollzeitbeschäftigter mit niedrigen und mittleren Einkommen wird seit 1997 in Deutschland immer größer. Während Geringverdiener Ende der 90er Jahre noch 64 Prozent des Einkommens eines Arbeitnehmers mit mittlerem Einkommen erzielten, erreichten sie 2007 nur noch 53 Prozent. Dieser Rückgang ist im internationalen Vergleich der stärkste von 20 untersuchten OECD-Ländern. Die Lohnungleichheit hat mittlerweile das Niveau Großbritanniens und anderer Länder erreicht, die bei der Beschäftigungspolitik weniger auf den sozialen Ausgleich achten. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der neuen Studie "Arbeitsmarkt und Beschäftigung 2000 - 2009: Beschäftigungserfolge bei steigender Differenzierung" der Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit dem Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

Während ansonsten lediglich in Polen und Südkorea die Löhne spürbar ungleicher wurden, hat sich in den meisten übrigen Ländern die Einkommensschere nicht weiter geöffnet. Dies gilt auch für die USA, wo die Spreizung allerdings traditionell besonders hoch ist und Niedriglöhne weniger als die Hälfte mittlerer Einkommen erreichen. Im oberen Bereich der Lohnskala ist in Deutschland die Spreizung deutlich geringer und im 10-Jahresvergleich sogar gleichmäßiger geworden. Die Bezahlung von Beziehern hoher Löhne übersteigt mittlere Einkommen um etwa drei Viertel. In diesem Bereich liegt die Bundesrepublik auf einem Niveau mit den Niederlanden, Dänemark oder Schweden.

Der uneinheitlichen Lohnentwicklung steht eine wachsende Beschäftigung gegenüber. Der Anteil der Beschäftigten an allen Personen im erwerbsfähigen Alter stieg von 2001 bis 2008 um 4,4 Prozentpunkte auf 70,2 Prozent an. Damit hat Deutschland zusammen mit sechs weiteren EU-Ländern das Beschäftigungsziel der europäischen Lissabon-Strategie erreicht. "Die Arbeitsmarktreformen im ablaufenden Jahrzehnt haben zu diesem Beschäftigungserfolg beigetragen, allerdings um den Preis zunehmender Lohnungleichheit", so Projektleiter Eric Thode. Ein Großteil der neuen Arbeitsplätze sei in Bereichen wie Zeitarbeit, geringfügiger oder befristeter Beschäftigung insbesondere im Dienstleistungssektor entstanden.

Die Hartz-Gesetze und Agenda 2010 haben den Arbeitsmarkt zwar flexibler gemacht, allerdings auch neue Risiken geschaffen, die vor allem von Jugendlichen, Älteren oder Geringqualifizierten getragen werden. In Deutschland verschärft sich die ohnehin stark ausgeprägte Kluft zwischen gut abgesicherten Erwerbstätigen und Arbeitslosen bzw. geringfügig und befristet Beschäftigten. Im Zuge der Krise zeigt sich dies besonders am Rückgang der Zeitarbeit, wo die Beschäftigung zwischen Juli 2008 und Juli 2009 weit stärker als in allen anderen Branchen um 25 Prozent einbrach. Mit der Möglichkeit, ehemals Beschäftigte im selben Unternehmen erneut befristet einzustellen, wie derzeitige Pläne der neuen Bundesregierung vorsehen, wird das Regulierungs- und Absicherungsgefälle zwischen diesen beiden Gruppen voraussichtlich nochmals verschärft.

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