Sonntag, 22. Juli 2018


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Berlin: Betriebliche Ausbildung verliert konstant an Bedeutung

Gütersloh, (lifePR) - Das deutsche duale Ausbildungssystem gilt als Garant für Fachkräfte-Nachwuchs und gute Jobperspektiven. Doch die Beteiligung an dem System ging zwischen 2007 und 2016 zurück. Betriebe bildeten seltener aus, die Nachfrage der Jugendlichen sank. In Berlin verschieben sich die Gewichte zu den vollzeitschulischen Ausbildungsgängen.

Die duale Ausbildung verliert in Berlin konstant an Bedeutung. 16.218 Jugendliche begannen 2015 eine Ausbildung in einem Betrieb. Gegenüber 2013 bedeutet das ein Minus von mehr als 5 Prozent. Immer mehr Jugendliche beginnen dafür eine Ausbildung im Schulberufssystem, in dem vor allem Berufe im Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen erlernt werden können. Das geht hervor aus dem "Ländermonitor berufliche Bildung 2017" des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Abteilung für Wirtschaftspädagogik der Universität in Göttingen, der von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde.

Von allen Anfängern in der beruflichen Bildungstarteten 2015 in Berlin nur noch 46 Prozent in der dualen Ausbildung. Dieser Anteil liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 50 Prozent. Hingegen begannen 35 Prozent oder 12.234 Jugendliche eine Ausbildung im Schulberufssystem. Dieser Anteil ist der höchste im Ländervergleich. 19 Prozent nahmen eines der berufsvorbereitenden Angebote des Übergangssystems wahr, in dem jedoch keine Berufsabschlüsse erworben werden können.

Der Rückgang in der dualen Ausbildung ist zum einen auf das Angebot der Betriebe zurückzuführen. Zwischen 2007 und 2016 ist in Berlin jeder fünfte Ausbildungsplatz verschwunden. Zum anderen sank die Nachfrage. Demographisch bedingt verlassen immer weniger Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen und immer mehr von ihnen wollen studieren. In der Folge ging die Zahl der Bewerber für einen Ausbildungsplatz zwischen 2007 und 2016 um ein Drittel zurück - noch stärker als das Angebot. Dadurch hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt aus Sicht der Jugendlichen etwas verbessert. Mit 93 Ausbildungsstellen auf 100 Bewerbern standen 2016 in Berlin etwas mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung als in 2013 (91) und deutlich mehr als noch 2007 (78).

Betriebe und Azubis finden nicht zueinander

Obwohl die Zahl der Bewerber höher ist als die der Ausbildungsplätze, findet nicht jeder Betrieb den passenden Auszubildenden. 7 Prozent der Ausbildungsplätze in der Hauptstadt wurden 2016 nicht besetzt. Gleichzeitig blieben 13 Prozent der Bewerber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz erfolglos. Diese Passungsprobleme entstehen etwa, wenn Ausbildungsplätze in Berufen angeboten werden, für die sich wenige Bewerber interessieren oder das Ausbildungsangebot in attraktiven Berufen nicht ausreicht.

Zudem wurde 2015 jeder dritte Ausbildungsvertrag in Berlin (34 Prozent) vorzeitig gelöst. Das ist der höchste Wert aller Bundesländer. Der Bundesdurchschnitt liegt bei unter 25 Prozent. Vertragslösungen verursachen Kosten sowohl auf Seiten der Betriebe als auch auf Seiten der Jugendlichen. Sie sind jedoch nicht mit Ausbildungsabbrüchen gleichzusetzen, denn in vielen Fällen wird die Ausbildung in einem anderen Betrieb fortgesetzt.

Schlechte Chancen für Hauptschüler und Ausländer

Trotz der insgesamt verbesserten Lage auf dem Ausbildungsmarkt haben Berliner Hauptschüler eher schlechtere Ausbildungschancen. 47 Prozent der Jugendlichen, die über keinen Abschluss oder einen Hauptschulabschluss verfügen, konnten 2015 keine Ausbildung aufnehmen und wechselten in eines der berufsvorbereitenden Angebote des Übergangssystems. 2013 lag dieser Anteil noch bei 42 Prozent. Bundesweit wechseln 51 Prozent der Hauptschüler zunächst ins Übergangssystem. Hauptschüler sind vor allem auf ein ausreichendes Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen angewiesen, denn die Ausbildungen im Schulberufssystem verlangen in der Regel einen mittleren Schulabschluss.

Jugendliche ohne deutschen Pass wechseln in Berlin zu 45 Prozent zunächst ins Übergangssystem und damit etwas seltener als im Bundesdurchschnitt (54 Prozent). Allerdings sind ihre Ausbildungschancen damit deutlich schlechter als die ihrer deutschen Altersgenossen, die nur zu 15 ins Übergangssystem wechseln. Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen bestehen auch bei gleichen Schulabschlüssen. Da Berlin mit knapp 35 Prozent den höchsten Anteil von Personen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung im besonders ausbildungsrelevanten Alter (15 bis 24 Jahre) aufweist, ist die Verbesserung ihrer Ausbildungschancen eine besondere Herausforderung. Schutz- und Asylsuchende, die seit 2015 nach Berlin zugezogen sind, sind in den vorliegenden Werten nur zum Teil enthalten.

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich dafür ein, jedem jungen Menschen die Chance auf einen Berufsabschluss zu eröffnen. Dafür fordert sie bessere ausbildungsbegleitende Unterstützung für kleine Betriebe und Azubis, eine intensivere berufliche Orientierung während der Schulzeit sowie eine Ausbildungsgarantie in Form von staatlich geförderten Ausbildungsplätzen für Jugendliche, die bei der Suche erfolglos bleiben.

Zusatzinformationen

Das Forschungsprojekt "Ländermonitor berufliche Bildung 2017" des soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI - Prof. Baethge) und der Abteilung für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung der Universität Göttingen (Prof. Seeber) wird von der Bertelsmann Stiftung gefördert. Es untersucht die Situation in den drei Sektoren der beruflichen Bildung (duales System, Schulberufssystem und Übergangssystem) in den 16 Bundesländern vergleichend und im Zeitverlauf. Für das Projekt wurden vorhandene Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung, der Bundesagentur für Arbeit und der statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet sowie Dokumente zu Berufsbildungspolitik aus den Bundesländern analysiert. Schutz- und Asylsuchende, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, werden in den vorliegenden Zahlen noch nicht aufgeführt. Ergänzender Hinweis: Am 13.12. hat das Bundesinstitut für Berufsbildung Zahlen zur Entwicklung im Teilbereich duale Ausbildung im Jahr 2017 vorgelegt. Diese sind im Ländermonitor noch nicht berücksichtigt.

Näheres zu dem Projekt und den beteiligten Instituten und Wissenschaftlern unter:

http://www.sofi-goettingen.de/projekte/laendermonitor-berufliche-bildung-2017/projektinhalt/

Bertelsmann Stiftung

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für eine gerechte Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben ein. Sie will Bildung verbessern, Demokratie gestalten, Gesellschaft entwickeln, Gesundheit aktivieren, Kultur leben und Wirtschaft stärken. Durch ihr Engagement möchte sie alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Die gemeinnützige Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet. Weitere Informationen: www.bertelsmann-stiftung.de

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