Bürger sehen Organspende-Kompromiss positiv

Ergebnisse des Gesundheitsmonitors 2011 der BARMER GEK und der Bertelsmann Stiftung

(lifePR) ( Wuppertal/Gütersloh, )
Die geplante Neuregelung der Organspende hat offenbar Rückhalt in der Bevölkerung. Laut einer repräsentativen Befragung von BARMER GEK und Bertelsmann Stiftung in der vergangenen Woche gehen 69 Prozent der Befragten davon aus, dass der Vorschlag die Organspendebereitschaft erhöhen werde. 66 Prozent geben sogar an, durch die so genannte Entscheidungslösung selbst bestimmt oder zumindest wahrscheinlich in eine Organspende einzuwilligen. Selbst 60 Prozent derjenigen, die bisher keinen Organspendeausweis besaßen, würden nach Einführung der so genannten Entscheidungslösung bestimmt oder wahrscheinlich in eine Organspende einwilligen.

Der fraktionsübergreifende Kompromiss, auf den sich die Bundestagsfraktionen im Bundestag am 24. November mit dem Gesundheitsminister geeinigt haben, sieht vor, dass jeder Bürger beispielsweise bei Ausgabe der Versichertenkarte seine Zustimmung oder Ablehnung zur Organspende nach seinem Tode geben soll.

Für Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, und den Vorstandsvorsitzenden der BARMER GEK, Dr. Christoph Straub, steht fest: "Die Zustimmungswerte sind ausgesprochen positiv." Das spreche für den Kompromiss, betonten beide bei der Vorstellung des "Gesundheitsmonitors 2011" heute in Berlin. Die BARMER GEK, so Straub, werde ihre Aufklärungsarbeit deutlich intensivieren. Die tatsächliche Organspendebereitschaft könne man nur dann erhöhen, wenn zuvor Ängste und Vorurteile durch Information abgebaut würden. Hier sieht der Kassenchef auch die Politik in der Pflicht: "Wir brauchen eine massive Aufklärungskampagne der Bundesregierung!"

Die Organspendebereitschaft ist laut einer Studie zu Einstellungen der Bevölkerung zur Organspende im Gesundheitsmonitor größer bei Befragten, die ein hohes Vertrauen in den Prozess der Organentnahme und die Kriterien der Organverteilung haben. 85 Prozent der Befragten sind dafür, dass Personen mit langen Wartezeiten auf ein Organ bei der Vergabe bevorzugt werden sollten. 57 Prozent der Bevölkerung, so Studienautorin Prof. Dr. Dr. Marlies Ahlert von der Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg, sind dafür, Personen in unmittelbarer Todesnähe selbst dann zu bevorzugen, wenn die Erfolgsaussichten einer Organtransplantation gering sind. Das eigene Mitverschulden etwa durch Medikamenten- oder Drogenmissbrauch sollte nach Meinung von 53 Prozent zu einer Benachteiligung gegenüber Patienten ohne eigenes Verschulden führen. 59 Prozent der Befragten sind dafür, jüngere Menschen bevorzugt zu behandeln.

Zur Erhöhung der Spendenbereitschaft könne auch eine Regel beitragen, nach der Personen bei der Organvergabe bevorzugt werden, die selbst schon frühzeitig ihre Bereitschaft zur Organvergabe signalisiert haben. Eine solche Regel finde in der Bevölkerung einen moderaten Zuspruch und könne in der derzeitig diskutierten Variante der Entscheidungslösung dazu führen, dass Versicherte sich bei der Ausgabe der Versichertenkarte frühzeitig noch intensiver mit dem Thema Organspende beschäftigen.

Die Organspendebereitschaft ist darüber hinaus höher bei Menschen, die einen Blutspendeausweis haben. "Beides, Blut- wie Organspende stehen für eine gemeinwohlorientierte Grundhaltung und müssen unterstützt werden", interpretiert Mohn die Ergebnisse des Gesundheitsmonitors. "Über die derzeit politisch diskutierte Regelung hinaus sollten deshalb auch bei der Blutspende Informationsmaterialien zur Organspende verfügbar sein."

Der Gesundheitsmonitor ist ein Kooperationsprojekt der BEK GEK und der Bertelsmann Stiftung. Zu insgesamt zehn Themen wurden insgesamt 1.778 Personen im April/Mai 2011 schriftlich befragt. Die Befragten repräsentieren den Bevölkerungsdurchschnitt. Zusätzlich wurde die Einstellung der Bevölkerung zur aktuell diskutierten Entscheidungslösung bei der Organspende Ende November 2011 telefonisch erhoben.

Weitere Informationen:
Jan Böcken, Bernard Braun, Uwe Repschläger (Hrsg.)
Gesundheitsmonitor 2011

Bürgerorientierung im Gesundheitswesen

Informationen für Entscheider in Ministerien und Kommunalverwaltungen, Politiker, Entscheidungsträger in der gesundheitlichen Selbstverwaltung, Wissenschaftler und Patientenvertreter 2011, 220 Seiten
ISBN 978-3-86793-346-9
25,00 EUR
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