Wer hat Angst vor Europa?

Die Marktmeinung aus Stuttgart

(lifePR) ( Stuttgart, )
Inzwischen hat die ganze Welt Angst vor Europa, wenn man den Verlautbarungen der relevanten internationalen Finanzinstitutionen glauben darf. Sowohl der IWF als auch die Weltbank warnen vehement davor, dass die europäische Schuldenkrise das Weltwirtschaftswachstum negativ beeinflussen wird. Interessanterweise zeigen die US-amerikanischen Verantwortlichen, getrieben von eigenen Schuldenbergen und nachlassenden Wirtschaftsindikatoren, ebenfalls immer deutlicher mit dem warnenden Zeigefinger auf Europa und überbieten sich in wohlmeinenden Ratschlägen, wie die Probleme zu lösen seien. Leider widersprechen sich die ein oder anderen Nobelpreisträger beziehungsweise Politiker und zeigen nicht immer Einigkeit in der Einschätzung der Lage und der zu verwendenden Mittel. Einig ist man sich dahingehend, dass Deutschland mehr "Verantwortung" übernehmen soll. Insbesondere die Idee einer Fiskalunion auf europäischer Ebene wird befürwortet. Gemeint ist dabei aber vor allem, dass Deutschland als wirtschaftsstärkster Staat im Euroland kurzfristig mehr Haftung und mittelfristig am besten gleich ganz die europäische Schuldenlast schultern soll. Es wird dabei nur verkannt, dass die Verschuldung Deutschlands ebenfalls zu hoch ist. Die im Vergleich wettbewerbsfähige Wirtschaft Deutschlands kann nicht dauerhaft für alle Schulden Europas geradestehen. Die Kernprobleme der südeuropäischen Länder liegen nicht nur im mangelnden Sparwillen beziehungsweise der haushaltspolitischen Disziplin oder der Unfähigkeit, alle Steuern einzutreiben. Das Hauptproblem liegt vor allem darin begründet, dass die südeuropäischen Wirtschaftsbereiche schlicht nicht wettbewerbsfähig sind. Da helfen auch gemeinschaftlich haftende Rettungsschirme, Eurobonds oder EZB-Aufkaufprogramme langfristig nicht weiter. Die schmerzhafte Anpassung von Preisen und Löhnen wird den südeuropäischen Krisenstaaten nicht erspart bleiben. Auch wenn Italien und Spanien erste positive Ansätze zeigen, so werden von den Kapitalmärkten weitere Anstrengungen eingefordert werden, wie die wieder stetig steigenden langfristigen Zinsen Italiens und Spaniens zeigen. Die Unsicherheit bleibt den Marktteilnehmern definitiv erhalten.

Insbesondere die Wahl in Griechenland dürfte für stärkere Schwankungen an den internationalen Kapitalmärkten sorgen. Solange nicht klar ist, ob eine stabile Regierung für die notwendige Zusammenarbeit Griechenlands mit der EU sorgt, werden sich Euphorie und Depression weiterhin täglich abwechseln. Der DAX zeigt diese Stimmungsbilder deutlich in seinem Verlauf. Nachdem er Ende letzter Woche fast auf seinen Jahresanfangsstand gesunken ist, konnte er wieder ein kleines Plus zurückerobern. Die Stimmung wird aber weiterhin skeptisch bleiben. Die europäischen Indizes sind nach wie vor in der Minuszone beheimatet und werden es kurzfristig auch bleiben. Die weltweit nachgebenden Wirtschaftsindikatoren werden sowohl in Europa als auch in Asien mögliche Aufwärtsbewegungen kurzfristig hemmen. Eine defensive Vorgehensweise ist Aktieninvestoren zu empfehlen, zumindest so lange, wie Klarheit hinsichtlich des Verbleibs von Griechenland in der Eurozone herrscht und die Spekulationswellen gegen Italien und Spanien verebben.
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