Freitag, 24. November 2017


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AK stellt zentrale Ergebnisse ihrer Betriebs- und Personalrätebefragung vor

Saarbrücken, (lifePR) - Der AK-Vorstandsvorsitzende Hans Peter Kurtz fordert auf Basis des AK-Betriebsbarometers 2017 mehr Arbeitszeitsouveränität der Beschäftigten, eine lückenlose Erfassung und Entgeltung von Arbeitszeit sowie die Durchsetzung gesetzlicher Pausen-, Ruhe- und Höchstarbeitszeiten im Saarland. „Eine weitere Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes ist nicht notwendig. Es muss aber mehr Arbeitszeitsouveränität der Beschäftigten geben. Das geht nur mit einer gesetzlichen Dokumentationspflicht aller Arbeitszeiten. Zeiterfassung hat eben nicht ausgedient, wie die IHK Saarland behauptet“, sagt Hans Peter Kurtz.

Die Schwerpunktauswertungen zur Arbeitszeit zeigen: In nur 23 Prozent der Betriebe wird Mehrarbeit tatsächlich bei (fast) allen Beschäftigten durch Bezahlung oder Freizeitausgleich abgegolten. In 21 Prozent der Betriebe verfallen bei mindestens der Hälfte der Beschäftigten Zeitguthaben (zum Beispiel durch Stichtags- oder Grenzwertregelungen), entsprechend in

14 Prozent der Betriebe Urlaubsansprüche. Die Einhaltung von gesetzlichen Pausen-, Ruhe-

und Höchstarbeitszeiten ist trotz einer hohen Verbreitung von Arbeitsstress in einem Fünftel der Betriebe nicht für (fast) alle Beschäftigten gewährleistet.

„Arbeitszeiten werden in der betrieblichen Realität von den Arbeitgebern zu ihrem Vorteil sehr flexibel gehandhabt, während die Beschäftigten kaum Gestaltungsmöglichkeiten haben. Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle sind nicht ausreichend vorhanden. Zudem prägt mangelnde Vorhersehbarkeit die Situation der meisten Beschäftigten in 30 Prozent der Betriebe. Eine weitere Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes ist daher nicht notwendig. Vielmehr muss es um mehr Arbeitszeitsouveränität der Beschäftigten gehen“, so Hans Peter Kurtz. Insgesamt sind

82 Prozent der Betriebe von sozial ungünstigen Arbeitszeiten (abends, nachts, Wochenende) betroffen.

Die Gestaltung der Arbeitszeit auch unter Berücksichtigung der Wünsche der Beschäftigten, ihrer Entlohnung und die Durchsetzung der Arbeitsschutzvorschriften setzt zwingend eine lückenlose Arbeitszeiterfassung voraus. Allerdings existiert in nur 82 Prozent der Betriebe für (fast) alle Beschäftigten eine Zeiterfassung. „Die Zeiterfassung hat – anders als von der IHK Saarland behauptet – eben nicht ausgedient. Hilfreich wäre im Gegenteil eine Gesetzesänderung hinsichtlich einer gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentationspflicht für alle Arbeitszeiten – anstatt nur für Ausnahmetatbestände. So genannte super-flexible Arbeitszeiten, wie sie der IHK-Präsident Dr. Hanno Dornseifer fordert, sind nur mit einer lückenlosen Zeiterfassung im Sinne der Beschäftigten möglich!“, sagt Kurtz. „Nicht zuletzt die Digitalisierung verstärkt die Erreichbarkeitserwartungen der Arbeitgeber gegenüber ihren Beschäftigten in der Freizeit und führt zu mehr mobiler Arbeit. Mobile Arbeit und Homeoffice gehen teilweise mit den Ansprüchen der Jugend beziehungsweise von Beschäftigten mit Familienpflichten einher. Daher sollten sie - etwa über Betriebsvereinbarungen - entsprechend gestaltet werden. Dies beinhaltet auch bei Homeoffice und mobiler Arbeit die lückenlose Arbeitszeiterfassung und die Einhaltung gesetzlicher Pausen-, Ruhe- und Höchstarbeitszeiten“, so Kurtz weiter.

Für die Arbeitszeitkontrolle ist neben den Arbeitgebern und betrieblichen Interessenvertretungen (deren wesentliche Arbeit im Saarland die Gestaltung der Arbeitszeit ist) auch die Arbeitsschutzbehörde des Landes zuständig. „Diese muss aber ausreichend personalisiert werden. Seit 2002 ist die Zahl der Aufsichtspersonen laut Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz von 58 auf 16 gesunken“, sagt Kurtz. „Für die Verbesserung der Arbeitszeitsouveränität sind betriebliche Beratungsangebote zur Arbeitszeit zu fördern, gesetzlich vorgegebene Gefährdungsbeurteilungen in den Betrieben verstärkt mit Arbeitszeitfragen zu verbinden und Betriebs- beziehungsweise Dienstvereinbarungen insbesondere zum Thema mobile Arbeit und zu familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen auszubauen“, sagt Kurtz.

Weitere Ergebnisse der Standardbefragung des AK-Betriebsbarometers 2017 im Überblick:

·         Die wirtschaftliche Lage wird im Befragungszeitraum (11/2016-1/2017) von 48 Prozent der Arbeitnehmervertretungen als gut oder sehr gut eingeschätzt. Drei Viertel der Betriebs- und Personalräte beklagen starke bis sehr starke negative betriebliche Auswirkungen durch zu wenig Personal.

·         Gestiegene Qualifikationsanforderungen wirken sich in drei Vierteln der Betriebe stark oder sehr stark aus. Dennoch haben in lediglich der Hälfte der Betriebe Weiterbildungsangebote eine größere Bedeutung.

·         Altersspezifische Personalmaßnahmen werden unzureichend praktiziert, obwohl für mehr als die Hälfte der Betriebe der „steigende Altersdurchschnitt“ als wichtige betriebliche Veränderung wahrgenommen wird.

·         Die Unterstützung von Beschäftigten bei der Pflege von Angehörigen, bei der Kinderbetreuung und in Elternzeit hat – trotz öffentlicher Diskussionen - jeweils in höchstens 20 Prozent der Betriebe eine größere praktische Bedeutung.

·         Fast zwei Drittel der Arbeitnehmervertretungen gehen von hohen oder sehr hohen Belastungen der Beschäftigten durch Zeitdruck und Stress aus, ein Drittel von hohen oder sehr hohen körperlichen und fast die Hälfte von hohen/sehr hohen emotionalen Belastungen. Das Betriebsklima wird in 30 Prozent der Betriebe als gut oder sehr gut bewertet.

·         Lediglich die Hälfte der Betriebe haben gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilungen zur Sicherheit und Gesundheit im Betrieb in allen Bereichen durchgeführt, psychische Gefährdungen wurden in nur jedem fünften Unternehmen angegangen.

·         Die betriebliche Gesundheitsförderung hat sich gegenüber früheren Befragungen erkennbar verbessert.

·         Auch die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmervertretungen selbst haben sich insgesamt leicht verbessert.

Im Rahmen des AK-Betriebsbarometers 2017 wurden zur Situation in den Betrieben und Dienststellen des Saarlandes und zum Schwerpunktthema Arbeitszeit, im Zeitraum November 2016 bis Anfang Januar 2017, insgesamt 231 Arbeitnehmervertretungen schriftlich befragt. Diese vertreten fast 120.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Saarland, das entspricht einem Drittel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Bei der Interpretation der Ergebnisse des AK-Betriebsbarometers ist zu berücksichtigen, dass es sich um Betriebe mit betrieblicher Interessenvertretung handelt, also um Betriebe in denen die Arbeitsbedingungen oft arbeitnehmerfreundlicher sind, als in nicht mitbestimmten Betrieben.

Die Studie finden Sie unter: www.arbeitskammer.de/ak-betriebsrätebefragung2017

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