Pendler: Männlich, gutverdienend und mit Familie

Aktuelle Studie zum Pendlerverhalten im Land Bremen

(lifePR) ( Bremen, )
Jeden Tag pendeln rund 128.000 Menschen zum Arbeiten ins Land Bremen. Das heißt, auf vier von zehn Arbeitsplätzen sitzen inzwischen Nicht-Bremer (42 Prozent). Damit hat sich die Zahl der Pendler seit dem Jahr 2000 um gut 17.000 erhöht. In einer aktuellen Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen wird nun deutlich, dass vor allem gutverdienende und qualifizierte Beschäftigte ins Umland abwandern. Der klassische Pendler hat laut Studie ein gutes Einkommen, ist männlich, arbeitet in einem Großbetrieb und hat Familie. „Die Frage lautet nun, wie es Bremen künftig gelingen kann, auch als Wohnstandort attraktiver zu werden für junge Familien. Denn die zunehmende Abwanderung ins Umland bedeutet, dass Bremen und Bremerhaven ein erheblicher Anteil der Steuern entgeht, die im Land erwirtschaftet werden", kommentierte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, heute (Freitag) die Ergebnisse. Seit 1970 gilt bei der Einkommensteuer das Wohnortprinzip.

Pendler haben höheres Einkommen

Die Studie basiert auf dem Mikrozensus und vergleicht die Pendler-Entwicklungen in den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin in den Jahren 2000 und 2012. Demnach verfügen die Bremen-Pendler monatlich über ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 2.055 Euro. Das sind gut 380 Euro mehr als die nicht pendelnden Bremer und Bremerhavener Beschäftigten. In Berlin sind die Unterschiede ähnlich, in Hamburg liegen sie nur bei rund 200 Euro. Unter dem Strich heißt das aber, dass es in allen Stadtstaaten deutliche Einkommensunterschiede zwischen den Pendlern und den ansässigen Erwerbstätigen gibt.

Pendler sind gut qualifiziert – Mehrheit arbeitet in großen Betrieben

Und nicht nur das Einkommen ist höher, die Pendler sind auch besser qualifiziert: 92 Prozent der Pendler verfügen über eine mittlere oder hohe Qualifikation, bei den Erwerbstätigen, die auch im Land Bremen wohnen, sind es nur 82 Prozent. Und 65 Prozent von ihnen arbeiten in einem großen Betrieb mit mehr als 50 Beschäftigten.

Auto ist das meist genutzte Verkehrsmittel

Der überwiegende Anteil der Pendler nutzt ein Auto, um den Arbeitsplatz zu erreichen. Dieser Anteil ist unter den ins Land Bremen Pendelnden mit 82 Prozent besonders stark ausgeprägt (Hamburg: 70 Prozent, Berlin: 64 Prozent). Dabei ist der Arbeitsweg der Bremen-Pendler deutlich geringer als der Pendler nach Hamburg oder Berlin. Für mehr als die Hälfte der nach Bremen Pendelnden beträgt ein Weg weniger als 25 Kilometer, lediglich 16 Prozent müssen mehr als 50 Kilometer pendeln.

Familienvater in Vollzeit

Deutlich mehr Pendler im Land Bremen leben mit einem Partner oder einer Partnerin zusammen und haben Kinder. Alleinstehende sind hier eher selten und Alleinerziehende spielen ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle. Die überwiegende Mehrheit der Pendler arbeitet in Vollzeit (83 Prozent). Pendler ins Land Bremen sind mehrheitlich männlich (62 Prozent), wobei der Anteil der Frauen in den vergangenen Jahren leicht zugelegt hat. Mit Blick auf die Altersstruktur wird deutlich, dass Pendler im Land Bremen älter sind, aber in allen Stadtstaaten stellen die Pendler im Alter zwischen 45 und 54 Jahren die größte Gruppe. Die über 55-Jährigen sind bei den Einpendlern und den vor Ort Erwerbstätigen in Bremen im Vergleich mit den anderen Stadtstaaten am stärksten vertreten.

Angebote schaffen, um Wohneigentum zu erwerben

Um die nun schon mehrere Jahrzehnte andauernde Abwanderung – gerade von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern – in die Stadtregion zu reduzieren, muss die Stadt als attraktiver und familienfreundlicher Wohnstandort weiterentwickelt werden. „Dazu gehört auch, dass wir ein besseres Angebot schaffen, um Wohneigentum zu erwerben", betont Ingo Schierenbeck. Zumindest junge Familien sollten die Möglichkeit haben, das eigene Heim auch im Land Bremen finanzieren zu können. „Wir halten es durchaus für angemessen, dass Bremen hier auch wieder finanzielle Anreize schafft", so Schierenbeck. Eine Stadt brauche beides: sozialen Wohnungsbau, um für Menschen mit wenig Geld entsprechende Mietwohnungsangebote vorzuhalten und bezahlbaren Baugrund für den Hausbau junger Familien. Vor diesem Hintergrund lobt die Arbeitnehmerkammer das vorliegende Neubauprogramm und den damit verbundenen, vielfältigen Flächenoptionen. „Bremen hat die Möglichkeit, dauerhaft neue Einwohner zu gewinnen und die Zahl der Pendler zu reduzieren – diese Möglichkeit muss Bremen jetzt auch nutzen", so Schierenbeck.

Öffentlichen Personenverkehr ausbauen

Gleichzeitig wird die Stadt auch als Wohnort attraktiver, wenn die Verkehrsbelastung sinkt. Zwar ist das bevorzugte Verkehrsmittel der Pendler derzeit das private Auto. Doch um die Städte verkehrlich zu entlasten und auch den Pendlern echte Verkehrsalternativen zu bieten, sollten Bremen und Bremerhaven den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) weiter ausbauen. „Dies ist umso sinnvoller, da mehr als die Hälfte der Pendler weniger als 25 Kilometer zur Arbeit fahren", betont Kai-Ole Hausen, Referent für Wirtschaft und Infrastrukturentwicklung. Nach dem gelungenen Ausbau der Straßenbahnlinie 4 müssten in Bremen weitere Straßenbahnverlängerungen ins niedersächsische Umland vorangetrieben werden – ähnliches gelte auch für den Bremerhavener Bus-Verkehr.

Die Arbeitnehmerkammer schlägt außerdem vor, das Angebot des regionalen Bahnverkehrs, also der Regio-S-Bahn, deutlich zu verbessern. Denn bislang entfallen beispielsweise nur elf Prozent der Fahrten zwischen Bremen und Bremerhaven („Modal Split") auf die Bahn. Und auch im regionalen Verkehr ist der Marktanteil im Schienenpersonennahverkehr mit 16 Prozent eher gering.

Gewerbegebiete erschließen und Betriebe einbeziehen

In Bremen müsste zudem das Bus- und Bahn-Angebot zu den Gewerbegebieten verbessert werden. Die großen Gebiete wie GVZ, Gewerbepark Hansalinie oder Industriehäfen sind deutlich schlechter zu erreichen als die Innenstadt. „Viele Beschäftigte haben aufgrund von Wechselschichten oder anderen flexiblen Arbeitszeitmodellen häufig gar keine andere Wahl, als das eigene Auto zu nutzen", weiß Kai-Ole Hausen. Hier bessere Verbindungen zu schaffen, ist auch ein Wunsch der Beschäftigten. So hat die Betriebsrätebefragung der Arbeitnehmerkammer im Februar dieses Jahres ergeben, dass sich Beschäftigte vor allem eine Senkung der Fahrpreise, eine Abstimmung des Angebots auf die Arbeitszeiten und pünktliche und umsteigefreie Verbindungen wünschen. „Bei einem besseren Angebot wären durchaus mehr Beschäftigte bereit, auf Bus oder Bahn umzusteigen", so Hausen.

DATEN UND FAKTEN

Bremen

Der Anteil der Einpendler in der Stadt Bremen liegt bei 42,5 Prozent. Hier arbeiten 256.173 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, von denen 146.910 gleichzeitig auch in Bremen wohnen. Die meisten Pendler der Stadt Bremen kommen dabei aus Niedersachsen (85 Prozent) mit den unmittelbar angrenzenden Gemeinden Schwanewede, Osterholz-Scharmbeck, Weyhe, Stuhr sowie den Städten Achim und Delmenhorst.

Bremerhaven

Der Anteil der Einpendler in der Stadt Bremerhaven liegt bei 46,6 Prozent – hier arbeiten 50.241 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, von denen 26.726 gleichzeitig auch in Bremerhaven wohnen. Die Einpendler stammen zu 86 Prozent (20.173) aus Niedersachsen – vor allem aus dem umliegenden Landkreis Cuxhaven mit seinen Gemeinden.
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