Samstag, 23. September 2017


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Große Lohnunterschiede: Frauen und Teilzeitbeschäftigte schlechter bezahlt

Arbeitnehmerkammer legt Statistischen Jahresbericht vor

Bremen, (lifePR) - Vor allem die Männer und weniger die Frauen haben 2016 von der guten Konjunktur und der wachsenden Beschäftigung im Land Bremen profitiert. Während im vergangenen Jahr 5.279 neue Arbeitsplätze mit Männern besetzt wurden, gingen lediglich 2.572 neue Jobs an Frauen. Das Wachstum der Frauenbeschäftigung fiel mit 1,9 Prozent damit deutlich geringer aus als das der Beschäftigung von Männern (3 Prozent). Zudem erhalten Frauen nach wie vor niedrigere Löhne als ihre männlichen Kollegen, wie der aktuelle Statistische Jahresbericht der Arbeitnehmerkammer zeigt. „Die Benachteiligung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt bleibt trotz anhaltendem Wirtschaftswachstum bestehen. Der Zugang für Frauen zum Arbeitsmarkt muss deshalb weiter verbessert werden und diskriminierende Praktiken bei der Entlohnung müssen konsequent angegangen werden“, betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Frauen seltener in Beschäftigung
Das geringere Wachstum bei der Beschäftigung von Frauen hat dazu geführt, dass der Frauenanteil an der Beschäftigung im Land Bremen auf nur 43,8 Prozent gesunken ist – das ist bundesweit der niedrigste Anteil. Hinzu kommt, dass die Unterschiede bei den Stundenlöhnen weiterhin hoch sind. Der sogenannte Gender Pay Gap beträgt 18 Prozent und liegt bei Einbeziehung von Sonderzahlungen wie etwa Urlaubs- und Weihnachtsgeld sogar noch deutlich höher. Ein Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, dass die Unterschiede selbst in typischen Frauenbranchen besonders hoch sind: So beträgt etwa im Gesundheits- und Sozialwesen die Lohnlücke 31,2 Prozent.

In keiner Branche verdienen Frauen mehr als Männer
Die Berechnung des Gender Pay Gap wird immer wieder kritisiert. Es gibt deshalb Versuche, die Qualifikationsunterschiede, den hohen Teilzeitanteil von Frauen oder die Erwerbsunterbrechungen wegen Kindererziehungszeiten herauszurechnen. Doch selbst bei einem so genannten bereinigten Gender Pay Gap bleibt ein Gehaltsunterschied über alle Branchen von gut acht Prozent. Schierenbeck: „In keiner Branche, auch nicht in den frauentypischen, verdienen Frauen mehr als Männer. Am Ende müssen viele Frauen fast überall deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen, ohne dass es dafür erklärbare oder arbeitsplatzrelevante Gründe gibt.“

Teilzeit: Stundenlöhne sind niedriger als bei Vollzeitkollegen
Ein Grund für die große Lohnlücke liegt im hohen Teilzeitanteil von Frauen. Denn Teilzeit bedeutet nicht nur, dass es aufgrund der kürzeren Arbeitszeit weniger Gehalt gibt. Auswertungen der Stundenlöhne zeigen, dass Teilzeitarbeit per se im Schnitt schlechter bezahlt wird. Über alle Branchen hinweg erhalten Vollzeitbeschäftigte höhere Stundenlöhne als ihre Teilzeitkollegen: Besonders hoch sind die Unterschiede in den Branchen „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ (11,46 Euro), „Information und Kommunikation“ (5,82 Euro) sowie im „verarbeitenden Gewerbe“ (4,65 Euro) und im „Gesundheits- und Sozialwesen“ (4,55 Euro). Die geringste Lohnlücke pro Stunde zeigt die Branche „öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ mit lediglich 34 Cent.

Mehr Vollzeit- als Teilzeitarbeitsplätze und Rückgang der Minijobs
Entgegen dem Trend der vergangenen Jahre sind 2016 erstmalig wieder mehr Vollzeit- als Teilzeitarbeitsverhältnisse entstanden. Beschäftigungsaufbau fand vor allem im Bereich der Industrie statt. Hier werden überwiegend Vollzeitarbeitsverhältnisse geschaffen. Die Zahl der Minijobs ist hingegen gesunken. Schierenbeck: „Der gesetzliche Mindestlohn macht hier seinen Job. Bisher geringfügige Arbeitsverhältnisse werden zunehmend in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse umgewandelt.“

Weitere Daten im Überblick:

Wirtschaft entwickelt sich positiv – Beschäftigung bleibt zurück
Die Bremer Wirtschaft ist im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. So konnte Bremen sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent steigern und lag damit über dem Bundesdurchschnitt auf dem viertbesten Platz nur hinter Berlin, Sachsen und Baden-Württemberg. Während allerdings Berlin auch bei der Erwerbstätigkeit um 2,5 Prozent zulegte, blieb Bremen hier mit 0,7 Prozent Wachstum hinter dem Bundesdurchschnitt. Auch im Fünfjahres-Vergleich zeigt sich, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Bremen mit einem Plus von 8,8 Prozent teilweise deutlich hinter anderen Ländern zurückbleibt und unter dem Bundesschnitt liegt.

Industrie mit hoher Wertschöpfung
Deutlich über dem Bundesdurchschnitt ist Bremen hingegen im verarbeitenden Gewerbe: Hier liegt das Plus bei der Bruttowertschöpfung bei satten 10,2 Prozent – die beste Entwicklung im Bundesländervergleich. Gleiches gilt für die Exportquote, die im verarbeitenden Gewerbe mit 62,5 Prozent besonders hoch ist und Bremen damit weiterhin auf Platz eins hält. Bei den Dienstleistungen sieht es bei der Bruttowertschöpfung hingegen anders aus. Das Plus gegenüber dem Vorjahr liegt bei nur 0,5 Prozent und verweist Bremen damit auf den letzten Platz.

Arbeitslosigkeit bleibt hoch
Trotz der im vergangenen Jahr knapp 7.900 im Land Bremen zusätzlich entstandenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Mit einer Quote von 10,5 Prozent führt Bremen nach wie vor die Arbeitslosenstatistik der Bundesländer an. Zudem alarmierend: Bundesweit geht die Arbeitslosigkeit zurück, deutschlandweit liegt sie bei nur 6,1 Prozent, in Bayern sogar nur bei 3,5 Prozent. Besonders hoch ist die Arbeitslosigkeit in Bremerhaven mit einer Quote von 14,6 Prozent (Stadt Bremen 9,7 %). Die Arbeitslosen profitieren kaum von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. „Daher ist es richtig, dass der Senat das Beschäftigungsprogramm für Langzeitarbeitslose verstetigen will. Es sollte so weiterentwickelt werden, dass möglichst viele geförderte Arbeitsplätze mit mehr Kontinuität entstehen“, so Schierenbeck.

Den Statistischen Jahresbericht finden Sie auch online auf www.arbeitnehmerkammer.de unter Service/Downloads (Art: Statistischer Jahresbericht).
Direkter Link: https://www.arbeitnehmerkammer.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Jaehrliche_Publikationen/Statist_Jahresbericht_2017.pdf

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