Berufskrankheiten: Neue Beratungsstelle wird gut angenommen / "Konzept ist aufgegangen"

(lifePR) ( Bremen, )
Mehr als 140 Ratsuchende haben inzwischen in der neuen Beratungsstelle für Berufskrankheiten in Bremen Auskunft und Unterstützung erhalten. "Ohne die fachkundige Hilfe der Beratungsstelle wären viele Erkrankte nicht in der Lage gewesen, ihre Ansprüche geltend zu machen", bilanziert Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen nach etwas über einem Jahr. Die Kammer ist bis Ende 2012 Projektträgerin dieser bundesweit einmaligen Beratungsstelle, die auf Beschluss der Bremischen Bürgerschaft Mitte Mai 2011 eingerichtet wurde und im Rahmen des Projekts vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt wird. In den kommenden Monaten wird neben der Beratung der Schwerpunkt der Arbeit auf dem Wissenstransfer liegen. Denn das Projekt soll dazu beitragen, dass Berufskrankheiten gar nicht erst entstehen. "Die Arbeitsbelastungen von heute sind die Berufskrankheiten von morgen", stellt Schierenbeck fest. Um die Prävention in den Betrieben zu stärken, werden die Erkenntnisse aus der Beratung den Betrieben zur Verfügung gestellt.

Asbest: Besondere Situation in Bremen

Im Land Bremen wurden im Jahr 2010 insgesamt 1.177 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit gestellt, im selben Zeitraum wurden 378 Fälle als Berufskrankheit neu anerkannt (32 Prozent). Bundesweit wurden im selben Zeitraum 73.425 Anzeigen gestellt und 15.926 Fälle von Berufskrankheiten anerkannt (21 Prozent). Dabei fällt die spezielle Betroffenheit des Landes Bremen durch asbestbedingte Erkrankungen auf: Mehr als jede dritte Berufskrankheiten-Anzeige und 69 Prozent aller anerkannten Fälle im Land Bremen entfielen 2010 auf asbestbedingte Erkrankungen. Asbest wurde vor allem im Schiffbau verwendet, außerdem war der Überseehafen bis 1991 Hauptumschlagplatz in Deutschland für Asbest. Zwischen dem Asbestkontakt und dem Auftreten der Erkrankung vergehen meist Jahrzehnte - das macht es für viele der Betroffenen schwer, die berufliche Verursachung nachzuweisen.

Bei den seit Mai 2011 geleisteten Beratungen in Bremen handelt es sich allein in zwei Dritteln der Fälle um Erkrankungen durch Asbest und Asbestose. Dafür kann der Berater Rolf Spalek, ehemaliger Betriebsrat des Bremer Vulkan, auf ein umfangreiches Archiv zurückgreifen, das Belege für die Asbestbelastung beim Schiffbau liefert. "Manchmal kommen auch Hinterbliebene, die abklären wollen, ob ihr verstorbener Ehemann oder Vater berufsbedingt erkrankt war, und sie deshalb Ansprüche auf Entschädigungsleistungen der Berufsgenossenschaft haben", berichtet Berater Rolf Spalek. Obwohl es in der Regel lange dauert, bis ein Verfahren abgeschlossen ist, kann er inzwischen in einigen Fällen über konkrete Erfolge berichten. Kammer-Geschäftsführer Ingo Schierenbeck: "Das belegt einmal mehr, dass das Konzept einer unabhängigen, Sozialversicherungsträger übergreifenden Beratungsstelle aufgegangen ist." Die Arbeitnehmerkammer hofft deshalb, dass die Beratung nach Ende der Projektlaufzeit ab 2013 verstetigt wird, damit die Betroffenen auch in Zukunft eine angemessene Hilfe erhalten.

Langwieriges Verfahren

Ob es sich bei einer Erkrankung um eine Berufskrankheit handelt, muss durch ein meist aufwendiges und langwieriges Verfahren geklärt werden, das für die Betroffenen einem Hindernislauf gleichen kann. Gegenüber der zuständigen Berufsgenossenschaft müssen sie nachweisen, dass ihre Gesundheitsschädigung im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht. Ohne eine fachkundige Unterstützung sind die Erfolgschancen deshalb oft gering. Um die erforderlichen Unterlagen und Dokumente zu recherchieren, erhält Berater Rolf Spalek Unterstützung von Dr. Wolfgang Hien vom Forschungsbüro für Arbeit, Gesundheit und Biographie in Bremen. Er begleitet das Projekt wissenschaftlich und ist auch zuständig für die Auswertung der Beratungen.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.