Freitag, 24. November 2017


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Rasant wachsendes Lehrstellenangebot vs. mehr Azubis mit Hindernissen

Das Berufsberatungsjahr 2016/2017

Potsdam, (lifePR) - Die Lage auf dem regionalen Ausbildungsmarkt zeigt sich aus Sicht der regionalen Wirtschaft dramatisch, aus Sicht der Jugend aussichtsreich wie nie. Im abgelaufenen Berufsberatungsjahr  vom 1. Oktober 2016 bis zum 30. September 2017 wurden fast 1.000 Lehrstellen mehr gemeldet als sich Jugendliche dafür interessierten: 4.108 gemeldete Stellen standen 3.183 Ausbildungsinteressierten zur Verfügung. „Die Tendenz zeichnete sich im vergangenen Jahrzehnt ab, aber so weit geöffnet war die Schere noch nie“, schlägt Dr. Ramona Schröder, Leiterin der Potsdamer Arbeitsagentur Alarm. Obwohl es gelungen sei, den Bewerberrückgang zu stoppen – im aktuellen Jahr konnten 370 mehr junge Menschen für eine Ausbildung begeistert werden als noch 2013/2014 – habe sich der Trend durch die rasant wachsende Personalnachfrage nochmals verschärft.
Nach dem 30. September 2017 waren noch 639 Ausbildungsstellen unbesetzt (-59 zum Vorjahr) und 439 Bewerber unversorgt (+104 zum Vorjahr).
„Und genau hier wird das zentrale Problem sichtbar. Trotz dieser großen Stellenvielfalt bleiben am Jahresende immer mehr Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag – in diesem Jahr leider doppelt so viele wie vor zwei Jahren“, unterstreicht Schröder.
Mit Sorge beobachte sie, dass bei immer mehr Schülerinnen und Schülern immer größere Hürden genommen werden müssen, ehe das Thema Berufswahl überhaupt platziert werden könne. „Blockaden, die ein Auseinandersetzen mit der beruflichen Zukunft zunächst nahezu verhindern“, nennt sie das. Immer häufiger kämen junge Menschen mit familiären Sorgen zur Berufsberatung, auch die Kehrseite der Digitalisierung werde spürbarer. „Wir beobachten schon, dass einige Jugendliche in ihrer digitalen Wunschwelt versinken und keine Motivation finden, sich mit ihrem reellen Leben auseinanderzusetzen.“ Psychische Erkrankungen und schulische Probleme seien ebenfalls wachsende Herausforderungen. Diese Entwicklung zeige aus Sicht der Agenturchefin einmal mehr, wie elementar wichtig die gebündelte Jugendarbeit in den Jugendberufsagenturen ist. Hier werden die Dienstleistungen der Kommunen, der Jobcenter und der Arbeitsagentur gemeinsam und unter einem Dach angeboten. In Teltow-Fläming gibt es die Jugendberufsagentur bereits seit eineinhalb Jahren, in Potsdam wird sie im Dezember 2017 eröffnet, in Brandenburg an der Havel im kommenden Jahr.

Schröder unterstreicht in diesem Zusammenhang aber auch, dass diese kritische Entwicklung nicht auf die Mehrheit der jungen Menschen zutrifft:  „Wir konnten im vergangenen Jahr viele interessierte und motivierte junge Menschen in Ausbildung vermitteln. Und schon jetzt kommen viele Schülerinnen und Schüler zur Berufsberatung, die im kommenden Jahr von der Schule in den Beruf wechseln möchten.“ So seien mit Unterstützung der Berufsberatung bereits jetzt rund zwanzig Ausbildungsverträge für den Ausbildungsstart 2018 unterschrieben worden. Im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung arbeitet die Agentur für Arbeit eng mit der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer zusammen.  

Wolfgang Spieß, Geschäftsführer Bildung der Industrie- und Handelskammer Potsdam zur aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt:
„Zurzeit sind im IHK-Bezirk Potsdam rund 450  Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche im Angebot. Wir wissen auch, dass etwa 1.700 Jugendliche aus der Region zur Ausbildung nach Berlin fahren. Mit der Ausbildungskampagne „Mach es in Brandenburg“ wollen wir dieses Zahlenverhältnis mit passgenauer Beratung verändern. Ein Hinweis an unsere Jugendlichen: Seid schlau, macht es wie die Wölfe und kommt nach Brandenburg.“    

Eva Gatzky, Abteilungsleiterin Berufsbildung bei der Handwerkskammer Potsdam:
“Das Handwerk ist in das neue Ausbildungsjahr zum fünften Mal in Folge mit einem Plus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gestartet. Das macht Mut und zeigt, dass sich kontinuierliche Anstrengungen in der Berufsorientierung verbunden mit der steten Aufklärung über die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten nach Abschluss in einem der über 130  Ausbildungsberufe im Handwerk lohnen. Zuwächse sind dabei besonders im Bereich des Bau- und Ausbaugewerbes und in den Ausbildungsberufen Kraftfahrzeugmechatroniker und Elektroniker zu verzeichnen. So dürfen wir mit vorsichtigem Optimismus auch in den nächsten Bewerbungszyklus starten. Die Herausforderungen bleiben hoch, denn 382 Lehrstellen in 49 verschiedenen Ausbildungsberufen konnten in diesem Jahr nicht besetzt werden. Wie komfortabel sich die Situation bei der Wahl des Traumberufes für die jungen Menschen darstellt, zeigte auch unsere jüngste Nachvermittlungsaktion in Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen. Die Interessenten für das Handwerk konnten mit mindestens zwei Angeboten nach Hause gehen, das zeigt, sie haben tatsächlich die Wahl. Eltern, Schülern, Abiturienten, aber auch Studienabbrechern sei deshalb einmal mehr das kostenfreie Betreuungs- und Beratungsprogramm des Handwerks bei der künftigen Berufswahl ans Herz gelegt. Der frühzeitige Kontakt lohnt sich in jedem Fall!“          

Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Oktober 2017 im Überblick  

Beschäftigte            Im März 2017 waren 233.929 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 6.475 Personen mehr als im Vorjahresquartal.          
Stellen Dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der  Arbeitsagentur und der Jobcenter sind seit Jahresbeginn insgesamt 13.554 neue Arbeitsstellen gemeldet worden. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 304 mehr. Insgesamt 6.395 Arbeitsstellen sind derzeit vakant, 1.537 mehr als im Oktober 2016.  
Arbeitslose     Im Oktober 2017 waren in der Region Potsdam bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern insgesamt 17.801 Menschen arbeitslos gemeldet, 3.123 Personen weniger als im Oktober 2016 und 436 weniger als im September 2017.  
Arbeitslosenquote               Die Arbeitslosenquote auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug 5,4 Prozent. Sie lag damit um 0,9 Prozentpunkte unter der im Oktober 2016.  
Jugendliche              Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren ist gegenüber dem Vorjahr um 380 bzw. 23,1 Prozent auf 1.263 gesunken.                        
Unterbeschäftigung       Die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im Oktober bei 24.559 Personen. Das waren 2.957 weniger als vor Jahresfrist und 218 weniger im Vormonat.  
Bildungsmaßnahmen               1.301 Personen nahmen an beruflichen Bildungsmaßnahmen teil.    
Ausländer               2.355 Menschen ausländischer Herkunft waren im Agenturbezirk Potsdam arbeitslos. Das waren 100 weniger als im Oktober 2016.  
Ausbildungsmarkt         Der Agentur für Arbeit wurden im Berichtsjahr 2016/2017 insgesamt 4.108 offene Ausbildungsplätze gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr waren das 41 mehr. 3.183 junge Menschen – 52 mehr gegenüber dem Vorjahr – suchten eine Ausbildungsstelle. Zum Ende des Berichtsjahres standen 639 offene Ausbildungsplätze (59 weniger als im Berichtsjahr 2015/2016) 439 Jugendlichen gegenüber, die bis zum 30. September 2017 keine Ausbildungsstelle finden konnten.                                          Gegenüber dem Vorjahr sind das 104 Personen mehr.  

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