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Pressemitteilung BoxID: 278408 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Windhorsts Ziel für 2012: Den bürokratischen Wahnsinn stoppen

(lifePR) (Münster, ) Seit Jahren wird das Problem des Bürokratismus und der Dokumentationswut in der Medizin angeprangert, aber es passiert nichts. Die aktuellen Zahlen sind erschreckend, sagt Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe: Nach einer Studie der Unternehmensberatung A. T. Kearny lag 2010 der Anteil der Verwaltungskosten im deutschen Gesundheitssystem bei über 40 Milliarden Euro, das sind 23 Prozent der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Höhe von 176 Milliarden Euro. Allein in der GKV werden über 27 Milliarden Euro für Verwaltung ausgegeben. Das seien Versichertengelder, die der Patientenversorgung entzogen würden.

"Der bürokratische Wahnsinn hat in unser Gesundheitswesen schon längst Einzug gehalten", kommentiert Windhorst, "und blockiert an vielen Stellen die medizinische Versorgung der Patienten." Es sei seit Jahren bekannt, dass die Ärzte mit viel zu viel Bürokratieaufwand und Verwaltungsaufgaben von ihrer kurativen Tätigkeit abgehalten würden, kritisiert der Kammerpräsident. Nun habe dies eine Studie auch auf den "finanziellen Punkt gebracht".

Es sei dringend notwendig, die überbordende Bürokratie in den Krankenhäusern und Praxen endlich abzubauen und diesen "Bürokratie-Wahnsinn zu stoppen". Es könne nicht sein, dass etwa Klinikärzte ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben zubringen müssten. Auch die niedergelassenen Ärzte müssten von "dauernden Dokumentationen und unnötigem Papierkram" entlastet werden. Schließlich fehle allen Ärzten durch die Belastung mit bürokratischen Tätigkeiten die dringend benötigte Zeit für die Patientenversorgung.

"Aber ich befürchte, dass wir hier ein ganz dickes Brett bohren müssen", sagt Windhorst. "Doch wir müssen es anpacken, auch um Kosten zu sparen und Beitragserhöhungen zu verhindern." Laut der Studie von A. T. Kearny gibt es bezogen auf die Verwaltungskosten ein Einsparpotenzial von mindestens 13 Milliarden Euro.

"Für das anerkannt hohe Niveau unseres Gesundheitswesens ist es gefährlich, bei der Versorgung der Patienten oder den Leistungserbringern zu sparen. Das sind die falschen Adressaten, wie die Studie zeigt. Wir müssen unser gutes Gesundheitssystem erhalten und es vor der Gefahr bewahren, dass es zu einer Gesundheitsverwaltung pervertiert." Dafür sollten alle notwendigen Ressourcen genutzt werden, so Windhorst. Es gelte zudem, die Attraktivität des Arztberufes wieder zu steigern. "Junge Mediziner wollen keine Formulare ausfüllen, sie wollen den Patienten helfen und sie heilen. Ihr Arbeitsplatz ist nicht der Schreibtisch, sondern am Krankenbett."