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Pressemitteilung BoxID: 378056 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Windhorst: Auf der Warteliste stirbt die Hoffnung auf Heilung zuletzt

Vertrauen in Organspende durch Transparenz, Ehrlichkeit und Qualitätssicherung

(lifePR) (Münster, ) "Nur durch Transparenz, Ehrlichkeit und Qualitätssicherung als vertrauensbildende Maßnahmen können wir die derzeit rückläufigen Zahlen der Organspenden wieder erhöhen", erklärt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, vor dem Hintergrund der dramatisch gesunkenen Organspendezahlen in 2012. Die Forderung nach Verstaatlichung des Spende-Systems sei hingegen "ein falscher Ruf zur falschen Zeit". Nicht Obrigkeit und purer staatlicher Dirigismus schützten bei der Organvermittlung vor Missbrauch, sondern medizinischer Sachverstand im Hinblick auf die Verteilung der Organe nach den Prinzipien der medizinischen Notwendigkeit und des operativen Erfolges. Dieser medizinische Sachverstand der beteiligten Gremien unter Mitarbeit der per Gesetz implementierten Aufsicht könne in Zukunft verbrecherische Manipulationen Einzelner verhindern und damit die Spendebereitschaft erhöhen.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ist die Zahl der Organspenden im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 12,8 Prozent gesunken und hat damit den niedrigsten Stand seit 2002 erreicht. Lediglich 1.046 Menschen hätten demnach 3.508 Organe gespendet.

Im Jahr zuvor seien es noch 1.200 Spender und 3.917 Organe gewesen.

Windhorst plädiert dafür, die Solidarität mit den Leidenden auf der Warteliste in den Vordergrund der Entscheidung für eine Organspende zu stellen. "Auf dieser Liste des Todes stirbt die Hoffnung auf Heilung zuletzt. Das kann und wird aufgrund der aktuellen Organvermittlungsskandale ein langer Weg werden, ist aber wichtig, um die Menschen auf der Warteliste nicht allein zu lassen mit ihrem Schicksal."

Auch der "superschlaue Ruf nach einer heckenschnittartigen Kürzung der Zahl der Transplantationszentren und Änderung deren Verteilung ist nicht der Stein der Weißen", warnt Windhorst. Eine auf der Basis von Daten der Struktur- und Prozessqualität basierende neue Bedarfsplanung solle eine zielgerichtete Diskussion um die Standortfrage von Transplantationszentren ermöglichen. Die im Transplantationsgesetz verankerten Vorgaben könnten nachhaltig die Zukunft einer ausgewogenen Organvermittlung garantieren und so das Vertrauen in die Transplantationszentren wiederherstellen.

Nur so könne man auch davon wegkommen, regelmäßig und in großem Umfang Organe aus anderen Ländern importieren zu müssen. "Wir haben in unserem Land eine verzweifelte Nachfrage nach Organen. Durch den Mangel kommt es zur Schieflage im System. Wir müssen den Mangel abbauen, um Vermittlungsskandale und Manipulationen zu verhindern." Schließlich sei eine grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung vorhanden. Aber eine dauernde Auseinandersetzung mit Skandalen sei natürlich kontraproduktiv. "Wo man sich noch nicht direkt mit Skandalen beschäftigen musste, wie in Hamburg oder Nordrhein-Westfalen, sind die Spenderzahlen nicht so stark rückläufig wie andernorts."