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Pressemitteilung BoxID: 278161 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Ärztekammer kritisiert Krankenkassenforderung / Den Krankenhäusern droht vielmehr ein Burnout

Windhorst: Wer Kliniken schließen will, gefährdet die gesamte Patientenversorgung

(lifePR) (Münster, ) "In Zeiten der sektorübergreifenden Versorgung bedeutet die Forderung nach Klinikschließungen nicht nur den Todesstoß für die stationäre Versorgung, sondern sie gefährdet die gesamte, also auch die ambulante Patientenversorgung. Damit wird die wohnortnahe und flächendeckende medizinische Versorgung empfindlich gestört." Darauf weist der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, hin. Die Arbeitsverdichtung in den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern werde immer höher und die Belastungen für das Klinikpersonal stiegen ständig.

Windhorst warnt davor, dass "einige Häuser kurz vor dem Burnout stehen", zumal es in Nordrhein-Westfalen in den über 400 Kliniken etwa 1500 nicht besetzte Stellen gibt. Die im vergangenen Jahr überstandene EHEC-Epidemie hätte gezeigt, dass die Kliniken an ihre strukturellen und personellen Leistungsgrenzen gestoßen seien.

Die Barmer GEK hat sich jetzt dafür ausgesprochen, Krankenhäuser zu schließen und die Zahl der Klinikbetten zu reduzieren. Im Vergleich zu anderen Ländern seien die Klinikstrukturen in Deutschland teurer und größer.

"Was wir mit der derzeitigen Belastungs- und Mangelsituation der Qualität der Patientenversorgung antun, ist besorgniserregend", sagt hingegen Windhorst. Er kritisiert zudem die unzureichende Finanzausstattung der Krankenhäuser. Hier seien keinerlei Spielräume mehr vorhanden, um den Kliniken weitere Sparmaßnahmen zu verordnen. "Wer das fordert, nimmt Kliniksterben billigend in Kauf."

Eine qualitativ hochstehende Versorgung im stationären Sektor benötige auch eine ordentliche Vergütung und finanzielle Ausstattung für die Häuser. Aber die Kliniken steckten weiterhin in ihrem alten Finanzkorsett. Dabei müsste dieses dringend gelockert werden, denn den Häusern bleibt keine Luft mehr.

Windhorst: "Mit rigiden Budgets und abgestaffelten Vergütungen für Mehrleistungen steht manches Krankenhaus bereits mit dem Rücken zur Wand."

Immer weniger Häuser müssten immer mehr Operationen und Behandlungen bewältigen. Die Patienten-Fallzahl ist bundesweit in den letzten zehn Jahren um circa eine Million auf 18 Millionen gestiegen, die Verweildauer der Patienten in diesem Zeitraum von etwa zehn auf knapp acht Tage gesunken. In NRW wurden im vergangenen Jahr über 4,1 Millionen Patienten stationär behandelt. In den letzten fünf Jahren hat insbesondere die Zahl der minimal-invasiven Operationen erheblich zugenommen (plus 85 Prozent).

Dazu Windhorst: "Dies muss als medizinischer Fortschritt gewertet werden, da so Menschen behandelt werden können, für die eine gewöhnliche OP ein zu hohes medizinisches Risiko darstellen würde. Die Leistungsvermehrung für

Ärzteschaft und Pflege in unseren Krankenhäusern aber ist erheblich. Und sie findet ohne eine Verteuerung des Systems statt, da die Kliniken gnadenlos budgetiert sind."