Donnerstag, 14. Dezember 2017


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Bauern gegen Glyphosat

Neuorientierung in der ackerbaulichen Praxis notwendig

Brüssel / Berlin / Hamm, (lifePR) - Nach Auffassung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ist der Wirkstoff des weltweit meistverkauften Total- bzw. Breitbandherbizids Glyphosat Ausdruck eines Agrarsystems, das immer billiger produzieren will – mit unkalkulierbaren Risiken für Mensch, Tier, Boden und Umwelt. Jan Wittenberg, Ackerbauer aus Mahlerten (Niedersachsen) und Bundesvorstandsmitglied der AbL, nimmt zur bevorstehenden Abstimmung in Brüssel über eine Verlängerung der Nutzung von Glyphosat Stellung:

„Dieses meistverteidigte wie meisteingesetzte Total-Herbizid ist überflüssig. Längst haben Ackerbauern herausgefunden, wie man Lebensmittel erzeugen kann, ohne den Ackerboden mit Glyphosat zu behandeln. Mehr Vielfalt in der Fruchtfolge und eine intelligentere Verteilung der Kulturen sollten dazu mit moderner Technik in der mechanischen Bodenbearbeitung verbunden werden. Auch die konservierende Bodenbearbeitung, die nachhaltig das Bodenleben fördert, ist ohne den Einsatz eines Totalherbizides möglich und sinnvoll. Schon lange ist auch klar, dass der Eintrag eines „wahrscheinlich krebserregenden“ Produktes in unser Ökosystem und unsere Nahrungskette nicht verantwortungsvoll sein kann. Die Verteidigung eines gesellschaftlich nicht gewollten, schädlichen Pflanzenschutzmittels aus reiner Gier nach Profit kann von den Bauern nicht mehr mitgetragen werden. Die Lobby der Agrarindustrie sollte aufhören, aktiv Mensch, Tier und Umwelt nachhaltig zu schaden, um kurzfristige Gewinne zu machen. Glyphosat ist out.”

Die AbL fordert:

1.) Der Wirkstoff Glyphosat darf nicht wieder zugelassen werden. Mit einer zeitlich begrenzten Übergangsfrist von zwei Jahren erhalten alle Bauern und Bäuerinnen die Möglichkeit, sich auf die veränderten Gegebenheiten einzustellen.
2.) Das Ende der Zulassung von Glyphosat darf nicht zum Einsatz bzw. zur Zulassung anderer eventuell noch giftigerer Stoffe führen. Vielmehr muss die grundlegende Zielsetzung eine Neuorientierung in der ackerbaulichen Praxis und der Grünlandbewirtschaftung sein. Bereits die aktuell gültige deutsche Pflanzenschutzgesetzgebung verlangt vor dem Einsatz von Pestiziden zunächst die Ausschöpfung sämtlicher biologischer, mechanischer und kulturtechnischen Möglichkeiten, mindestens das sollte Leitlinie des Handelns sein.
3.) Unabhängig von der Debatte um Glyphosat ist die EU-Risikobewertung von Pestiziden grundsätzlich und grundlegend zu reformieren. Transparenz und Studien von unabhängigen wissenschaftlichen Instituten müssen dafür die Grundlage sein.
4.) Inhalt von Forschung, Beratung sowie Aus- und Weiterbildung in der Landwirtschaft müssen Formen des Ackerbaus ohne Totalherbizide sein. Vielmehr sollten nicht-chemische Verfahren des Pflanzenschutzes in den Mittelpunkt gestellt werden.

Hinweis: Jan Wittenberg und anderen Bauern kommen in einem Video zum Thema zu Wort:
www.youtube.com/watch?v=dGIXMMagP3g

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