Was Unternehmen vom Profifußball lernen können

Veränderungen beginnen mit spielerischem Lernen

(lifePR) ( Eggenfelden, )
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„Wir spielen nicht mehr, weil wir älter werden.
Wir werden älter, weil wir nicht mehr spielen.“

Was das mit dem Lernen zu hat tun, zeigt ein Blick auf die ersten Jahre: Kinder spielen, um zu entdecken, zu lernen. Sie entwickeln Freude an der Bewegung, am Laufen, am Klettern, an den Formen, an den Worten. Je mehr das Lernen in der Schule dann zu einem Frontalunterricht wird, desto stärker sinkt die Bereitschaft, es zu tun. Pflicht wird zum Thema. Damit ist Unternehmern natürlich nicht geholfen. Das mag auf dem Kasernenhof noch einigermaßen funktionieren, nicht jedoch in Unternehmen mit unterschiedlichen Generationen, Erfahrungsschatz und Kompetenzen. Um Veränderungen und Herausforderungen erlebbar zu machen und Konfliktsituationen zielführend zu lösen, ist die spielerische Komponente das verbindende Element.

Unternehmen setzen immer mehr auf diesen Trend. Dafür werden Lernwerkstätten selber oder mit der Erfahrung von Beratungsunternehmen entwickelt. Ziel ist es, mit einem spielerischen Ansatz Prozesse abzubilden und mit Hilfe der Mitarbeiter effizienter zu gestalten. Daniel Karte, Geschäftsführer der Kerkhoff Lernfabrik und bei Kerkhoff Consulting, beschreibt eine Lernfabrik an Hand eines Beispiels: „Ein Baustoffhändler bildet seine komplexen Lieferketten mit spielerischen Elementen wie Sand und einer komplexen Fördereinrichtung mit Abfüllung ab und schafft so nicht nur Transparenz, sondern auch ein anschaulicheres Verständnis für Veränderungen.“

Das eine Lernfabrik schnell zu guten Ergebnissen führen kann bestätigt Thomas Meyer von der Sievert Bausstoffgruppe. Er entwickelte für sein Unternehmen in Zusammenarbeit mit Karte eine individuelle Lernfabrik. Das Ergebnis des Workshops waren 102 Verbesserungsmaßnahmen, um die Lieferkette des Unternehmens effizienter zu machen. „Die Investition in eine Lernfabrik, hat sich innerhalb weniger Woche amortisiert“, sage Meyer.

Warum funktioniert also der spielerische Ansatz einer Lernfabrik so gut und warum setzen immer mehr Unternehmen darauf? Dieser Entwicklung kann unter anderem an Fußballvereinen ausgemacht werden – von der Champions League bis zur Bezirksliga: Die Freude am Spiel wird nur durch tägliches Lernen aufrechterhalten. Ohne Fortschritt fällt die Leistungskurve rapide ab.

Die Entwicklung

Fußballspiele früherer Zeiten werden im Vergleich zu heute langsamer empfunden. Unter Weltklassespieler wie Beckenbauer, Netzer und Overath waren Querpässe und Rückpässe keine Seltenheit. Heute laufen Spieler fast doppelt so viel wie früher und wechseln ständig die Positionen. Jürgen Klopps Pressing oder Pep Gardiolas Tiki-Taka haben die Geschwindigkeit und Flexibilität des Fußballs drastisch erhöht. Grund dafür ist mit Sicherheit der ständige Wettbewerb zwischen den Fußballmannschaften. Maßgeblich daran beteiligt ist aber das tägliche Training, die Bewegung, die Auseinandersetzung mit neuen Laufwegen, das Einstudieren neuer Spielzüge.

Auch Unternehmen stehen unter ständiger Veränderung. Das Thema Digitalisierung ist in aller Munde. Jedoch ist die Umsetzung eher schleppend als flott. Bei einem Trainerwechsel im Fußball ändert sich alles schnell. In Unternehmen dauert es häufig länger. Ein Beispiel ist der Vergleich von Investitionen von Unternehmen nach einer KFW-Studie aus 2018. Das meiste Geld stecken Firmen in neue Maschinen, Gebäude und Einrichtungen: 169 Milliarden Euro pro Jahr. Für Digitalisierungsvorhaben sind es gerade einmal 14 Milliarden Euro. Veränderung dauert. Daniel Karte sieht aber besonders im Mittelstand Veränderungsdruck: „Industrie 4.0 ist nicht einfach nur Digitalisierung und Automatisierung, sondern auch die Optimierung der Produktion. Wir spüren deshalb auch immer mehr den Bedarf bei Kunden nach Lean-Management und Prozessoptimierung. Dafür werden Ansätze benötigt, um durch Kreativität die Lösungen zu finden. Veränderung beginnt mit kreativem Denken.“

Wie sich der Fußball in den letzten zehn Jahren verändert hat, kann exemplarisch am FC Bayern München beobachtet werden. Unter Trainer Felix Magath war eine Doppelspitze mit den Spielern Roy Makaay und Claudio Pizarro üblich. In der Zeit unter Louis van Gaal und Jupp Heynckes basierte das System mit Spielern wie Arjen Robben, Franck Ribery und Mario Gomez auf einem Stürmer und zwei Außenstürmern. Unter Pep Guardiola war bei den Bayern durch das Tiki-Taka oftmals gar keine nominelle Spitze mehr aufgestellt. Diese Beispiele machen deutlich, wie sich Systeme ständig verändern. Der Wettbewerb sorgt dafür, dass sich sogar die Marktführer neu ausrichten müssen.

Um diese Veränderungsprozesse zu meistern, trainieren Profimannschaften jeden Tag. Die Spieler haben ohne Frage Talent und sind diszipliniert. Dennoch lernen sie jeden Tag über das Training ihre Technik, die Laufbereitschaft und das gegenseitige Spielverständnis zu verbessern. Der Grund ist einfach: Wenn durch Training keine Veränderungen durchgeführt werden, verliert das Team den Anschluss. Die Konkurrenz schläft nicht.

Gleichzeitig werden durch das Spielen und Trainieren neue Spielzüge und Ideen entwickelt, die von der Intuition der Spieler beeinflusst sind. Denn: Alle Spieler haben und verfolgen individuelle Interessen. Der Eine will in die Stammelf, der andere einen Titel gewinnen, wieder einer möchte später zu einem Top-Club wechseln und mehr Geld verdienen. Dennoch, oder gerade deswegen, wird jeden Tag gemeinsam an einem übergeordneten Ziel gearbeitet.  Das Training hat neben Verbesserung auch den Sinn, Abläufe zu verdeutlichen und zu verinnerlichen und somit deren Akzeptanz zu steigern. Diese Abläufe formen und stärken das Team, ohne das jeder Spieler als Individualist scheitert.

Kann man den Fußball mit Unternehmen vergleichen

Der erfolgreiche Hedgefond-Manger Angelo Gordon, Inhaber des Fußballclubs FC Liverpool, tut genau dies. Zu der Auswahl des Trainers Jürgen Klopp sagt er: „Es war klar, dass sich Jürgen als Fußballtrainer auf dem gleichen Niveau bewegt wie ein Unternehmenschef, wie ein Mann, dem man gerne seine Firma anvertrauen würde.“ Beim FC Liverpool bekommt jeder Spieler einen individuellen Trainingsplan. Nur so wird die ganze Mannschaft stark. Das Motto von Jürgen Klopp ist „Together strong“.  Egozentriker und Egoisten, die sich nicht in den Dienst der Mannschaft stellen, sind bei Jürgen Klopp wortwörtlich fehl am Platz. Veränderung und Lernen gehen am Ende nur gemeinsam, wenn alle an einem Strang ziehen.

Für das Ziel des Unternehmenserfolges müssen auch Mitarbeiter Veränderung umsetzen.  Ohne motivierte und engagierte Mitarbeiter können aber Erfolg und Veränderung nicht umgesetzt werden. Der Punkt ist: Keine Veränderung kann ohne Mitarbeiter dauerhaft erfolgreich sein. Es braucht dazu Fähigkeiten und Kultur. Besonders die Digitalisierung braucht Kulturwandel und damit vor allem engagierte und lernbereite Mitarbeiter, die diesen Kulturwandel mittragen und mitgestalten.

Studien zeigen, dass die Realität in Bezug auf engagierte Mitarbeiter sehr ernüchternd aussieht. Nach einer Untersuchung von Gallup haben hochgerechnet fünf Millionen deutsche Beschäftigte bereits innerlich gekündigt und 70 % unter ihnen machen Dienst nach Vorschrift. Begeisterung und Engagement in den meisten Unternehmen ist nicht zu finden. Das verdeutlich auch, warum 50 % aller angestoßenen Veränderungen in Unternehmen scheitern:  Mitarbeiter werden auf die Veränderungen nicht vorbereitet, sie werden nicht trainiert und auf die Taktik der Gegenmannschaft eingestellt, was bei Unternehmen das Verhalten der Konsumenten und Wettbewerber ist.

Wie wichtig engagierte Mitarbeiter in Zukunft sind, zeigt das Beispiel der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter. Die wertschöpfenden Tätigkeiten werden in Zukunft noch weitaus mehr Bedeutung gewinnen, da Beschäftigte in den Betrieben noch zielgenauer auf die Veränderungen vorbereitet werden müssen. Die digitale Revolution bedeutet insofern auch eine Bildungsrevolution für die Unternehmen. Branchen wie der Finanzsektor oder die Automobilzulieferindustrie, die jetzt schon durch die Veränderung betroffen sind, haben dies erkannt und steuern dagegen. Continental beispielsweise weiß, dass 20.000 seiner Arbeitsplätze von einem Wandel betroffen sind und schult daher bereits heute 120 Mechanik-Ingenieure und Experten für Verbrennungsmotoren zu Elektroingenieuren um. Man kann hieraus schließen, dass Veränderung sowie Anpassungsfähigkeit für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens entscheidend sind.

Veränderung beginnt mit der Akzeptanz, dass Lernen notwendig ist. Menschen in Klassenzimmer zu stecken ist sicher der falsche Ansatz für das Lernen 4.0. Das Lernen vor 200 Jahren heute noch anzuwenden, ist nicht mehr tragbar. Dies bestätigt auch Jack Ma, der Gründer des größten Handelskonzerns der Welt. Seiner Meinung nach werden bis in das Jahr 2030 nahezu 800 Millionen Berufe vernichtet. Grund für diese Disruption ist die Digitalisierung. Aus der Sicht von Jack Ma, der selber ausgebildeter Englischlehrer ist, müssen Menschen heute das lernen, was Maschinen nicht lernen können. Als Beispiele nennt er “Werte, Überzeugung, unabhängiges Denken, Teamwork, Mitgefühl – Dinge, die nicht durch reines Wissen vermittelt werden. Alles, was wir lehren, muss unterschiedlich von Maschinen sein. Wenn es Maschinen besser können, sollten wir uns Gedanken machen.“

Ein Ansatz hierfür ist eine Rückbesinnung auf unsere ersten Jahre, in denen uns das Lernen leicht fiel, wir dem Neuen mit Neugier entgegen getreten sind. Nach Prof. Gerhard Hüther ist das spielerische Lernen der Weg für neue Lösungen, Ideen und Visionen. So ist es wissenschaftlich erwiesen, dass beim Spielen alle neuronalen Netze geöffnet sind und miteinander in Verbindung treten. Auch Unternehmen wie VW oder BMW setzen auf Lernwerkstätten. Es sollen Trainings unter realen Bedingungen für die Mitarbeiter geschafft werden. Dadurch soll die Mitarbeiterbindung nicht nur gestärkt, sondern auch die Qualität der Produkte erhöht werden. VW hat schon zwölf Lernwerkstätten im Wolfsburger Werk etabliert. Denn durch den spielerischen Ansatz werden verschiedene Blicke auf Produkte geschaffen und neue Ideen entwickelt.

Auch Prof. Dr. Jens Junge von der Design Akademie Berlin macht deutlich, dass spielerisches Lernen vorteilhaft für Unternehmen ist. „Innovation hat immer etwas mit dem spielerischen Umgang mit Problemen zu tun. Das ist etwas, das Erwachsene wieder mehr im unternehmerischen Umfeld machen müssen – Versuche starten, Szenarien simulieren und durchspielen.“  

Vom Trainer bis zum Spieler

Eine Möglichkeit, das spielerische Lernen in Unternehmen umzusetzen, ist zum Beispiel Daniel Kartes Ansatz der Kerkhoff Lernfabrik. Der Trainingsansatz basiert darauf, Unternehmensprozesse aus der Realität in einem Spiel nachzubilden. Die Nachbildung sorgt für eine Simulation in einem geschützten Raum. Durch die reelle, aber verkleinerte Abbildung werden den Teilnehmern Verständnis und Transparenz der Unternehmensprozesse vermittelt. Durch gemeinsames Experimentieren wird das Silo- bzw. Abteilungsdenken aufgebrochen und das Wir-Gefühl gestärkt. Dadurch kommt es zu einer Reduzierung komplexer Vorgänge und zu effizienteren Unternehmensprozessen. Die Teilnehmer identifizieren sich spielerisch mit Produkt und Prozess. Dies hat die Folge, dass die Teilnehmer in neuen Rollen und auf den Prozessabschnitt blicken. Aus der Kombination von papierbasiertem Prozess, Digitalen Elementen (zum Teil aus der Realität) und einfachen haptischen Elementen entsteht ein USP.  „Wir haben durch den spielerischen Ansatz der Lernfabrik nicht nur das Teambuilding gestärkt, sondern durch das Selbst-Erleben unserer Prozesse mit der Kombination sich anders zu Verhalten neue Erkenntnisse und Lösungen gesammelt. Denn wie heißt es so schön: Einmal es mit den Händen zu machen, ist besser als etwas hundert Mal theoretisch zu durchdenken“, sagt Herr Meyer von der Sievert Bausstoffgruppe.

Kartes Vision ist Menschen und Unternehmen eine Möglichkeit zu geben, spielerisch zu lernen und dadurch nicht nur die Kosten zu senken, sondern auch Engagement und unternehmerisches Verständnis zu steigern. Damit wird die Veränderung nicht nur angenommen, sondern proaktiv mitgestaltet. Karte kommt selber vom Bauernhof. Er war früher selbst ein talentierter Leichtathlet und nahm an den Deutschen Meisterschaften teil. Nach einer Ausbildung zum Elektroinstallateur ging er an eine Eliteuniversität und arbeitete danach als Unternehmensberater. Dort sammelte er in vielen Branchen Erfahrungen. Jedoch fehle ihm das handwerkliche und spielerische Element in den Projekten.  Ihm fiel immer wieder auf, wie wichtig es bei Projekten ist, Mitarbeiter zu involvieren und mitzunehmen, um einen möglichst hohen Output zu generieren. Daraus entwickelte sich die Lernfabrik, die er später als Geschäftsführer für Kerkhoff Consulting aufbaute.
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