Freitag, 09. Dezember 2016


Einundzwanzig Stellen für erste Pflege-Bachelor

Hochschule Osnabrück führt Blitzumfrage bei Kooperationspartnern der Hochschule Osnabrück zur Stellensituation durch

(lifePR) (Osnabrück, ) Im Oktober werden die ersten 34 Absolventinnen und Absolventen des dualen Bachelor-Studiengangs Pflege der Hochschule Osnabrück dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Nach anfänglich zögerlichem Verhalten der Arbeitgeber in der Region kommt nun deutlich Bewegung in den Stellenmarkt für das neue Berufsprofil. Das belegt eine Blitzumfrage der Hochschule unter ihren Kooperationspartnern vom 19. Juni, gut drei Monate vor dem frühestmöglichen Einstellungsbeginn.

Danach sind für die 34 Studierenden zurzeit 21 Stellen bei den jeweiligen Ausbildungsträgern geplant. Hinzu kommen weitere Stellen bei anderen Arbeitgebern.

"Es ist tatsächlich so, dass die erste Abschlussgruppe sich, wie so viele Pioniere, die gewünschten Stellen mit mehr Aufwand erkämpfen muss, als für die Folgegruppen zu erwarten ist", schlussfolgert Prof. Dr. Martin Moers, Beauftragter des Studiengangs Pflege und bezieht sich damit auf die Kritik über fehlende adäquate Stellen für Pflege-Bachelor, die von Absolventinnen und Absolventen in den vergangenen Wochen geübt wurde.

"Der steigende Bedarf an hochschulisch qualifizierten Pflegefachpersonen wird von allen relevanten Expertinnen und Experten einstimmig konstatiert", betont der Pflegewissenschaftler. Ihm sei aber auch klar, dass die Pflege-Bachelor bereits jetzt auf Arbeitsplatzsuche gingen. "Natürlich sind manche frustriert darüber, dass ihnen von ihren Ausbildungsträgern nicht genug angemessene Stellen angeboten werden."

Die von den Kooperationspartnern offerierten Stellen zeigten den Beginn einer Entwicklung, bei der noch vieles offen sei, stellt Moers fest. So sind die meisten Stellen als Kombinationen aus direkter Pflege und Projektarbeit mit unterschiedlich hohen Stellenanteilen ausgelegt, zum Teil werden auch Traineeprogramme angeboten. Für die Stellenanteile mit herausgehobenen Aufgaben wird eine höhere Vergütung angeboten, für den Einsatz in der direkten Pflege in der Regel nicht.

Aus Sicht der Lehrenden ist der Einsatz in der direkten Pflege erwünscht. "Unser Konzept zielt auf vertiefte klinische Kompetenzen. Zusatzaufgaben in patientennahen Projekten sind ebenfalls zielführend, also etwa in der Prozesssteuerung oder der Qualitätsentwicklung", erläutert der Professor.

Für Studentin Veronika Johanning ist die Arbeit am Bett selbstverständlich und gewollt. Sie tritt im Oktober ihre erste Stelle in den Seniorenpflegeheimen der St. Michael Pflege an. "Ich werde mit einer halben Stelle in der regulären Pflege arbeiten. Wir errichten eine neue Einrichtung, dort soll ich eng mit der Pflegedienstleitung zusammenarbeiten, um eine Konzeptumsetzung zu gewährleisten. Mit einer viertel Stelle bin ich verantwortlich für die Organisation der Feierlichkeiten der Hausgemeinschaften, betreue und binde dabei die Ehrenamtlichen ein." Langfristig möchte Johanning das Überleitungsmanagement verantworten. Sie findet es aber richtig, zunächst kleine Brötchen zu backen, "mit einem Bachelor sitzt man nicht direkt auf einem Leitungsstuhl. Berufserfahrung ist immer wichtig." Um Ihren Wert als studierte Kraft weiß sie aber trotzdem. "Ich habe einen umfassenderen Blick auf den Pflegeprozess, die Prozessdokumentation und die Bedürfnisse eines Bewohners."

Diese Selbsteinschätzung kann Christoph Pieper, seit acht Jahren Pflegedienstleiter im zur Holding gehörenden Altenpflegeheim St. Antonius-Stift in Alfhausen nur bestätigen. "Frau Johanning hat eine andere, sehr strukturierte Herangehensweise und frische Ideen". Ein Beispiel dafür nennt er prompt. Für eine demenzkranke, sehr schwerhörige aber lesefähige Patientin habe Johanning Karten mit Großdruck entwickelt, damit überhaupt noch Kommunikation stattfinden kann. Die Professionalisierung der Pflege ist Pieper ein Anliegen. Hinter Schlagwörtern wie Arbeitsverdichtung oder Fachkraftquote verberge sich schließlich immer die Frage, "wie die Qualität in der Pflege gewährleistet werden kann", betont der diplomierte Pflegewissenschaftler. Pflege-Bachelor könnten darauf Antworten geben.

Den Studierenden rät Pieper "sich an die eigene Nase zu packen". Jeder sollte während des Studiums Kontakte zu Arbeitgebern aufbauen, Netzwerke knüpfen, Praktika machen und in den Semesterferien arbeiten. "Als ich 2002 mit dem Studium fertig wurde, war die Stellensituation ähnlich. Auch wir müssten die Unternehmer überzeugen."

Als "Operative Assistenz Pflegemanagement" im Christlichen Krankenhaus Quakenbrück (CKQ) werden ab Oktober die Studierenden Jana Enneking und Till Puncak arbeiten. Bereits jetzt sind Sie in ein Praxisprojekt eingebunden, dass die Angleichung der Pflegestrukturen des erst kürzlich übernommenen St. Anna-Krankenhauses in Löningen zum Ziel hat. "Wir haben bereits eine Ist-Analyse der Belegungssteuerung durchgeführt", nennt Puncak eine konkrete Aufgabe, die er als Pflege-Bachelor leisten muss. Mit dem Angebot einer halben Stelle sei ihm die Geschäftsführung sehr entgegengekommen. "Ich möchte noch den Master Management im Gesundheitswesen anschließen, da passt die Stelle perfekt zu mir", freut sich der Student. Den Frust derjenigen, die nicht problemlos eine erste Anstellung finden, kann Puncak aber gut nachvollziehen. "Im Verständnis von Arbeitgeber und Studierenden hakt es noch. Passende Stellen werden noch entstehen", ist er sich sicher.

In Vollzeit und unbefristet beginnt Jana Enneking im CKQ. "Die Arbeit in meiner neuen Stelle ist wirklich sehr interessant und umfangreich. Ich kann im CKQ einbringen, was ich gelernt habe und wofür ich ausgebildet wurde". Dass die Aussichten für einige Mitstudierende bislang weniger gut sind, ärgert sie. "Zu Studienbeginn wurde uns gesagt, dass es gute Stellen für uns geben wird, nun läuft es aber etwas schleppend. Offenbar ist nicht allen Arbeitgebern klar, wie und wo sie uns einsetzen können", vermutet die Studentin.

Dabei lägen die Vorzüge der Pflege-Bachelor auf der Hand. "Wir können Alltagssituationen der Pflegepraxis mit Distanz sehen, beurteilen, wo Probleme liegen und wissen, wie sich Prozesse optimieren lassen. Wir sind die Schnittstelle zwischen Pflegenden, Patienten und Pflegemanagement und übersetzen wissenschaftliche Erkenntnisse in Konzepte für die Praxis", fasst Enneking zusammen.

Die Verträge für Enneking und Puncak sind für Heinrich Titzmann, Geschäftsführer des CKQ, logische Konsequenz der vergangenen vier Jahre. Er selbst nennt sich einen "Treiber für die Etablierung des Studiengangs" und ist sich sicher, dass der Bedarf an akademisch qualifizierten Pflegefachkräften groß ist. Alleine in Bereichen wie Steuerung und Patientensicherheit könnten die Pflege-Bachelor sinn- und wertvoll eingesetzt werden.

"Aus pflegewissenschaftlicher Sicht ist ein Anfang gemacht, jetzt müssen weitere Schritte folgen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten", appelliert Moers an die Arbeitgeber und wünscht sich, dass auch die Stellenprofile für den Einsatz in der direkten Pflege deutlicher auf das höhere Abschlussniveau ausgelegt und entsprechend besser vergütet werden. "Ein Beispiel ist die Einrichtung primärer Bezugspflege, das sogenannte "Primary Nursing", mit erhöhter Verantwortung für Pflegeplanung und Koordination der Prozesse."
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