Samstag, 03. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 549156

Berufsfachschule für Krankenpflege am St. Anna Krankenhaus in KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

(lifePR) (Sulzbach-Rosenberg, ) Welche Rolle spielte die Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus und speziell in einem Konzentrationslager?
Welchen Handlungsspielraum hatten Ärzte und Pflegekräfte an ihrem Arbeitsplatz?
Was bedeutet dies für das Selbstverständnis als Gesundheits- und Krankenpfleger/in heute?

Diesen Fragen gingen 15 Schülerinnen und 3 Schüler der Klasse O 13 der Berufsfachschule für Krankenpflege am St. Anna Krankenhaus Sulzbach-Rosenberg im Rahmen eines ganztägigen Workshops im Bildungszentrum der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg nach.

Begleitet wurden sie durch ihre Klassenleitung Sabine Sperber und die für den Geschichtsunterricht zuständige Lehrerin Christine Eikam.

Der Tag begann für die Teilnehmer/innen mit einer zweistündigen Führung durch das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers und die dortige Ausstellung. Anhand der noch vorhandenen Räumlichkeiten sowie zahlreicher Fotos und Exponate erklärten zwei pädagogische Mitarbeiter des Bildungszentrums, wie man sich den Alltag der Häftlinge vorzustellen hatte. Angefangen von der Ankunft der Menschen im Lager, der grausamen Behandlung durch SS und Funktionshäftlinge, der Lebens- und Arbeitsbedingungen, bis hin zu ihrer Ermordung.

Besonders bewegend waren zum einen Tondokumente von Zeitzeugenberichten, die ihre Erfahrungen schilderten, zum anderen eine Fotoausstellung der besonderen Art. Hier wurden Bilder von Häftlingen in Alltagssituationen aus ihrer Zeit vor dem KZ gezeigt: zusammen mit ihrer Familie, auf Ausflügen oder am Arbeitsplatz. Den Besuchern wurde hier sehr eindrücklich vor Augen geführt, was die Haft schließlich mit den Menschen gemacht hatte.

Nach der Mittagspause beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen anhand von Originalquellen mit speziellen Aspekten des Themas. Sie fanden heraus, wie das Krankenrevier im KZ Flossenbürg aufgebaut und organisiert war sowie unter welchen Bedingungen die Häftlinge medizinisch versorgt wurden.

Sie stellten zwei Ärzte vor, die im KZ Flossenbürg tätig waren und schilderten die durchaus unterschiedliche Art und Weise, wie diese mit den Häftlingen umgegangen sind. In einem Infoblatt der Gedenkstätte heißt es treffend: Die medizinische Betreuung der Häftlinge schwankte stets zwischen dem ernsthaften Anspruch, die Leiden der Häftlinge zu lindern, und dem Quälen, Verstümmeln und Töten.

Ein weiteres Thema war die „Sonderbehandlung 14f13“. Unter diesem Kürzel ist die Selektion von KZ-Häftlingen mit dem Zweck der Tötung durch Giftgas zu verstehen. Anhand von Briefen des Gutachters Friedrich Menneke an seine Frau während seiner Tätigkeit im KZ Flossenbürg wurde der Prozess der Begutachtung und die damit verbundene Denkweise sehr anschaulich dargestellt. Die letzte Gruppe erarbeitete die Vorgehensweise bei medizinischen Versuchen an Menschen in den Konzentrationslagern am Beispiel der Sulfonamid-Versuche im Lager Ravensbrück.

Mit der Präsentation der Gruppenergebnisse und anschließender Diskussion ging die Veranstaltung zu Ende. Die Schülerinnen und Schüler hatten an diesem Tag die Möglichkeit sich kritisch mit dem Thema „Medizin und Pflege in den Konzentrationslagern“ zu beschäftigen. Durch den Vergleich mit in der heutigen Zeit gültigen ethischen Grundregeln oder völlig selbstverständlichen hygienischen Standards im Krankenhaus hatten sie sich mit Fragen der Menschenwürde oder der Verantwortung der medizinischen und pflegerischen Berufe auseinandergesetzt.

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