Freitag, 30. September 2016


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Zwangs-Kauf von Arztpraxen: Niederlassung blutet aus

(lifePR) (Berlin, ) Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) warnt vor einem Ausbluten der fachärztlichen Grund- und Spezialversorgung. Neben zahlreichen neuen Vorfahrtsregelungen für Krankenhäuser werde durch das Zwangsaufkaufprogramm für Arztpraxen der Druck auf die Niederlassung erhöht, befürchtet der SpiFa-Hauptgeschäftsführer Lars F. Lindemann: "Die Änderung der Aufkaufregel von einer Kann- in eine Soll-Regelung sendet ein verheerendes Signal an engagierte und niederlassungswillige Ärzte aus, die ihre Zukunft als Freiberufler in einer selbständigen Praxis sehen", so der SpiFa-Hauptgeschäftsführer.

In Summe der einzelnen Gesetzesvorhaben - ambulante Öffnung von Krankenhäusern und Hochschulambulanzen, einseitige Einführung der Bestandsregelung für Krankenhäuser in der ambulanten spezialärztlich Versorgung, fachärztliche Terminvergaben in den Krankenhäusern, Notdienstregelungen mit den Krankenhäusern - werde deutlich, "dass das Bekenntnis der Koalition zur Freiberuflichkeit nur ein Lippenbekenntnis ist", stellt Lindemann fest.

Die aktuelle Diskussion, ab wann eine Aufkaufregelung greifen soll - ob bei 110 Prozent wie im Gesetz derzeit vorgesehen oder bei 180 oder 200 Prozent, wie es Teile der Politik und auch der Gesundheitssachverständige Prof. Ferdinand Gerlach vorschlägt -, zeigt für Lindemann vor allem eines deutlich: "Die Bedarfsplanung in ihrer heutigen Form ist gescheitert. Die rein willkürliche Festlegung von Verhältniszahlen und deren Forstschreibung aus dem Jahr 1991 bildet weder den heutigen noch den zukünftigen Bedarf an niedergelassenen Ärzten ab. Sie zielt einzig auf das Zahlenverhältnis Arzt-Einwohner und berücksichtigt weder regionale Unterschiede in der Morbidität und sozialen Struktur der Patienten, noch Mitversorgeraspekte von spezialisierten Praxen in Ballungsräumen. Wir erwarten von der Politik den Mut, zu sagen, dass diese Bedarfsplanung gescheitert ist.", erklärt Lindemann.

Gröhe-Vorwurf zurückgewiesen

Den Vorwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe an die Ärzteschaft, beim Praxisaufkauf "bewusste Fehlinformationen" zu streuen, weist Lindemann zurück: "Wir analysieren und interpretieren nur den vorliegenden Gesetzentwurf. Da kann die Politik gern beteuern, es sei alles nicht so gemeint. Wir halten uns an die Fakten des Gesetzes und was dort schwarz auf weiß geschrieben steht", bekräftigt Lindemann.

Über den Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V.

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e. V. (SpiFa) ist ein Dachverband fachärztlicher Berufsverbände. Das Ziel des SpiFa ist die Darstellung der übergeordneten Interessen der Fachärzte sowie deren politische Durchsetzung auf Bundes- und auf Landesebene.

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) setzt sich für die Interessen der niedergelassenen Fachärzte ein. Sein Ziel: Erhalt der wohnortnahen ambulanten Facharztpraxis. Rund 75.000 niedergelassene Fachärzte stellen zusammen mit ihren rund 210.000 Arzthelferinnen die fachärztliche Grund- und Spezialversorgung sicher (Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktor). Auf 1.000 Einwohner kommen in Deutschland 0,9 Fachärzte an Kliniken und 0,7 in der Facharztpraxis. Mit 1,6 Fachärzten auf 1.000 Einwohner liegt Deutschland sogar nur im unteren europäischen Mittelfeld. Von einer doppelten Versorgung kann keine Rede sein.

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