Sonntag, 11. Dezember 2016


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Ungelöste Probleme

Bei einem Podiumsgespräch in der Wiener Universität blicken die Teilnehmer skeptisch auf die Entwicklungen seit 1989 zurück

(lifePR) (Wien / Freising, ) "1989 wehte so etwas wie ein 'Weltgeist' durch Europa." Mit diesen Worten erinnerte Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth bei einer Abendveranstaltung in der Universität Wien an die Ereignisse rund um die friedlichen Revolutionen vor zwanzig Jahren im östlichen Teil Europas. Bei der Veranstaltung zum Thema "Europa als Erinnerungsgemeinschaft: Zwanzig Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs" ging es auch um die Frage, was von der einstigen Aufbruchstimmung geblieben ist.

Ein Vortrag von Bischof Adrianus van Luyn, Bischof von Rotterdam und Präsident der ComECE (Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft) eröffnete den Abend. Im Mittelpunkt stand der Rückblick auf Ursachen und Ablauf des Umbruchs von 1989/90. Van Luyn hob dabei hervor, dass die auf dem Christentum beruhenden geistigen Grundlagen der europäischen Idee bis heute gültig seien. Aus ihnen könnten neue Impulse für den weiteren europäischen Einigungsprozess gewonnen werden.

Scherbakowa: Das Wiederaufleben alter Mythen macht mir Sorgen

Im anschließenden Podiumsgespräch wertete Irina Scherbakowa von der Menschenrechtsorganisation "Memorial" in Moskau die Tatsache, dass die Sowjetunion 1989 keine Panzer rollen ließ, als wesentlichen Beitrag für das Gelingen des Umbruchs. Seither hätten sich die Nachfolgestaaten der Sowjetunion nicht unbedingt demokratisch im westlichen Sinne entwickelt. Sorgen bereitet der promovierten Historikerin das Wiederaufleben alter Mythen in Russland, etwa die Verklärung der Person Stalins. Auch die Entwicklung der Ukraine sei unsicher, wie Andrij Waskowycz, Präsident der griechisch-katholischen Caritas in der Ukraine, betonte. Man fühle sich zwar europäisch. Die "Schengengrenze" werde aber vor allem von der jungen Generation als demütigend empfunden.

Professor Radu Preda von der Orthodoxen Theologischen Fakultät in Cluj hob hervor, dass im EU-Land Rumänien die inneren Probleme wie Korruption und soziale Ungleichheiten bis heute nicht gelöst seien. Was aber könne der "Osten" vom "Westen" in ethischer Hinsicht lernen, um seine innere Zerrissenheit zu überwinden, so seine zugespitzte Frage. Ähnlich skeptisch äußerte sich Professor Paul Zulehner vom Institut für Pastoraltheologie an der Universität Wien. Er verwies auf die in weiten Teilen Osteuropas vorhandene Skepsis gegenüber dem "Moloch Europa". Laut Zulehner entwickelten sich mitten in Europa immer mehr atheistische oder dem Atheismus nahekommende Kulturen, denen der "Osten", also die geistige Tradition der Ostkirchen, durchaus etwas entgegen zu setzen habe - oft mehr als das westliche Christentum. Wenn Europa dauerhaft zusammenwachsen wolle, müssten die christlichen Kräfte beider Seiten ihre Anstrengungen vereinen, um damit auch global zum Vorbild zu werden.

Das Institut für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, die Stiftung PRO ORIENTE und die Redaktion der von Renovabis herausgegebenen Zeitschrift "OST-WEST. Europäische Perspektiven" hatten zu der Veranstaltung eingeladen. Diese bildete zugleich den Auftakt eines zweitägigen wissenschaftlichen Symposiums "Kommunismus im Rückblick (1989-2009): Ökumenische Perspektiven aus Ost und West".

Aktuell ist OWEP-Heft 4 erschienen. Die Ausgabe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Bulgarien. Die Zeitschrift kostet 6,50 Euro. Sie kann telefonisch: 08161/5309-71 oder per E-Mail: owep@renovabis.de angefordert werden.

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