Samstag, 03. Dezember 2016


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"Kultur-Bettler" der UW/H wird 70 Jahre alt

Klaus-Bernhard Tetzlaff arbeitet seit mehr als 20 Jahren für die Universität

(lifePR) (Witten, ) In Witten ist er bekannt wie ein bunter Hund. Wenn Klaus-Bernhard Tetzlaff in der Stadt Plakate aufhängt oder Handzettel verteilt, dann wissen viele Bürger, dass an der Universität Witten/Herdecke wieder Kultur geboten wird. Mit seinem Einsatz sorgt der Kulturbeauftragte der Universität dafür, dass Konzerte, Theateraufführungen, Tagungen, Vorträge, Symposien oder Feste in gut gefüllten Räumen stattfinden. Doch auch für Organisation, Themenfindung, Werbung und Dozentensuche für verschiedene Veranstaltungen ist der gelernte Verlagsbuchhändler, der am Sonntag 70 Jahre alt wird, zuständig.

Dabei ist sich Tetzlaff, der mit 40 Jahren noch ein betriebswirtschaftliches Studium absolvierte und auch einige Semester Politik studierte, auch nicht zu schade, für die Uni "betteln" zu gehen. "Das fällt mir manchmal schon ein bisschen schwer", gibt er zu, "aber ich sage mir dann: Es geht nicht um mich, sondern um die Kultur. Und so klappt das ganz gut."

Überhaupt haben Kunst und Kultur es ihm angetan. "Kunst ist sehr wichtig für unser Leben", sagt er. "Sie schärft unsere Wahrnehmungsfähigkeit, beflügelt die Fantasie. Es geht um die Entdeckung von Schönheit, von Form, und um die Suche nach Wahrheit. Deshalb kann uns Kunst begeistern."

Diese Begeisterung versucht Tetzlaff, an andere weiterzugeben. Als Kulturbeauftragter tut er dies nun seit 20 Jahren für die UW/H. "Ich erinnere mich genau daran, als mich Konrad Schily 1990 zu sich rief." Damals arbeitete Tetzlaff bereits seit einem Jahr als eine Art persönlicher Assistent des Gründungspräsidenten. Tetzlaff: "Er sagte mir: 'Hiermit ernenne ich dich zum Intendanten aller Lustbarkeiten der Universität Witten/Herdecke.' Seitdem bin ich Kulturreferent."

Seine Arbeitsweise hat sich in den Jahren kaum verändert. Mit einem Computer arbeitet er nicht. "In dieser Hinsicht bin ich ein Fossil", gesteht Tetzlaff. "Dafür ist es mir aber einmal gelungen, mit einem defekten Kaffeekocher alle Rechner der Uni lahm zu legen."

Zu seinen Hauptaufgaben gehört die Organisation der "Bürgeruni", die beim Start 1991 noch unter dem Namen "Perspektive einer humanen Wissenschaft" firmierte. Konzept der regelmäßigen Veranstaltungsreihe war und ist es bis heute, den interessierten Menschen der Region die Arbeitsergebnisse der Wittener Wissenschaftler zugänglich zu machen. "Dazu haben wir eine in der deutschen Bildungslandschaft wohl ziemlich einmalige langfristige Kooperation zwischen UW/H und Volkshochschule geschaffen", sagt Tetzlaff.

Dieses Angebot möglich macht allerdings erst die breite Fachkompetenz der Uni im Studium fundamentale. "Obwohl wir keine Kunsthochschule sind, haben die Künste hier einen sehr hohen Stellenwert", so der gebürtige Berliner. "Ich würde mir wünschen, dass es an allen Hochschulen eine ähnliche Einrichtung gäbe. Das wäre auch ganz im Sinne des verstorbenen Prof. Bockemühl, der die Fakultät lange geleitet hat. Er sah im Studium fundamentale ein Mittel, Persönlichkeit, Kreativität und Wahrnehmungsvermögen zu wecken und zu stärken. Auch ich finde es wichtig, dass zum Beispiel künftige Manager künstlerische Erfahrungen gesammelt haben. Das dürfte sich später in jedem Beruf als förderlich erweisen."

Für die Zukunft "seiner" UW/H wünscht sich Tetzlaff deshalb auch einen weiteren personellen Ausbau des Studium fundamentale, das er für das unentbehrliche Herzstück der Universität hält. Auch Chor, Orchester und Theater der Uni müssten trotz der Finanzmisere unbedingt erhalten bleiben. "Außerdem wäre es schön, wenn wir irgendwann mal einen Lehrstuhl für vergleichende Religionswissenschaft einrichten könnten. Wenn unsere jungen Absolventen der Wirtschaftswissenschaft zum Beispiel ins arabische Ausland gehen, wäre es mehr als nützlich, wenn sie genauere Kenntnisse vom Islam besäßen." Wichtig wäre ihm zudem eine häufigere Rückbesinnung auf die drei Kernsätze der Uni: "Zur Freiheit ermutigen, Nach Wahrheit streben, Soziale Verantwortung fördern". Tetzlaff: "Da müssen wir alle uns immer wieder fragen, wie wir diese Ideale stärker im universitären Alltag verwirklichen können."

Wer Klaus-Bernhard Tetzlaff einmal als Rezitator erleben möchte, hat am 8. Februar dazu Gelegenheit. An diesem Abend trägt er im Café Möpschen in Witten komische, anstößige Gedichte vor, von Lessing bis Günther Nehm.

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