Samstag, 03. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 347068

Ausbildung zur Altenpflegerin - schön und schwierig zugleich

(lifePR) (Valley/Oberlaindern, ) Als Hauptgrund für die Berufswahl nennen die meisten Pflegeschüler, dass sie alten Menschen helfen möchten. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn im Berufsalltag sind die Auszubildenden einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt, wie zum Beispiel dem Umgang mit sehr kranken oder dementen Patienten. Schichtdienst und chronische Zeitknappheit erschweren zusätzlich die Arbeit. Die Berufsfachschulen versuchen zunehmend, die Pflegeschüler noch besser auf die Praxis vorzubereiten.

"Viele Schüler bekommen einen Schock, wenn sie zum ersten Mal in einem Altenheim sind. Da liegt zum Beispiel eine 82-jährige hilflose ältere Frau, die unverständliche Sachen redet", sagt Werner Schaub, Abteilungsleiter für soziale Berufe an der der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut. In der Justus-von-Liebig-Schule beginnen jedes Jahr zirka 60 Schüler die Ausbildung zum Altenpfleger.

Es sind vor allem Gefühle von Mitleid und Resignation, unter denen die Pflegeschüler leiden. "Es fehlt den Schülern anfangs die nötige Distanz und sie beschäftigen sich zu viel mit den Problemen ihres Gegenüber", weiß Schaub. Die Schüler leiden förmlich, wenn ein alter Mensch den ganzen Tag nur im Bett liegt und zum Teil sogar unter Wundgeschwüren leidet. Viele Pflegebedürftige bekommen nie Besuch von Angehörigen. Die Frage "Warum erscheint hier niemand?" frustriert und bleibt unbeantwortet.

Gleichzeitig entsteht der immense Wunsch, sich mehr mit solchen alten Menschen zu beschäftigen. Das geht aber im hektischen Berufsalltag kaum. Die Zeit für Zuwendungen ist knapp. Durch den Fachkräftemangel hat sich das Problem weiter verschlimmert. Ein Teufelskreis entsteht: Da zu wenige Altenpfleger vorhanden sind, muss jeder einzelne Schülerin mehr arbeiten. Dadurch hat sie immer weniger Zeit für den einzelnen Patienten. Das deprimiert. Die Schülerin wird anfällig für Krankheiten. Irgendwann fällt sie wegen chronischer Erschöpfung aus. Das wiederum bedeutet, dass die verbleibenden Altenpfleger und Pflegeschüler noch mehr Arbeit haben.

Untersuchungen zeigen: Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle, Kopfschmerzen sind typische Beschwerden von überlasteten Altenpflegern. Ebenfalls häufig: Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit sowie Hautprobleme.

Besonders belastend ist für viele Pflegeschüler der Schichtdienst. Da gibt es nicht nur Früh- und Spätschichten, sondern auch Nacht- und Wochenendschichten. Auch unterbrochene Schichten sind an der Tagesordnung: Man arbeitet vormittags ein paar Stunden, hat dann frei und muss am selben Abend erneut im Pflegeheim antreten und das neben dem normalen Schulalltag mit seinen komplexen Anforderungen. "Das erfordert sehr viel Disziplin, die viele Jugendliche noch nicht haben", sagt Schaub.

Bei älteren Pflegeschülern kommt oft noch ein anderes Problem hinzu: Sie haben zuhause eine Familie zu versorgen. Kinder und Ehemann möchten zu einer bestimmten Zeit das Essen serviert bekommen. Schaub: "In ländlichen Gegenden sind die Geschlechterrollen in den Familien oft noch traditionell verteilt. Die Frau ist für das Essen zuständig. Muss sie zu diesem Zeitpunkt beruflich Kranke versorgen, hat der Mann kein Verständnis dafür. Ein Ehekonflikt ist vorprogrammiert."

Kein Wunder, dass viele Schüler die Ausbildung zum Altenpfleger abbrechen. In der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut waren es vom letzten Prüfungsjahrgang 20 von 60 - oft im zweiten Ausbildungsjahr. In anderen Berufsschulen sieht es ähnlich aus.

Um die Altenpflegeschüler besser auf den Berufsalltag vorzubereiten, wurde bundesweit das so genannte Lernfeldkonzept eingeführt. Es soll dazu beitragen, die Ausbildung stärker an den Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen der Altenpflege auszurichten. In den Berufsschulen gibt es nicht mehr die gewohnten Unterrichtsfächer, wie man sie zum Beispiel aus der Realschule kennt. Vielmehr nehmen die Pflegeschüler an Lernfeldern teil. In jedem Lernfeld steht ein bestimmtes Thema der Altenpflege im Mittelpunkt, zum Beispiel "Mit Krisen und schwierigen Situationen umgehen", "Dekubitusprophylaxe" oder "Wohnraum- und Wohnumfeldgestaltung".

2100 Stunden Theorie sind in der Ausbildung zum Altenpfleger vorgesehen. Dazu kommen 2500 Stunden Praxis in einer Pflegeeinrichtung. Die Ausbildung ist deutschlandweit gleich geregelt. Sie dauert drei Jahre und endet mit der Anerkennung zum Altenpfleger nach dem Bundesaltenpflegegesetz.

Der Großteil des theoretischen Unterrichts beschäftigt sich mit der Pflege an sich. Besonders wichtig ist die körperliche Pflege und wie der Patient gebettet wird.

"700 der 2100 Stunden Theorie gehen über die eigentliche Pflege hinaus und beschäftigen sich mit der Psyche. Man sieht, wie viel Bedeutung diesem Thema heute in der Ausbildung der Altenpfleger beigemessen wird", sagt Schaub.

So lernen die Schüler beispielsweise, dass sie bei ihrer Arbeit eine pädagogische Distanz zu den alten Menschen einhalten müssen. Diese Distanz gehört zum Beruf dazu - und gilt als "professionell". Schaub: "Es gibt hier kein Patentrezept. Wir bieten in der Berufsschule Gesprächsgruppen an, in denen die Schülerin einen konkreten Fall vorstellen kann. Gemeinsam wird dann nach Lösungsmöglichkeiten gesucht."

Auf Probleme im Umgang mit verwirrten Menschen werden die Schüler ebenfalls heute vorbereitet. "Viele Menschen in Pflegeheimen sind über 80 und zum Teil geistig verwirrt. Diese Tendenz wird weiter zunehmen, da die Menschen immer älter werden. Der fitte 60-Jährige, mit dem man sich gut unterhalten kann, liegt eben nicht im Pflegeheim", sagt Schaub.

So bekommen sie zum Beispiel im Lernfeld "Biografiearbeit" Vorschläge, wie man dennoch ins Gespräch kommt: Alte Postkarten oder Fotoalben am Bett gemeinsam anzugucken wäre eine Möglichkeit. Eine andere ist, die Angehörigen des Pflegebedürftigen zu bitten, einige Gegenstände aus dessen früheren Leben mitzubringen. Die Altenpflege-Schülerin kann immer mal wieder einen Gegenstand hervorholen. Oft wird die Erinnerung wach - und der alte Mensch beginnt zu erzählen. Wichtig zu wissen: Stark demente Personen müssen von speziell dafür ausgebildeten Kräften versorgt werden. Eine Altenpflege-Schülerin ohne entsprechende Zusatzausbildung wäre hiermit überfordert.

Am Ende der Pflegezeit überkommt die Schüler oft ein schlechtes Gewissen: "Ich kann die alte Frau doch jetzt nicht allein lassen." Hier hilft es, wenn die Schülerin die Frau oder den Mann für die restliche Zeit des Tages gut versorgt weiß. Da Pflegebedürftige in der Regel den ganzen Tag liegen, sollte vor allem die Matratze so beschaffen sein, dass ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit entsteht. In zahlreichen Pflegeeinrichtungen wird daher die iSUROmed DE verwendet. Der Patient liegt warm und weich, gleichzeitig bleibt die Körperwahrnehmung erhalten. Die iSUROmed DE dient auch zur Dekubitusprophylaxe (mehr dazu www.oped.de).

Obwohl sicherlich das Wohl der Pflegebedürftigen im Mittelpunkt steht, ist durch die neue Lernfeldausbildung zu erwarten, dass sich die Situation auch für die Altenpflege-Schüler selbst verbessert. Zum einen sind sie nun besser für die Praxis ausgebildet. Zum anderen lernen sie in der Berufsschule auch, wie wichtig es ist, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Nur so bleibt man langfristig gesund. Schaub: "Die Schüler sollen ihre eigenen Grenzen anerkennen. Von niemandem wird erwartet, Dr. Allwissend zu sein. Es gibt immer Fachleute, die die Schülerin gegebenenfalls um Rat fragen kann."

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Baustein des Lebens

, Gesundheit & Medizin, Mankau Verlag GmbH

Der menschliche Organismus kann ohne Zink nicht arbeiten, da es alle Vorgänge kontrolliert, die mit dem Wachstum von Zellen und Gewebe zusammenhängen....

Zu viel Glühwein kann doppelt schaden

, Gesundheit & Medizin, ARAG SE

Gehört der Besuch des Weihnachtsmarktes zum offiziellen Teil einer betrieblichen Weihnachtsfeier, dann sind Unfälle durch die Berufsgenossenschaft­en...

Gemeinsam helfen: LETI Pharma unterstützt die Charity-Organisation Dentists for Africa

, Gesundheit & Medizin, LETI Pharma GmbH

Nachhaltig, effektiv, vertrauenswürdig. Das zeichnet das Engagement von Dentists for Africa aus. „Die Werte der Hilfsorganisation passen gut...

Disclaimer