Samstag, 03. Dezember 2016


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Irrationale Debatte um das Jakobskreuzkraut

Panikmache auf breiter Front

(lifePR) (Neumünster, ) Wie keine andere Pflanze steht das Jakobskreuzkraut (JKK) erneut im Focus der schleswig-holsteinischen Öffentlichkeit - und vor allem auch der Politik. Spätestens im Juli, wenn die Pflanze blüht, steigt in den letzten zehn Jahren wiederkehrend die Aufregung über seine angebliche Gefährlichkeit. Dabei sind gemessen an der seit über hundert Jahren hohen Zahl an Weidetieren, die auf mit Jakobskreuzkraut bestandenen Flächen gehalten werden, selbst die Verdachtsfälle einer Vergiftung mit in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidinalkaloiden (PA) verschwindend gering. Extrem hoch ist dagegen die ökologische Bedeutung dieser spät blühenden Art, der für Insekten in einer sonst weitgehend durch die landwirtschaftliche Intensivierung der Nutzung ausgeräumten Landschaft eine zentrale Bedeutung als Nahrungsquelle zukommt.

Unbestritten ist Jakobskreuzkraut giftig und kann in größeren Mengen bei Weidetieren zum Tod führen. Doch verschmähen diese das Kreuzkraut weitgehend, das nachgewiesen seit mehr als hundert Jahren in stark wechselnden Bestandsgrößen immer schon in Schleswig-Holstein vorkam. Enthaltene Bitterstoffe schrecken ab. In Großbritannien, selbst von Massenvorkommen des JKK betroffen, hat sich die Aufregung gelegt und ist längst einem gesunden Pragmatismus gewichen. In Schleswig-Holstein wird das Thema aber wie in keinem anderen Land vor allem politisch forciert - und der Umweltminister befeuert es durch seinen fachlich fragwürdigen Aktionismus. Mit ungewollten Konsequenzen: Bürger werden zu Maßnahmen animiert, bei denen wahrscheinlich wie in Haffkrug nicht das noch nicht blühende Jakobskreuzkraut, sondern andere ähnliche Pflanzen in einem gesetzlich geschützten Biotop säckeweise ausgerissen werden (LN v. 15. Juni 2015).

Der Hintergrund

Am effektivsten schlugen Imker Alarm, ihr Honig würde durch das PA im Nektar vergiftet. Doch in Einzelproben belastet ist Honig zumeist nur aus Lagen, die unmittelbar an Massenbestände des JKK grenzen. Grenzwerte für PA gibt es derzeit nicht, nur eine Risikobewertung. Inzwischen verstehen aber viele Imker, dass sie sich ihren eigenen Markt mit der Diskussion ruinieren. Zumal Verbraucher zunehmend die Frage nach anderen gesundheitsgefährdenden Verbindungen im Honig stellen, wie sie in Form von Pestiziden aus der Landwirtschaft hinein gelangen.

Von dem medialen Erfolg um den Honig inspiriert, fordert auch der Bauernverband im Einklang mit seiner politischen Lobby im Landtag Maßnahmen gegen die gelbe Pflanze. Deren Landwirte sind aber kaum betroffen: Bei den in der konventionellen Landwirtschaft üblichen Mitteln der Grünlandbewirtschaftung hat das JKK keine Chance. Es geht demzufolge bei der Kampagne vor allem gegen den Naturschutz, institutionell insbesondere gegen die Stiftung Naturschutz des Landes als behaupteten Flächenkonkurrenten. Diese Kampagne befördernd spricht seit langem der Bauernverband der extensiven, naturschutzorientierten Weidenutzung den Status einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft ab. Nun kommt ihm das Jakobskreuzkraut als vorgebliches 'Zeichen der Verwahrlosung' dieser Flächen recht.

Diesem durchschaubaren Drängen hat sich der Minister bedauerlicherweise gebeugt. Doch sein Aktionismus hat drastische negative ökologische Folgen und wird letztlich nur weitere Aktionen von Bauernverband und CDU beflügeln, jenseits fachlicher Erkenntnisse andere vorgebliche ökologische Problemfelder zu bedienen.

Forderungen des NABU

Der NABU fordert vom Ministerium, das gegenüber der Stiftung verfügte Umbrechen von bis zu 1.000 ha hochwertige Grünland-Naturschutzflächen auszusetzen, bis die in Auftrag gegebenen Untersuchungen ein objektives Bild der Ursachen zeichnen und Maßnahmen entwickelt sind, wie die potentielle Gefährdung bei der Haltung von Weidetieren weitgehend vermieden werden kann.

Gemäß eines pragmatischen wie vorsorgenden Ansatzes sollten nach Ansicht des NABU mit JKK bestandene Flächen der Stiftung Naturschutz in dieser Zeit nicht beweidet und Bienenstöcke von diesen Flächen ferngehalten werden.

Wichtig: Weitere, ausführliche Informationen und Hintergründe zur JKK-Problematik im Internet unter www.NABU-SH.de

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