Sonntag, 25. September 2016


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Gesundheitsministerin Kristin Alheit: Kliniken im Kampf gegen Keime stärken - Umsetzung des Maßnahmenpaketes der Landesregierung ist eingeleitet

(lifePR) (Kiel, ) Anlässlich der heutigen (18.2.) Landtagsbefassung zum Thema multiresistente Keime in Krankenhäusern betont Gesundheitsministerin Kristin Alheit:

"Multiresistente Keime in Krankenhäusern, wie sie im Dezember am UKSH Campus Kiel und auch in anderen Kliniken auftraten, gehören leider zunehmend zum klinischen Alltag aller Krankenhäuser. Das macht aber ihre im Einzelnen gravierenden Folgen mitnichten zu Alltäglichkeiten, mit denen wir uns abzufinden hätten. Daher möchte ich auch noch einmal den Betroffenen und Angehörigen mein Mitgefühl aussprechen. Und ich möchte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am UKSH in Kiel danken, die nach Feststellung des Infektionsausbruchs alles erdenklich Mögliche getan haben und tun, um die Patientinnen und Patienten bestmöglich zu schützen und eine weitere Verbreitung des Keimes zu unterbinden. Ihnen gilt unser aller Dank! Nach den jüngsten Rückmeldungen aus dem UKSH konnten 2 weitere Patientinnen und Patienten aus dem UKSH entlassen werden.

Die Landesregierung hat gehandelt. Und dies umgehend, nachdem mein Haus am 23. Januar durch die Klinikleitung über die Häufung von Infektionen mit Acinetobacter baumanii informiert wurde. So wurden ad hoc - schon in der ersten Lagebesprechung mit der Klinikleitung, dem Gesundheitsamt Kiel sowie den Expertinnen aus meinem Haus - neben den von der Klinik bereits eingeleiteten Schritten weitere Maßnahmen beschlossen. Darüber hinaus haben wir für die nötige Transparenz gesorgt. Wir haben ein Informationsnetzwerk etabliert, über das wir die Medien, besorgte Patientinnen und Patienten und die Abgeordneten über die einzelnen Schritte zur Bewältigung der Keimbelastung informiert haben und weiter informieren. Mit Professor Dr. Volkhard Kempf, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, und dem leitenden Krankenhaushygieniker, Dr. Christian Brandt, vom Universitätsklinikum in Frankfurt am Main konnten hochrangige Spezialisten gewonnen werden. Auch ihnen danke ich für Ihre unverzügliche Unterstützung.

Mit unserem Acht-Punkte-Plan haben wir - über die unmittelbare Situationsbewältigung hinaus - kurz- und mittelfristige Maßnahmen eingeleitet. Es geht grundlegend darum, an allen Kliniken in Schleswig-Holstein die Bedingungen so zu gestalten, dass trotz republik-weit zunehmender Keimbelastung die Gefahr eines Infektionsausbruchs verringert werden kann.

- Dazu brauchen wir eine enge Abstimmung mit den Experten und professionelle Routinen, die die Experten-Empfehlungen täglich umsetzen.
- Dazu brauchen wir auch eine Verbesserung von Rahmenbedingungen für qualitativ hochwertige intensivmedizinische Betreuung. Daran arbeiten wir.

Die externen Experten haben bestätigt, dass das UKSH beim Ausbruchs-Management fachlich richtig gehandelt hat. Ich hätte mir dabei allerdings auch eine frühere direkte Information durch das UKSH gewünscht. Dies haben wir für die Zukunft verabredet.

Wir haben angekündigt, dass wir einen Erlass herausgeben werden, um zukünftig von den Gesundheitsämtern im Land insgesamt - unabhängig von der gesetzlichen Meldekette - über Ausbruchsgeschehen informiert zu werden. Dies haben wir kurzfristig bereits umgesetzt, so dass die Fachabteilung in meinem Haus jetzt frühzeitig informiert ist.

Weiter haben wir Maßnahmen beschlossen, um am UKSH die räumliche Situation der internistischen Intensivstation kurzfristig zu entspannen: Die Küsten-Koalition stellt die not-wendigen Mittel für eine Interimslösung in Modulbauweise bereit. So überbrücken wir die Zeit, bis der ÖPP Bau realisiert sein wird. Diese Lösung soll schnellstmöglich, binnen der nächsten zwölf Monate, umgesetzt werden und sie soll vor allem weitere Intensivbetten in Einzelzimmern umfassen. Wir warten nicht - wir handeln. Sofort und konkret.

Ein weiterer Teil der anstehenden Maßnahmen muss auf Bund-Länder-Ebenen angeschoben werden. Auf Bundesebene liegt ein Referentenentwurf zur Reform des Infektionsschutzgesetzes vor. Darüber habe ich mit dem Kollegen Gröhe gesprochen - und höchste Priorität für eine schnelle Umsetzung erbeten. Wir werden aber auch aktiv auf Bundesebene weitere Maßnahmen anstoßen. Denn es darf nicht sein, dass finanzielle Hürden kontra effektiven Infektionsschutz stehen. Wir bereiten daher derzeit eine Bundes-ratsinitiative vor, um Verbesserungen bei der Finanzierung von Screening-Untersuchungen auf den Weg bringen. Begleitend dazu ist zu prüfen, ob die bundesweit geltenden Standards anzupassen sind, und es ist anzustreben, den Umfang von Screening-Maß-nahmen einheitlich zu regeln.

Mittelfristig - und dazu haben wir bereits während des letzten Landtags gemeinsam debattiert - werden wir die Finanzsituation der Krankenhäuser insgesamt, vor allem aber der Maximalversorger, verbessern müssen.

Das UKSH ist unser großer und einziger Maximalversorger im Land und ein wichtiger Partner für exzellente Forschung und Lehre. Fast 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten täglich mit großem Engagement zum Wohle der Patientinnen und Patienten.

Unter teilweise sehr schwierigen Bedingungen - gerade in der Pflege. Mit Sorge nehme ich daher die Überlastungsanzeigen aus der Pflege zur Kenntnis.

Hier ist das UKSH personalpolitisch gefordert und auch aktiv. Gefordert ist aber auch die Politik. Zumal - vorsichtig gesagt - die letzte Landesregierung doch zu lange zögerte, das UKSH auf eine zukunftssichere Basis zu stellen. Diese Landesregierung hat im September letzten Jahres mit der ÖPP-Entscheidung die lange und lähmende Debatte um eine mögliche Privatisierung beendet.

Einige fragen, wie es da mit der Kündigung des Gestellungsvertrags mit den DRK-Schwesternschaften steht. Die Entscheidung der Klinikleitung, dass das UKSH Direktanstellungen statt Anstellungen über einen Dritten vorzieht, ist nachvollziehbar - zumal, wenn dies auch noch Verwaltungskosten spart. Dies darf aber, das ist für die Landesregierung klar, nicht zu Engpässen in der Pflege kommen. Da ist das UKSH-Management in der Verantwortung. Allerdings kämpft die Pflege insgesamt - und gerade die Intensivmedizin - um eine ausreichende Finanzierung. Dies betrifft nicht nur das UKSH. Wir setzen uns daher seit Monaten in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe dafür ein, die Krankenhausfinanzierung speziell im Pflegebereich nachhaltig zu stärken. Mit Gesetzesnovellen rechnen wir noch in diesem Jahr.

Neben all dem arbeiten wir auf mehreren Ebenen daran, auch die Infektions-Prävention zu stärken. Ich bin den Fraktionen der Koalition dankbar, dass sie diese Bemühungen mit ihrem Änderungsantrag unterstützen.

Es geht um ein ganzes Paket aufeinander bezogener Maßnahmen.

1. Seit Januar arbeiten wir an der Evaluation der Medizinischen Infektionspräventionsverordnung (MedIpVO), die im 1. Quartal 2016 abgeschlossen sein soll. Ich werde an dieser Stelle über die Ergebnisse berichten.
2. Wir werden die Verpflichtung medizinischer Einrichtungen zu Fortbildungs- und Schulungsangeboten konkretisieren.
3. Zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein werden wir darauf hinwirken, im Bereich der niedergelassenen Ärzte ein restriktives Antibiotika-Verordnungsmanagement zu etablieren.
4. Auch im stationären Bereich werden wir einfordern, die existierenden Leitlinien restriktiver umzusetzen und dass einrichtungsspezifische Leitlinien zur Antibiotikatherapie aufgestellt werden.
5. Darüber hinaus setzen wir uns auf Bundesebene verstärkt dafür ein, dass Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung verboten werden.
Infektionen mit multiresistenten Keimen sind heute leider medizinischer Alltag - in allen Krankenhäusern der Republik. Diese Landesregierung wird weiterhin alles unternehmen, um dieser Entwicklung angemessen und konsequent zu begegnen. Dafür setzte ich mich auf allen politischen Ebenen entschieden ein und bedanke mich für die Unterstützung aus diesem Hause."

Das Gesundheitsministerium hat auf dem Gesundheitsportal des Landes unter www.schleswig-holstein.de/Gesundheit eine Informations- und Service-Seite zum Thema Keime und Infektionen eingerichtet.

Unter www.sozialministerium.schleswig-holstein.de finden Sie Informationen zu dem Ausbruchsgeschehen am UKSH.

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