Sonntag, 22. Januar 2017


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"Digitale Welt führt nicht zu psychischer und sozialer Verwahrlosung"

Vortrag von Professor Schulte-Markwort bei der MA HSH-Abschlussveranstaltung des Medienkompetenztags der Mediatage Nord 2009

(lifePR) (Norderstedt, ) "Schöne neue Welt? Kindheit im digitalen Zeitalter" lautete der Titel der gestrigen MA HSH-Abschlussveranstaltung des Medienkompetenztags der Mediatage Nord 2009. In seinem Vortrag distanzierte sich Professor Michael Schulte- Markwort, Direktor der Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, von der gängigen Meinung, Kinder und Jugendliche würden in einer digitalen Welt zunehmend psychisch und sozial verwahrlosen. Er betonte, dass die Zahl psychisch Auffälliger unter ihnen mit 20 Prozent seit dreißig Jahren konstant geblieben sei. Rund die Hälfte davon sei behandlungsbedürftig. Natürlich gebe es darunter auch Computersüchtige, hier zeige sich eine deutliche Geschlechterdifferenz von 5 Prozent bei den Jungen zu lediglich 0,3 Prozent bei den Mädchen. Ursachen für psychische Auffälligkeiten seien aber weniger die neuen Medien als vielmehr Risikofaktoren wie geringer sozioökonomischer Status, Bildungsferne und familiäre Disharmonie, so Schulte-Markwort weiter.

Beim Thema Medienkompetenz sei eine sinnvolle und wichtige neue Strategie, die Aufmerksamkeit auf die Risikogruppen zu fokussieren und die finanziellen Mittel dort zu bündeln. Auch auf diesem Gebiet bereits kompetente Kinder und Jugendliche sollten jedoch von ihren Eltern unbedingt weiterhin begleitet werden. "Die Begriffe Fürsorge, Beistand, Trost, Verständnis und Neugierde sind in diesem Zusammenhang zentral", so Schulte- Markwort.

Dem Vortrag von Professor Schulte-Markwort vorausgegangen war ein Grußwort der stellvertretenden Vorsitzenden des Medienrats, Frauke Hamann. Sie betonte, dass die Vermittlung von medialen Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur keine rein technische Angelegenheit, sondern vor allem eine soziale Notwendigkeit sei. Kinder und Jugendliche entdeckten die Möglichkeiten des Internet nicht von selbst, häufig benötigten sie Anregungen und Anleitung dabei, den Weg zu einer optimalen Nutzung für ihre Interessen zu finden. Eltern, Pädagogen, Politiker und Anbieter im Internet hätten die Pflicht, sie vor Auswüchsen im Bereich der neuen Medien zu bewahren. "Als Medienanstalt Hamburg / Schleswig- Holstein setzen wir auf die Förderung der Medienkompetenz als präventive und damit wirksamste Form und haben bereits eine Vielzahl entsprechender Projekte angestoßen. Erst vor kurzem hat sich die Politik bereiterklärt, unsere finanzielle Ausstattung für die Förderung der Medienkompetenz erkennbar zu verbessern: Der 3. Medienänderungsstaatsvertrag HSH tritt zum 1. Januar 2010 in Kraft und sieht vor, dass sich die MA HSH künftig verstärkt dem Thema Medienkompetenz widmet. Dafür sind wir sehr dankbar - denn wir sind damit Anreger, Ermöglicher und Seismograf zugleich", so Hamann weiter.

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