Donnerstag, 08. Dezember 2016


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Deutschland ist Vorreiter bei der Bewahrung alter Baukultur

Im sächsischen Trebsen entsteht zusätzlich zum Bergezentrum aktuell ein Museum für historische Baustoffe

(lifePR) (Leipzig, ) Ein Paradies für Bauherren, die denkmalgeschützte Häuser sanieren, ist das Bergezentrum für historische Baustoffe in Trebsen bei Leipzig. Auf 10.000 Quadratmetern, das entspricht eineinhalb Fußballfeldern, lagern dort Schätze aus mehreren Jahrhunderten: Deckenbalken mit gotischen Profilen, schmiedeeiserne Gitter, Stuck, Wandverkleidungen, Parkett, Treppen, Mauerziegel und Mauerwerk, Naturstein-Platten, Fenster, Türgriffe, Schlösser, Säulen, Wasserbecken, Gesimse und vieles mehr. "Darunter sind allein 100.000 Dachziegel und bis zu 2.000 Türen", weiß Uwe Bielefeld, "Herr" über die historischen Baustoffe. Der Geschäftsführer der Trebsener Kultur- und Betriebsgesellschaft mbH hat den Hut dafür auf, dass die Baustoffe und Bauteile in nicht mehr zu rettenden Schlössern, Herren- oder Gründerzeithäusern zurückgebaut, nach Trebsen gebracht, gereinigt und auf Schadstoffe geprüft, sortiert und archiviert werden. Dort stehen sie dann für Bauherren und Architekten, die denkmalgeschützte Häuser restaurieren, zum Verkauf.

Wer sich einen Überblick zum Angebot des Trebsener Bergezentrums verschaffen möchte, kann das auf der denkmal, der Europäischen Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung (20. bis 22. November 2008), in Leipzig tun. Dort werden nicht nur Stuck, Holzteile, alte Türen und Fenster gezeigt. "Unser Fokus liegt in diesem Jahr darauf, historische Bauteile in ihrem Umfeld darzustellen. So wird die Treppenanlage der in Leipzig abgerissenen Kleinen Funkenburg aufgestellt, genauso wie geretteten Bauteile aus dem Dorf Heuersdorf, das gerade abgebaggert wird", kündigt Uwe Bielefeld an. "Große Fotos sollen zu einem Wiedererkennungseffekt führen, zudem werden wir viele interessante Fakten liefern."

Jahrhunderte alte Baukultur für Schüler, Studenten, Restauratoren, Architekten und Handwerker

Auf der denkmal wird Bielefeld auch über sein neuestes Projekt berichten: die Zusammenführung verschiedener Sammlungen unter dem Dach einer "Sächsischen Bauteile-Sammlung", die wie ein Museum Zeugnisse der Baukultur vergangener Jahrhunderte bewahrt und der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. In der alten Papierfabrik Trebsen sollen dazu auf 3.500 Quadratmetern Fläche Ausstellungsräume, Magazine, eine Bibliothek und ein Seminarraum entstehen. Damit werden mehrere Zielgruppen angesprochen: "Das beginnt bei Schülern, die hier zum Beispiel die Funktionsweise alter Kastenschlösser erkunden, und bei Designstudenten der Burg Giebichenstein, die sich in komplexe Türklinkensammlungen vertiefen. Aber auch Restauratoren, Architekten und Handwerker, die beispielsweise nach alten Vorlagen für verloren gegangene Bauteile suchen, werden hier fündig." Natürlich kann der sächsische "Bauteile-Papst" dieses Projekt nicht allein stemmen. Mit im Boot sind die Stadt Leipzig mit ihrer Sammlung bau-gebundener Ausstattungen, Denkmalschutzbehörden und private Sammler von Bauteilen, zum Beispiel aus den abgebaggerten Braunkohledörfern im Leipziger Südraum.

Prominenter Bestandteil der geplanten Sammlung ist ein ganz besonderer Zeuge nicht nur der Baukultur, sondern auch der Zeitgeschichte: eine ehemalige Trebsener Muldebrücke aus Stahl. Die einstige Fabrikbrücke ist dadurch berühmt geworden, dass 1945 auf ihr amerikanische Erkundungstrupps über die Mulde gelangten, um Kontakt mit der Roten Armee aufzunehmen - noch vor dem historischen Treffen in Torgau an der Elbe. "Vielleicht findet sich ja ein russischer oder amerikanischer Interessent, der in die Restaurierung dieses einmaligen Originalschauplatzes investieren will", hofft Bielefeld, "zumal es die im gleichen Zusammenhang bekannt gewordene Torgauer Brücke nicht mehr gibt."

Zwar ist die "Sächsische Bauteile-Sammlung" derzeit erst im Entstehen begriffen, doch Studenten der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig arbeiten in Trebsen bereits an Nutzungskonzepten. So soll es in der Sammlung auch Bereiche für thematische Sonderausstellungen geben, zum Beispiel zur "Geschichte der Tür" oder zu Einzelthemen wie Fenstern, Stuck, Mauerwerk, Fußböden und Dächern. In den Außenanlagen wird auf 2.000 Quadratmetern "herrenlose" baugebundene Kunst gezeigt. Ein erster Ausstellungskomplex kann voraussichtlich schon zum Tag des offenen Denkmals am 14. September 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

International ist Deutschland offenbar Vorreiter für derartige Bauteilarchive. "Zwar gibt es in den Niederlanden sehr gute Sammlungen historischer Bauteile, aber sie sind rein kommerziell ausgerichtet", weiß Uwe Bielefeld. "In Frankreich und Italien bewahrt man dagegen aus nichtkommerziellen Gründen alte Bauteile auf, nur nicht in der großen Bandbreite wie bei uns. Die Sammlungen sind beispielsweise als Lapidarium oder Antikensammlung auf ausgewählte Baukunst nur aus Stein oder aus einer bestimmten Epoche beschränkt.

Internationales Interesse am Trebsener Vorbild

Das Trebsener Modell einer gemeinnützigen umfassenden Sammlung historischer Bauteile stößt deshalb international auf große Aufmerksamkeit. "Frankreich, Polen, Tschechien und Österreich signalisierten bereits Interesse, genau wie die Ukraine, die auf der denkmal 2006 auf uns aufmerksam geworden ist. Nach unserem Vorbild wollte man dort eine Bauteilesammlung und ein Bildungszentrum für handwerkliche Denkmalpflege etablieren, doch bisher ist das Projekt meines Wissens nach noch nicht an den Start gegangen", sagt der sächsische Experte, und räumt ein: "Zwar bewahren wir bei uns eine große Vielfalt an Bauteilen auf, aber sie stammen überwiegend aus Sachsen beziehungsweise Mitteldeutschland. Insofern sind wir jederzeit an internationalen Kooperationen interessiert, zum Beispiel an einem Austausch mit dem Bauarchiv des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in Thierhaupten, das einen ganz anderen Kulturkreis vertritt." Der Kontakt wird sich auf der denkmal im November auf jeden Fall herstellen lassen, denn die bayerischen Denkmalpfleger sind in Leipzig auf dem Gemeinschaftsstand Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland (VDL) vertreten.

Das ursprüngliche Bergezentrum in Trebsen, in dem historische Baustoffe aufgearbeitet und gehandelt werden, wird es laut Bielefeld auf jeden Fall trotz der Museumspläne weiterhin geben. "Mittlerweile hat unsere Bekanntheit deutlich zugenommen, und wir erhalten auch Anfragen aus der sächsischen Landeshauptstadt und aus den angrenzenden Bundesländern. Sollte ein Kunde bei uns nicht fündig werden, können wir über ein Netzwerk von deutschlandweiten Händlern eine Lösung anbieten", so Bielefeld, der auch an zusätzlichen weiteren Kooperationspartnern interessiert ist.

Besucht werden kann das Bergezentrum in Trebsen von Dienstag bis Samstag. Private Bauherren, Handwerker, Architekten und Restauratoren - oft auf der Suche nach etwas ganz Speziellem - können sich die im Computer archivierten Bauteile ansehen und auswählen. Im Angebot sind darüber hinaus verschiedene Services, zum Beispiel Qualitäts-Checks. Angeschlossen ist auch ein Labor, das auf Wunsch Dachziegel auf Regendichtigkeit testet. Zudem können Bauteile für ihren künftigen Einsatz angepasst werden. Kleinere Reparaturen an den Bauteilen werden in Trebsen ohnehin gleich selbst erledigt.

Oder man greift auf den Spezialisten-Pool aus Trebsen zurück: Der Förderverein bildet seit 1993 im Bereich der handwerklichen Denkmalpflege aus, und zwar Restauratoren im Handwerk und Fachhandwerker für Denkmalpflege. Inzwischen wurden schon 250 Fachleute - Tischler, Zimmerer, Maler/Lackierer, Stuckateure, Steinmetze und Steinbildhauer sowie Maurer ausgebildet, die sich bestens mit der Denkmalsanierung auskennen. Auf Wunsch werden Adressenlisten verschickt oder die Spezialisten direkt vermittelt.

Erreichbar ist der Förderverein unter www.schloss-trebsen.de oder www.bergezentrum-trebsen.de.

denkmal im Internet:
www.denkmal-leipzig.de, www.denkmalbrief.de, www.leipziger-messe.de

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