Mittwoch, 18. Januar 2017


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IHK-Ausbildungsumfrage: Lehrstellenlage wird schwieriger - mangelnde Ausbildungsreife bleibt Problem

(lifePR) (Siegen/Olpe,, ) "Wir müssen 2010 mit weiteren Rückgängen bei den Lehrverträge rechnen. Nahezu die Hälfte der Unternehmen registriert bereits rückläufige Bewerberzahlen und reagiert darauf. Zugleich konstatiert die überwiegende Mehrzahl der Betriebe nach wie vor eine mangelhaft ausgeprägte Ausbildungsreife der Schulabgänger." Mit diesen Worten fasste IHK-Präsident Klaus Th. Vetter die Ergebnisse einer aktuellen Ausbildungsumfrage der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) zusammen, an der sich in den vergangenen Wochen 105 Unternehmen beteiligten. 30 Prozent der befragten Betriebe planen in diesem Jahr eine Reduktion der Lehrstellen, während 59 Prozent ihr Angebot stabil halten wollen. Zwar planen auch elf Prozent der befragten Unternehmen eine Ausweitung. Dennoch deuten die Umfrageergebnisse an, dass mit rückläufigen Eintragungszahlen im Ausbildungsjahr 2010 zu rechnen sein wird. Hierauf werde man sich einstellen müssen, so der IHK-Präsident.

56 Prozent der befragten Unternehmen gab an, noch keine rückläufigen Bewerberzahlen auf Grund der demografischen Entwicklung zu erkennen. Fast jedes zweite Unternehmen jedoch reagiert bereits durch das Erschließen neuer Bewerbergruppen (zwölf Prozent), durch intensivere Kooperationen mit Hochschulen (elf Prozent), mit einer deutlich stärkeren Zusammenarbeit mit allgemein bildenden Schulen (25 Prozent) und durch ein verbessertes Ausbildungsmarketing (18 Prozent) auf die sich abzeichnende demografische Lücke.

Bemerkenswert ist aus Sicht der IHK auch, dass lediglich 38 Prozent aller Unternehmen ihre offenen Ausbildungsplätze stets der Agentur für Arbeit melden. Fast ebenso viele Betriebe (33 Prozent) nehmen die Dienstleistungen der Agentur jedoch grundsätzlich nicht in Anspruch. "Hin und wieder" leiten 29 Prozent der befragten Unternehmen ihre offenen Stellen der Agentur für Arbeit zu. Bereits 30 Prozent der Firmen betreiben Direktwerbung in den allgemein bildenden Schulen, 48 Prozent schalten Anzeigen in den regionalen Printmedien und 35 Prozent nutzen die Möglichkeiten des Internets. Klaus Vetter: "Dass so viele Unternehmen die Agentur für Arbeit gar nicht oder nur gelegentlich einschalten, ist doch überraschend. Die IHK ruft alle Unternehmen auf, diese Haltung zu überdenken, da bei schwieriger werdenden Marktverhältnissen die bestehenden Informations- und Vermittlungsmöglichkeiten weitestgehend ausgeschöpft werden sollten."

Lediglich 6 Prozent der befragten Unternehmen attestierte den heutigen Schulabgängern keinerlei Mängel bei der Ausbildungsreife. "Dies ist aus unserer Sicht ein niederschmetterndes Ergebnis, an dem die gesamte Gesellschaft arbeiten muss. Hier tickt eine Zeitbombe - gerade angesichts der demografischen Entwicklung", so der IHK-Präsident. Es sei mehr als bezeichnend, dass 67 Prozent der Unternehmen den jungen Menschen Mängel bei elementaren Rechenfertigkeiten und 64 Prozent Mängel im mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen testierten. Daneben hätten die Unternehmen den Schulabgängern abermals problematische Zeugnisse hinsichtlich der beobachteten Sekundärtugenden ausgestellt. Defizite bei der Belastbarkeit (49 Prozent), bei der Disziplin (47 Prozent) oder auch den Umgangsformen (43 Prozent) verlangten auch nach neuen schul- und gesellschaftspolitischen Antworten. Offenbar schlage sich in diesen Ergebnissen nieder, dass die Elternhäuser in immer größerem Ausmaß ihrem Erziehungsauftrag nicht mehr gerecht würden. Vetter: "Kinder und Jugendliche lernen am ehesten über Vorbilder. Wenn diese Vorbilder fehlen, kann man ihnen zu allerletzt den Vorwurf machen." Die Unternehmen reagieren auf diese Problemlage durch vermehrte Angebote für langfristige Schülerpraktika (25 Prozent), eigene Nachhilfeangebote im Unternehmen (46 Prozent) sowie die Nutzung ausbildungsbegleitender Hilfen der Agentur für Arbeit (42 Prozent). Nach Auffassung des IHK-Präsidenten sollte über kurz oder lang auch darüber nachgedacht werden, für den offenbar größer werdenden Teil der nicht ausbildungsfähigen und "schulmüden" Schüler grundsätzlich die Schulpflicht zu reduzieren und diesem Personenkreis bereits nach acht oder neun Jahren Schulpflicht Tätigkeiten in betrieblichem, überbetrieblichem oder caritativem Umfeld verbindlich vorzuschreiben. Klaus Vetter: "Wir glauben, dass diese Personen im Alter von 15 oder 16 Jahren durch einen präventiven Ansatz noch halbwegs "in die Spur" zu bringen sind. Dies erscheint uns besser, als ihnen mit 17, 18 oder 19 Jahren in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen die für den Beginn einer Lehre notwendige "Lebensreife" nachholend vermitteln zu wollen."

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