Freitag, 09. Dezember 2016


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Forschungsprojekt macht zum ersten Mal sichtbar:Köln war schon in der Antike eine großartige Stadt

(lifePR) (Köln/Potsdam, ) Das Römische Köln als 3D-Modell: Das war das Ziel eines bislang einzigartigen und gemeinsamen Forschungsprojekts der Universität zu Köln (Archäologisches Institut), der Fachhochschule Köln (Köln International School of Design/KISD), des Hasso-Plattner-Instituts an der Universität Potsdam und des Römisch-Germanischen Museums (RGM) in Köln. Die Echtzeitvisualisierung erfüllt das derzeit technisch Machbare mit Blick auf Realitätsgehalt, Performance und Informationsgehalt. Es ist möglich, virtuell durch das komplette Römische Köln zu flanieren, die Gebäude in ihrem jeweiligen städtebaulichen Kontext zu sehen und um die Gebäude zu laufen. Finanziell gefördert wurde das Forschungsprojekt von der RheinEnergie Stiftung Jugend/Beruf/Familie.

»Zum ersten Mal ist jetzt sichtbar, was für eine großartige Stadt Köln schon in der Antike war«, betonte Prof. Hansgerd Hellenkemper, Direktor des Römisch Germanischen Museums in Köln bei dem Pressegespräch zum Abschluss des dreijährigen Forschungsprojekts am 10. Oktober 2008. Wie dies den Kölnern und der Welt gezeigt werden könne sei nun die Frage. Die Fachhochschule Köln werde in jedem Falle die Weiterführung des Projekts unterstützen, unterstrich Prof. Dr. Joachim Metzner, Präsident der Fachhochschule Köln und Vize-Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. «Es wäre schön«, so Metzner weiter, »wenn sich Anschlussprojekte ergeben.« Das Forschungsprojekt sei zudem ein Vorzeigeprojekt für erfolgreiche Kooperationen unterschiedlicher Einrichtungen von unterschiedlichen Hochschultypen. Das gilt auch für den interdisziplinären Ansatz: »Die Archäologen und Bauforscher liefern die Inhalte und die Designer gestalten die Information, erstellen wissenschaftlich korrekte und anschauliche 3D-Modelle. Die Informatiker generieren aus diesen Modellen eine Anwendung, die das virtuelle Navigieren in Echtzeit ermöglich«, erläuterte Diplom-Designer Michael Eichhorn von der Köln International School of Design der Fachhochschule Köln.

»Ich bin stolz, dass wir es soweit gebracht haben«, resümierte auch Prof. Henner von Hesberg, Archäologisches Institut der Universität zu Köln, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Rom. »Die geleistete Arbeit kann als Vorbild für andere Modelle dieser Art dienen. Von dem wissenschaftlichen Wert des Modells könnten die Kunstgeschichte und andere Wissenschaften in anderen Städten - auch in Rom - profitieren.«

»Die Herausforderung lag darin, hoch genaue, detailreiche und dreidimensionale Gebäude-Modelle, die am Computer gestaltet worden waren, in bislang noch nie vorhandener Zahl interaktiv erlebbar zu machen«, berichtete Prof. Dr. Jürgen Döllner, Leiter des Fachgebiets Computergrafische Systeme des Hasso Plattner-Instituts an der Universität Potsdam. Dazu setzten die Potsdamer Computergrafik-Wissenschaftler spezielle Rechenabläufe (Algorithmen) ein: Diese erzeugen mit mehreren Hundert Millionen einzelner Dreiecke, aus denen das geometrische Modell aufgebaut ist, effizient Bilder.

Virtuelle Modelle historischer Orte gibt es eigentlich schon seit Beginn der Visualisierungstechnologie. »Allerdings waren dies eher Animationen, die gerechnet wurden, nicht aber interaktiv begehbare großflächige Modelle. Das römische Köln als virtuelles 3D-Stadtmodell ist deshalb bislang einzigartig«, hob Döllner hervor. Hinzu kommt, dass die 3D-Rekonstruktion des römischen Kölns sich mit dem virtuellen 3D-Modell der heutigen Domstadt ergänzt. »In einem weiteren Schritt wollen die beteiligten Institutionen dafür sorgen, dass das Stadtmodell von heute mit dem vor 2000 Jahren visualisiert und damit auch verglichen werden kann«, blickte Döllner in die Zukunft.

Döllner und sein Potsdamer Forscherteam sind überzeugt, dass sich in Zukunft immer mehr Kommunen im Internet mit virtuellen 3D-Stadtmodellen präsentieren werden. Dabei ist nicht nur der Zustand heute von Bedeutung, sondern auch historische Varianten. Der Leiter des HPI-Fachgebiets Computergrafische Systeme hat maßgeblich die Basistechnologien für raumbezogene dreidimensionale Informations- und Visualisierungssysteme entwickelt. Die von ihm initiierte Systemplattform »LandXplorer« wurde mittlerweile vom Autodesk-Konzern, dem weltweit führenden Unternehmen im 3D-Bereich, übernommen.

Internetnutzer erhalten auf der gemeinsamen Projektseite www.colonia3d.de jetzt erstmals einen räumlichen Eindruck von der Größe und Architektur der Stadt vor rund 2000 Jahren. Das Modell kann sogar in Beziehung zum heutigen zweidimensionalen Stadtplan Kölns gesetzt werden.

Hintergrund Archäologisches Institut der Universität zu Köln

Das Archäologische Institut der Universität zu Köln betreibt in vielen regionalen, nationalen und internationalen Kooperationen sowohl Grundlagenforschung (Grabungen, Materialerschließung, Katalogpublikationen) wie auch synthetische Forschungen. Es umfasst drei Bereiche: Klassische Archäologie, Archäologie der römischen Provinzen sowie das Forschungsarchiv für antike Plastik. Dabei untersucht die Klassische Archäologie die Kunst und Kultur des antiken Mittelmeerraums, insbesondere der Griechen und Römer, während sich die Archäologie der römischen Provinzen mit der materiellen Hinterlassenschaft Roms v. a. im Nordwesten des Imperium Romanum beschäftigt. Das Forschungsarchiv für antike Plastik hat sich als eine der weltweit führenden Institutionen für die Entwicklung und Anwendung moderner Informationstechnologien für archäologische Zwecke etabliert.

Hintergrund Hasso-Plattner-Institut

Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-System Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang "IT-Systems Engineering" an - eine praxisnahe und ingenieurwissenschaftlich orientierte Alternative zum herkömmlichen Informatik-Studium, die von derzeit rund 450 Studenten genutzt wird. Insgesamt 50 Professoren und Lehrbeauftragte sind am HPI tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung - auch für erste Adressen der Wirtschaft. Vor allem geht es um Grundlagen und Anwendungen für große, hoch komplexe und vernetzte IT-Systeme. Die Absolventen werden in der Regel als Software-Architekten, Projektleiter oder Chief Information Officer tätig oder gründen eigene Unternehmen.

Fachhochschule Köln

Die Fachhochschule Köln ist die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. 16.000 Studierende werden von rund 400 Professorinnen und Professoren unterrichtet. Die zehn Fakultäten bieten mehr als 60 Studiengänge an - jeweils etwa die Hälfte aus den Ingenieurwissenschaften bzw. Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: von Architektur über Maschinenbau, Design, Restaurierung, Informationswissenschaft, Sprachen und Soziale Arbeit bis hin zu Wirtschaftsrecht und Medieninformatik. Die Fachhochschule Köln ist eine nach den europäischen Öko-Management-Richtlinien EMAS und dem Internationalen Standard ISO 14001 geprüfte und zertifizierte umweltorientierte Einrichtung. Die Köln International School of Design (KISD) der Fachhochschule Köln zählt zu den renommiertesten Designausbildungsstätten an Hochschulen in Europa. Seit mehr als zwölf Jahren bietet die KISD ein interdisziplinäres Studienangebot, das Design als Prozess versteht und auf der Grundlage eines bewährten Konzepts kontinuierlich Neues erprobt.

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