Freitag, 09. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 347077

Warum hat mein Arzt nur höchstens 7 Minuten Zeit für mich?

Was sind die Folgen?

(lifePR) (Berlin, ) Seit 1989 kämpft die DGVP - als unabhängiger, gemeinnütziger Verein - für ein effektiveres, besseres und bezahlbares Gesundheitssystem in Deutschland, das Bürgern und allen Akteuren im Gesundheitswesen zu Gute kommt. Ein Kampf, in dem "dicke Bretter gebohrt werden müssen" - denn hier stehen sich viele gegensätzliche Interessen im Weg und verhindern ein für alle Beteiligten effektives Gesundheitswesen.

Heute ein Thema, das viele Bürger und Patienten belastet: Die schnelle und oft unpersönliche "Abfertigung" beim Arzt.

Diese Situation kennen viele Patienten: nach langer Wartezeit kommt man endlich ins Sprechzimmer. Doch leider hat der Arzt nur wenig Zeit für den Patienten, dabei gibt es doch so vieles zu fragen, zu erzählen und zu bedenken. Das Gefühl bleibt zurück, man werde nur "abgefertigt", der Arzt nehme sich nicht genügend Zeit. Sehr häufig tritt deshalb eine hektische Atmosphäre auf, die weder dem Arzt noch dem Patienten hilft. Nach rund 7 Minuten ist man wieder draußen, mit einer Überweisung, einem Rezept, einem neuen Termin und einem guten Rat. Woran liegt der Zeitmangel in der Praxis?

Die Honorierung der Ärzte, der Krankenhäuser, Therapeuten und Pflegeeinrichtungen erfolgt nach einem starren und unflexiblen Punktesystem, das individuelle Zuwendungen bei der Behandlungen nicht zulässt und den "zuhörenden und beratenden Arzt" wirtschaftlich in Not bringen kann.

Ob der gesetzlich Krankenversicherte einmal oder zehnmal im Quartal dem Arzt gegenüber sitzt oder die Arztpraxis kontaktiert, ändert nichts an der ärztlichen Vergütung. Deswegen müssen so viele Patienten wie möglich "durchgeschleust" werden. Dies führt wiederum zu mehr Wartezeiten und zu Verzögerungen in der Behandlung.

Tatsache ist aber: Der Patient hat das Bedürfnis nach Aufklärung über die Ursachen seiner Erkrankung und mögliche Behandlungsmaßnahmen. Der Arzt hat aber viel zu wenig Zeit, da er für diese Beratung und das ausführliche Gespräch sehr schlecht honoriert wird. Die Arztpraxis ist aber auch ein kleines Wirtschaftsunternehmen, deshalb kann sich der Mediziner in der Praxis, rein wirtschaftlich gesehen, nicht die Zeit nehmen, die er eigentlich für die Aufklarung und Einbindung seiner Patienten bräuchte.

Ergebnis für den Patienten: Die Symptome seiner Krankheit werden behandelt und bei Weitem zu gering deren Ursache.

Eine Folge davon ist häufig: die effektive Behandlung ist nicht gegeben. Die Gefahr der Verzögerung der Genesung und einer erneuten Erkrankung ist sehr hoch. Dazu kommt noch, dass dann bei diesen "unklaren" Fällen ein hoher Diagnoseaufwand betrieben wird, der nutzlos und teuer ist. Mit einem ausführlichen und einfühlsamen Gespräch würde die Ursache unter Umständen letztlich schneller erkannt und die Diagnose und Therapie könnten individuell sinnvoll, zielführend und erfolgreich sowie wirtschaftlich erfolgen.

Deswegen: Der Arzt muss sich besser und zeitintensiver mit dem Patienten befassen können, um auch die Lebensumstände etc. des Patienten zu erfahren - ohne dass sich dies bei ihm wirtschaftlich negativ bemerkbar macht. Das heißt es bedarf anderer Honorarsätze bzw. eine Neuordnung der Vergütung. Durch mehr Aufklärung des Patienten könnte auch ein besseres Verständnis beim Patienten für seine Krankheit und die Maßnahmen der Behandlung auftreten und dies käme der Qualität und den Kosten zu gute.

Bei psychosomatisch bedingten Krankheiten wäre beispielsweise erst einmal die Überweisung zu einem Spezialisten, der sich mit z.B. Stress - Symptomen und deren Beseitigung auskennt, hilfreich. Die individuelle Behandlung wäre eher möglich. Diese erspart dem Patienten Zeit unter Umständen unnütze Untersuchungen oder die Weiterreichung von einem Facharzt zum nächsten. Und dem Gesundheitswesen würde es Milliarden an Kosten sparen.

Fazit: Eine andere, gerechtere Honorierung bzw. eine Strukturänderung, die sich auch am messbaren Erfolg orientiert, ist zwingend notwendig. Die DGVP fordert, dass Mediziner und alle Berufsgruppen und Institutionen existenzsicher bezahlt werden.

Der Zukunftsrat - Souveränität im Gesundheitswesen im DGVP erarbeitet auch hierzu ständig weitere Vorschläge und Anregungen.

Aber ... es sind sehr dicke Bretter zu bohren und die Quadratur des Kreises ist und bleibt eine spannende Herausforderung.

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