Sonntag, 04. Dezember 2016


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Ergebnisse der Öko-Landessortenversuche 2015

Züchter von Bio-Getreidesorten ziehen Bilanz

(lifePR) (Leinfelden-Echterdingen, ) Extreme Witterungsbedingungen und Krankheitsbefall -- diesen zwei großen Herausforderungen stehen die Züchter von Bio-Getreide in diesem Jahr gegenüber. Welche Sorten und Linien bestehen können und welchen Weg die Züchter künftig einschlagen, beschäftigte die rund einhundert Zuhörer, die am 30. Juni 2015 nach Crailsheim-Beuerlbach (74564) gekommen waren, um sich über die Ergebnisse der Öko-Landessortenversuche 2015 zu informieren.

Die Sortenversuche in Hohenlohe auf den Feldern des Demeter-Betriebs von Johanna Faure in Crailsheim-Beuerlbach (74564) gehören mit zu den langjährigsten. Seit 23 Jahren treffen sich hier an den Versuchsfeldern Getreidezüchter und -verarbeiter, Landwirte und interessierte Endverbraucher, um die jährlichen Ergebnisse zu begutachten, auszuwerten und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Die Öko-Landessortenversuche werden vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) koordiniert. Reiner Schmidt vom Beratungsdienst Ökolandbau Schwäbisch Hall stellte die diesjährigen Ergebnisse vor.

Herausforderung 1: Steigende Temperaturen

"Die zunehmende Hitze verkürzt die Phase der Kornfüllung des Getreides und der Ertrag geht zurück'', erklärt Reiner Schmidt die aktuelle Problematik. Laut Aussagen des Deutschen Wetterdiensts ist die Temperatur in der entscheidenden Phase der Kornfüllung seit 1982 um 3 Grad gestiegen, was diese um 10 Tage verkürzt. Hier ist die Züchtung gleich doppelt gefragt: Es geht darum Sorten zu finden, die mit der Trockenheit und einer kürzeren Kornfüllungsphase zurechtkommen, ohne dass Ertrag und Qualität zurückgehen.

Herausforderung 2: Anwachsender Krankheitsbefall

Mit den klimatischen Bedingungen hängt auch der steigende Befall des Getreides durch Krankheiten wie dem Gelbrost zusammen. Gelbrost kann je nach Befall zu einem reduzierten Ertrag von bis zu 50 Prozent führen. "Wie 2014 war auch der diesjährige Winter sehr mild, so dass sich der Gelbrost vermehren konnte und bei Weizen- und Dinkelsorten nun auch im zweiten Jahr wieder auftritt'', so Reiner Schmidt. Da das Ausmaß ähnlich wie im letzten Jahr ist, gehen die Experten davon aus, dass es sich um die gleiche Gelbrost-Rasse handelt. "Es ist jedoch zu erwarten, dass die Rassen sich im Laufe der kommenden Jahre verändern und aggressiver werden. So können sie auch Getreidesorten angreifen, die wir bisher für resistent hielten'', so Reiner Schmidt.

Drei Möglichkeiten

Im Fall des Gelbrosts und anderen Krankheitsbefällen gibt es für die Getreide-Züchtung drei Möglichkeiten: Die erste ist es, die einzelnen Sorten resistenter zu machen. Diese Vorgehensweise ist allerdings fragwürdig, da nicht vorherzusehen ist, wie sich der Gelbrost seinerseits verändert. Die zweite Alternative ist es, die einzelnen Sorten widerstandsfähiger zu machen. Das erzielt zwar gesündere Pflanzen, ihre Resistenz ist jedoch nicht gezielt auf bestimmte Krankheiten abgestimmt. Die dritte Variante sind Sortenmischungen. Diese haben den Vorteil, dass sie die Genotypen verschiedener Pflanzen, die unterschiedlich resistent sind, beinhalten. So trifft eine Krankheit zum Beispiel nur eine von vier Linien, der Befall fällt schwächer aus ebenso wie der Ertragsrückgang.

Ein solches Beispiel stellte Getreidezüchter Hartmut Spieß mit der Sorte "Brandex'' vor, die vier Linien von Weizen vereint. Diese Mischung ist seit letztem Jahr im Versuch mit dem diesjährigen sehr positiven Ergebnis von hohem Ertrag und guter Qualität bei keinerlei Gelbrostbefall.

Bewährte Methode

Auf Sortenmischungen zu setzen, um gesunde Pflanzen mit guten Erträgen zu bekommen, ist im Öko-Anbau keinesfalls neu. Schon vor 100 Jahren war dieses Vorgehen üblich -- damals allerdings vorrangig, um Witterungsextreme auszugleichen. Heute geht es zusätzlich darum, den Krankheitsbefall der Pflanzen einzudämmen.

Im Bereich der Futterpflanzen sind Sorten- und Artenmischungen früher wie heute eine bewährte Methode. Beim Backweizen jedoch setzten sich in den letzten Jahrzehnten reine Sorten durch, weil die Müller damit die Qualität besser beurteilen konnten als bei Mischungen und sortenreine Partien bevorzugen.

Neben den Getreidesorten ging es bei den Öko-Landessortenversuchen 2015 auch um die Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Soja und Erbsen: Die angebauten Sorten stehen gut, die Unkrautfreiheit vor allem bei den Sojabohnen ist hier die größte Herausforderung für die Ökobauern.

Biodynamische Züchtungen am erfolgreichsten

Bemerkenswert auf den Versuchsfeldern in Crailsheim-Beuerlbach ist zudem der Erfolg der biodynamischen Sorten und Linien: So sind beim Weizen von den insgesamt 37 Sorten und Linien nur neun konventionell, alle anderen stammen aus biologisch-dynamischen Züchtungen. Dieser Verdienst geht vor allem auf die erfolgreiche Arbeit von vier Getreidezüchter zurück: Hartmut Spieß, Peter Kunz, Berthold Heyden und Karl-Josef Müller. Das steigende Interesse an biodynamischen Züchtungen mit ihren Vorteilen wie guter Backqualität trotz niedrigem Eiweiß-Gehalt ist ihrer erfolgreichen Arbeit zu verdanken.

Sortenversuche in Kleinhohenheim mit ähnlichen Ergebnissen

In Kleinhohenheim informierten sich am 29. Juni 2015 rund 40 Landwirte über die Leistungsfähigkeit der insgesamt 118 Getreide- und Leguminosensorten im Öko- Landessortenversuch. Erhard Gapp vom Beratungsdienst ökologischer Landbau Ulm übernahm die Versuchsführung und Sortenansprache. Mitarbeiter der Getreidezüchter Peter Kunz, Hartmut Spieß und Berthold Heyden stellten die biodynamischen Sorten und Linien im Versuchssortiment vor. Die meist etwas empfindlichen Leguminosen zeigen dieses Jahr ein vitales Wachstum, insbesondere die Körnererbsen. In Anpassung an den Klimawandel mit milderen Wintertemperaturen werden in Hohenheim seit zwei Jahren auch Winter- Ackerbohnen und Winter-Erbsen geprüft.

Die Versuche in Crailsheim und Klein-Hohenheim sind zwei von vier Standorten der Öko-Landessortenversuche in Baden-Württemberg. Die Koordination und Auswertung aller Versuche läuft über das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ): www.ltz-augustenberg.de

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