Sonntag, 11. Dezember 2016


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Tierärzteverband entsetzt über Entscheidung zur Aufhebung der Blauzungenimpfpflicht

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) Entgegen allen fachlichen Empfehlungen haben sich Ende vergangener Woche mehrheitlich zehn Bundesländer für die Abschaffung der flächendeckenden Pflichtimpfung gegen die Blauzungenerkrankung Serotyp 8 bei Rindern, Schafen und Ziegen im Jahr 2010 ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag wurde dem Bundesrat bereits vorgelegt.

"Offensichtlich haben es die laut schreienden Impfverweigerer aus dem Süden der Republik geschafft, dass politische Erwägungen die fachlichen Tatsachen bei der Tierseuchenbekämpfung in Deutschland überwiegen, glaubt der Präsident der Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), Dr. Hans-Joachim Götz. "Die Seuche ist durch zwei Jahre flächendeckende Impfung keineswegs ausgerottet. Wird die Impfpflicht abgeschafft, ist zu erwarten, dass die Populationsimmunität deutlich unter die notwendigen 70 bis 80 Prozent sinkt und erneute Seuchenzüge mit den bekannten wirtschaftlichen Schäden und Tierschutz relevanten Leiden und Schmerzen zu erwarten sind. Mit der Entscheidung der Bundesländer wird dem Prinzip "Impfen statt Keulen" als Instrument der Tierseuchenbekämpfung, wie es auch in der EU-Tiergesundheits- strategie vorgesehen ist, bei erst bester Möglichkeit ein Bärendienst erwiesen und die Erfolge der beiden vergangenen Jahre zunichte gemacht."

Beispiele aus Ländern, die die Impfung auf freiwilliger Basis durchgeführt haben, wie Frankreich im Jahr 2008, das Vereinigte Königreich oder die Niederlande, haben gezeigt, dass die für den Schutz der empfänglichen Tierpopulation erforderliche Impfdichte nicht erreicht wird. Frankreich hat aus seinen Erfahrungen in 2008 gelernt und auch für das Jahr 2010 die obligatorische Impfung beschlossen. "Es handelt sich eindeutig um eine Entscheidung gegen jede Vernunft," so Götz. "Sie ist um so unverständlicher als damit gleichzeitig die geplante finanzielle Unterstützung der EU-Kommission für 2010 ins Wanken gerät. Impfen auf Gutdünken ist kein strategisches Gesundheitskonzept, und ohne Konzept gibt es kein Geld."

Auch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt die Sorge der praktizierenden Tierärzte. Erst Anfang Oktober hatte das FLI als fachliche Grundlage für die politisch zu treffende Entscheidung in einer Bewertung abgeschätzt , wie hoch das Risiko von Infektionsneuausbrüchen ist, wenn die Impfpflicht für 2010 aufgehoben würde. Danach ist zwar aufgrund der derzeitigen Populationsimmunität für das nächste Jahr zunächst mit einer mäßigen Freisetzung des Erregers zu rechnen. Für 2011 dagegen geht das FLI von einer hohen Erregerrate und entsprechend hohem Ansteckungsrisiko aus.

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