Samstag, 10. Dezember 2016


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Papierindustrie: Herber Rückschlag im Krisenjahr 2009, erstes Quartal 2010 lässt hoffen

(lifePR) (Wien, ) .
- Produktion rutschte 2009 um 10% auf 4,6 Millionen Tonnen ab, Umsatz minus 16% auf 3,2 Milliarden Euro
- Über 500 Arbeitsplätze verloren - dennoch verantwortungsvolle Lehrlingsausbildung als Zukunftsvorsorge
- Nach kritischem ersten Halbjahr 2009 anhaltende Verbesserung von Auftragslage und Auslastung
- Erstes Quartal 2010 brachte stärkstes Auftragsplus seit Herbst 2008
- Nachhaltigkeitsbericht bestätigt konsequente Fortschritte im Umweltschutz sowie bei Rohstoff- und Energieeffizienz

Österreichs Papierindustrie hat im Vorjahr 10% ihrer Produktionsmenge, 16% ihres Umsatzes und 6% ihrer Arbeitsplätze eingebüßt. Mit diesem "Papierriss" musste die Branche den stärksten Einbruch in der Nachkriegsgeschichte hinnehmen und wurde in ihrer Mengenentwicklung um 10 Jahre zurückgeworfen. Temporäre Abstellmaßnahmen an Papiermaschinen, Kurzarbeit und umfangreiche Investitionsausfälle standen auf der Tagesordnung. Absatzrückgänge, sinkende Verkaufspreise und ab Jahresmitte 2009 wieder steigende Energie-, Holz-, Zellstoff- und Altpapierpreise ließen die Ergebnisse vieler Unternehmen im Minus oder auf niedrigem Niveau verharren. Vor dem Hintergrund steigender Rohstoff- und Energiekosten sehen sich nun viele Betriebe zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze gezwungen, bei ihren Kunden Preisverbesserungen durchzusetzen.

Diese Bilanz zog heute Dkfm. Wolfgang Pfarl, Präsident der Austropapier - Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, anlässlich der Präsentation des Jahres- und Nachhaltigkeitsberichtes 2009, allerdings nicht ohne hoffnungsvoll anzufügen: "Seit November steigen die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresmonat wieder an, Zuversicht setzt sich durch, das erste Quartal 2010 schaut erfreulich aus. Die Talsohle scheint durchschritten, leichter Aufwind in sehr turbulenter Zeit ist spürbar. Hochwertiges und ressourcenschonend erzeugtes Papier aus Österreich liegt wieder voll im Trend."

Krisenjahr 2009 ließ Beschäftigtenzahl und Investitionen weiter fallen

Der Rückgang der Beschäftigten um rund 5% war primär durch die Einstellung der Papierproduktion in Hallein bedingt, aber auch die Pappenproduktion im steirischen Rosegg musste geschlossen werden. Trotz rückläufiger Zahlen sehen die Betriebe ihre Lehrlingsausbildung als Zukunftsvorsorge gegen drohenden Facharbeitermangel. Hatte der Produktionseinbruch im ersten Halbjahr 2009 noch fast 20% betragen, konnte in der zweiten Jahreshälfte einiges an Terrain gut gemacht werden. "Die Gesamtexportquote erreichte mit 85,1% fast den Wert von 2008, Deutschland und Italien blieben die größten Abnehmer. Die Auslastung unserer Anlagen liegt aber immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt. Große Sorge bereitet uns der kontinuierliche Rückgang der Inlandsinvestitionen, die um ein Drittel auf knapp über 100 Millionen Euro gefallen sind. Das ist der tiefste Wert seit 20 Jahren, und hier sehe ich sehe auch 2010 keine Trendwende. Dennoch ist unser Konjunkturoptimismus nicht erfroren, wir freuen uns über jedes kleine Plus", schilderte Pfarl die schwierige Situation.

Ergebnisse nach Papiersorten stark unterschiedlich

Bei detaillierter Betrachtung der Ergebnisse muss differenziert werden, denn die Entwicklung in den einzelnen Sorten verläuft höchst unterschiedlich: während der Absatz für Recycling-Wellpappepapiere 2009 nur leicht rückläufig war und die Erzeugung von Faltschachtelkarton sogar um 2% zulegen konnte, machten sich bei Papieren für den grafischen Bereich mit einem Einbruch von 17% deutlich die Überkapazitäten am Weltmarkt bemerkbar. Hersteller von Zeitungspapier und gestrichenem Feinpapier wurden dabei besonders hart getroffen. Hier ist auch der Rückgang der Werbeausgaben spürbar, der dem Druck-Sektor und dem Zeitungs- und Anzeigenmarkt zugesetzt hat. Gut behaupten konnten sich im Krisenjahr 2009 die Hersteller von Hygienepapieren, deren Geschäft durch den Konjunktureinbruch kaum berührt wurde. Leicht rückläufig war die Produktion von Dünn- und Spezialpapieren, mit einem Minus von 3%. Sowohl der Inlandsabsatz als auch die Exportmenge waren bei Papier, Karton und Pappe um rund 10% rückläufig. Die Zellstofferzeugung ging um knapp 6% zurück, wobei aber die Exporte aufgrund der gesunkenen Inlandsnachfrage um 13% anstiegen.

Grünes Potenzial erfolgreich umsetzen

Dr. Max Oberhumer, Austropapier-Energiesprecher und Geschäftsführer von Sappi Austria, sieht die gute Stellung der heimischen Standorte in den internationalen Konzernen als Fels in der Brandung, von dem aus immer öfter der Ruf "Land in Sicht" ertöne: "Wachstums- und Innovationstreiber sind zum einen die hervorragende Qualität unserer Produkte, zum anderen die hohe Umwelt-, Energie- und Rohstoffeffizienz unserer Produktionstechnologien. Dabei ist der ganzheitliche und nachhaltige Ansatz, von den erneuerbaren Rohstoffen Holz und Altpapier über deren stoffliche und energetische Nutzung bis zur fast vollständigen Wiederverwertung der Reststoffe, unser größtes Asset. So wurde der Altpapieranteil in der Produktion gegenüber 2008 auf 56% gesteigert. Die österreichische Zellstoff- und Papierindustrie hat wie kaum eine andere Branche das grüne Potenzial, sich richtungsweisend und erfolgreich am Weg in eine zukünftige nachhaltige Bio-Ökonomie zu etablieren".

Rahmenbedingungen sind investitionsentscheidend

Der Waldreichtum Österreichs sichere in Kombination mit nachhaltiger Forstwirtschaft, dass Holz grundsätzlich in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden kann, so Oberhumer: "Wir müssen uns aber am Weltmarkt behaupten - daher ist es wichtig, dass auch unsere Rohstoffkosten wettbewerbskonform sind. Allerdings lagen unsere Holzkosten 2009 um fast 30% über 2005, nicht zuletzt auch weil uns der starke Ausbau der geförderten Ökostromerzeugung dazu gezwungen hat, unsere Holzimporte gegenüber 2008 um über 8% zu steigern und somit in den letzten fünf Jahren zu verdoppeln". Vor allem Entscheidungen in der Energie- und Klimapolitik beeinflussen das Investitionsklima der Unternehmen wesentlich. Angesichts der anhaltend schwierigen Situation müssen wachstums- und beschäftigungshemmende administrative Hürden rasch aus dem Weg geräumt werden. Auch bei neuen Themen wie dem kostenpflichtigen CO2-Emissionshandel ab 2013 und der ökologischen Steuerreform ist die Harmonisierung zumindest auf EU-Ebene unverzichtbar, zusätzliche Belastungen sind strikt zu vermeiden", schloss Oberhumer mit Blick in Richtung Bundesregierung.

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