Freitag, 09. Dezember 2016


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Die Hexal-Brüder und der Kettenkonzern

(lifePR) (Berlin, ) Im Frühjahr 2005 machten die Hexal-Gründer Thomas und Andreas Strüngmann Kasse: Nach 25 Jahren im Geschäft verkauften die Brüder innerhalb weniger Monate nicht nur Deutschlands führenden Generikahersteller, sondern auch das Schwesterunternehmen Betapharm sowie ihre Mehrheitsanteile am US-Unternehmen Eon Labs. Die Erlöse summierten sich auf knapp 6 Milliarden Euro. Aus den Unternehmern wurden Anleger - mit einem ebenso breiten wie überraschenden Portfolio: Nach Informationen von APOTHEKE ADHOC kauften die Generika-Pioniere vor knapp drei Jahren ein größeres Aktienpaket am britischen Pharmahändler Alliance Boots. Die Spur des Projekts "Sprint Twinstar" führt von München über die Cayman Islands und Gibraltar nach Nottingham.

Mit einem Umsatz von 17,2 Milliarden britischen Pfund ist Alliance Boots nach Phoenix und Celesio die Nummer 3 im europäischen Pharmahandel; mit seinen insgesamt 3200 Filialen umfassenden Apothekenketten liegt der Konzern sogar vor den Mitbewerbern. Im Juni 2007 war der Gigant von der Börse genommen worden - gerade ein Jahr war damals seit der Fusion des britisch-italienischen Pharmahändlers Alliance UniChem und der britischen Drogeriekette Boots vergangen.

Die 12,4 Milliarden Pfund schwere Übernahme durch Firmenchef Stefano Pessina und die US-Finanzinvestoren KKR war der bis dahin größte fremdfinanzierte Zukauf (Leveraged Buy-out) in Europa. Jeweils rund eine Milliarde Pfund an Eigenmitteln wendeten die beiden Investoren für den Deal auf: KKR über verschiedene Fonds in bar, der italienische Magnat durch die Übertragung der bis dahin von ihm gehaltenen Aktien an Alliance Boots. Knapp 9 Milliarden Pfund streckten Investmentbanken vor, darunter die Deutsche Bank, Citigroup, J.P. Morgan, UniCredit, Barclays, Merrill Lynch, die Bank of America und die Royal Bank of Scotland.

Parallel investierten die Banken als sogenannte "Equity Underwriters" zusammen 1,4 Milliarden Pfund in das eigens gegründete Buyout-Unternehmen mit Sitz im Steuerparadies Gibraltar. Für das zusammen 40-prozentige Anteilspaket gab es keinerlei Stimmrechte; dafür wurde den Banken die Möglichkeit eingeräumt, ihre Beteiligungen zu syndizieren, also gegen Gebühr an institutionelle Anleger zu übertragen.

Auf diese Weise kamen die deutschen Generika-Brüder offenbar ins Spiel. Über eine GbR namens "Sprint Twinstar" mit Sitz in München erwarb die Vermögensverwaltung der Familie 2007 für 295 Millionen Euro 5,83 Prozent der Anteile. Exakt dasselbe Paket hatten zuvor die Londoner Niederlassung der Deutschen Bank sowie die Bank of Amerika für jeweils 200 Millionen Pfund gezeichnet. Allerdings könnten auch Barclays, J.P. Morgan, die Münchener UniCredit-Tochter HypoVereinsbank oder die anderen Banken Pakete an die deutschen Investoren abgegeben haben.

Heute hält ein Unternehmen namens "Sprint Twinstar" mit Sitz auf Cayman Islands 20.000 stimmrechtlose, rückkaufbare Vorzugsaktien an der Holding des Pharmahandelskonzerns. Ob und wie die Beteiligungsgesellschaft der Strüngmann-Familie zuzuordnen ist, bleibt angesichts der Diskretion im karibischen Offshore-Paradies unklar - die Firma ist nur eine von gut einem Dutzend auf Cayman angesiedelten und teilweise steuerbefreiten Finanzdrehscheiben, über die der britische Pharmahändler verwaltet wird.

Auf Nachfrage wollte sich Thomas Strüngmann gegenüber APOTHEKE ADHOC nicht zu den Beteiligungen äußern. Offen ist daher auch, ob und wie die britische "Sprint Twinstar" - immerhin die dritte Firma mit dem erfrischend auslegungsfähigen Titel - in das Manöver eingebunden war oder ist. Das Unternehmen war Ende Juni 2007 durch Strüngmanns Finanzchef Klaus-Joachim Krauth gegründet worden - exakt einen Tag nachdem Pessina und KKR Alliance Boots mit Hilfe der stillen Investmentpartner von der Börse genommen hatten.

Wie auch immer die genaue Konstruktion aussieht, über ihr Engagement bei Alliance Boots sind die deutschen Investoren auch auf dem heimischen Markt vertreten: Mit einem knapp 30-prozentigen Anteilspaket ist der Konzern größter Aktionär beim Frankfurter Pharmagroßhändler Andreae-Noris Zahn AG (Anzag). Zum deutschen Portfolio von Alliance Boots gehören außerdem Megapharm, ein Spezialgroßhändler für Onkologika, das Generikaunternehmen Almus sowie die hessische Firma BCM, nach eigenen Angaben einer der führenden Lohnhersteller für Kosmetika in Europa.

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