Freitag, 09. Dezember 2016


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Zusatzbeitrag der Krankenkassen: Linke und FDP-Wähler zeigen sich schon bei sechs Euro empfindlich

(lifePR) (Köln, ) Die Folgen der Implementierung des Gesundheitsfonds könnten die Bundesbürger im Jahr 2010 teuer zu stehen kommen. Milliardenlöcher in den Finanzierungsplänen der Krankenkassen wurden bereits ausgemacht und die Ankündigung sogenannter Zusatzbeiträge wird für Millionen gesetzlich Krankenversicherte bald bittere Realität werden. Daher unterstellte "YouGov 12nach12" folgenden fiktiven Modellfall:

Man stelle sich vor, die Mittel, welche die eigene Krankenkasse aus dem Gesundheitsfonds erhält, reichen ihr ab nächstem Monat zum Erhalt des Versorgungsniveaus nicht mehr aus. Aus diesem Grunde sieht sich die Krankenkasse gezwungen, einen monatlichen Zusatzbeitrag in Höhe von sechs Euro zu erheben, während andere Krankenkassen beim derzeitigen einheitlichen Beitragssatz bleiben. Letzteren gelingt es, das gewohnte Versorgungsniveau ihrer Versicherten mit den Mitteln aus dem Gesundheitsfonds weiterhin zu gewährleisten. Würde man wechseln oder bleiben?

Für jeden zehnten befragten Bundesbürger ist die Antwort klar: Wechseln, und zwar "bestimmt"! Weitere 16 Prozent würden "wahrscheinlich" wechseln. Dabei zeigen sich die Wähler der Linken (16 Prozent "bestimmt" wechseln) und der FDP (14 Prozent) stark überdurchschnittlich intolerant gegenüber einem Zusatzbeitrag. Das Klientel von SPD (zehn Prozent), den beiden Unionsparteien und Bündnis 90/Die Grünen (jeweils sieben Prozent) erweist sich dagegen als eher zahlungsbereit. Vor allem die Unionswähler erweisen sich als eher wechselresistent: Von ihnen gibt ein Drittel (34 Prozent) an, auch in diesem Fall "bestimmt" bei der aktuell favorisierten Krankenkasse zu verbleiben.

"Psychologisch scheint es mehr Ähnlichkeiten zwischen Anhängern von FDP und Linke zu geben, als beide jemals einräumen würden: beide bewegt eine ausgeprägte Grundangst, (finanziell) zu kurz zu kommen, sei es nun durch ein hohes Abgaben-Niveau oder eben durch zu wenig sozialen Ausgleich. Dies kann zu solchen identischen und vom Rest der Bevölkerung deutlich abweichenden Reaktionen führen", erläutert Gesundheitsmarktforscher Dirk Weller, YouGovPsychonomics AG.

Gesundheitspolitik: Negative Beurteilung aller Bundesparteien

Die Ergebnisse der Befragung zeigen zudem: Ausnahmslos alle abgefragten Bundesparteien erhalten von den über 1000 befragten Bundesbürgern negative Bewertungen ihrer Kompetenz für Gesundheitspolitik (auf einer Skala von -10 bis +10). Am vergleichsweise kritischsten wird die Linke beurteilt, gefolgt von der FDP, die sich unter Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) aktuell für dieses Ressort verantwortlich zeigt. Die vergleichsweise beste Bewertung erhalten die Unionsparteien. Auch aus den Reihen der jeweils eigenen Wählerschaft erhalten diese die beste Bewertung.

"Kein anderes gesellschaftspolitisches Thema wird so negativ und pessimistisch beurteilt - ein bedenkliches Resultat der im Tonfall besonders feindseligen und unversöhnlichen Debatten in diesem Feld, die alle positiven Entwicklungsaspekte überdecken", so Weller.

Konkurrenz für medienwirksamen Karl Lauterbach

Gerade aufgrund der schwierigen Startsituation und einer offensichtlich verhaltenen Vertrauensbasis auf Bürgerseite wurde die kürzlich veröffentlichte Liste der gesundheitspolitischen Sprecher der im Bundestag vertretenen Parteien mit Interesse verfolgt. Eine der wichtigsten Aufgaben der bislang eher unbekannten Politiker dürfte es sein, für die Konzepte der jeweiligen Parteien um das Vertrauen der Bürger zu werben.

Mit Karl Lauterbach kann sich die SPD dabei über die aktuell prominenteste Personalie freuen. Ihn können bereits 43 Prozent der Befragten zuordnen, vor allem Männer und Bürger in den alten Bundesländern. Aus den Reihen der SPD-Wähler kennen ihn sogar annähernd zwei Drittel (63 Prozent). Jens Spahn, der Gesundheitssprecher der CDU/CSU-Fraktion, ist aktuell lediglich zwölf Prozent aller befragten Bundesbürger und jedem fünften Unionswähler ein Begriff.

Ulrike Flach, die Gesundheitssprecherin der FDP-Fraktion, kennen elf Prozent der Bundesbürger und 21 Prozent der befragten FDP-Wähler. Birgitt Bender, die Gesundheitssprecherin von Bündnis90/Die Grünen, bringt es auf 14 Prozent der Bundesbürger und 24 Prozent der Grünen-Wähler. Das Schlusslicht bildet aktuell Martina Bunge, die Gesundheitssprecherin der Links-Fraktion. Weniger als jeder zehnte Bundesbürger (neun Prozent) kennt die linke Politikerin, aber immerhin mehr als jeder vierte Linke-Wähler (28 Prozent).

So bleibt abzuwarten, wie erfolgreich die frisch gekürten Gesundheitssprecher die öffentliche Meinung für ihre Ideen und Konzepte einnehmen können und ob es zur nächsten Wahl dann auch eine Partei gibt, der die Bevölkerung wenigstens ein gewisses Maß an Kompetenz in der Gesundheitspolitik zubilligt.

Befragt wurden über 1000 wahlberechtigte Bundesbürger.
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