Freitag, 09. Dezember 2016


Wiesn-Tische: Objekte der Begierde

Diskussion um Reservierungsregeln der Wiesn-Tische zwischen Wunschdenken und Spekulation angekommen

(lifePR) (Dorfen, ) Nach der Wiesn ist vor der Wiesn. Kaum ist das größte Volksfest der Welt Anfang Oktober vorbei, da liegen schon die Festreservierungen von Tischen und Boxen in den Büros. Offiziell geht das natürlich erst später, denn Zulassungen der Zeltbetriebe und andere behördliche Auflagen sind einzuhalten. Und dann blüht auch der Handel mit Optionen auf ein Objekt der Begierde im Internet. Agenturen versuchen Kontingente zu erwerben, um diese dann weiter zu vermarkten. Firmen planen den Wiesnbesuch in großem Stil, Privatleute mit etwas dickerem Geldbeutel bunkern auch schon mal frühzeitig. Dem Normal-Besucher hat das in den letzten Jahren nicht selten den Spaß verhagelt. Entweder kam man an bestimmten Tagen gar nicht mehr rein ins Bierzelt, oder wurde zum Stehen und Staunen verdonnert. Da wird das "Dabeisein ist alles" plötzlich nicht mehr so schön empfunden. Die neuerliche Diskussion um Neuregelungen beim Reservieren von Wiesnplätzen ist deshalb angebracht. Aber führen sie auch in die richtige Richtung? Wird der Praxis ausreichend Gewicht verliehen, oder bilden Wunschdenken und Spekulationen die Parameter? Franz Bergmüller, Landeschef des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur e.V. VEBWK hat sich seine eigenen Gedanken dazu gemacht:

"Die Idee, an den Wiesn-Wochenenden mehr Reservierungen in den Mittelschiffen der Zelte nur für Münchner zu gewähren, halte ich für reine Kosmetik und Wunschdenken. Auch der Gedanke, dass reservierungsfreie Tische mehr Umsatz machen würden, ist mir nicht einleuchtend. Diejenigen, die sich in der Früh bereits anstellen und dann einen der begehrten Tische ergattern, werden diesen durchgehend behaupten. Bei Personenwechsel, so er denn reibungslos organisiert wird, sorgen neue durstige Kehlen und hungrige Mägen sicher für neue Belebung. Im Übrigen scheint der Wunsch, Münchnerinnen und Münchner zu Vorteilen zu verhelfen ebenfalls etwas träumerisch. Zählen Gäste aus dem Umland dann dazu, oder nicht? Wer zieht die Grenze? Schafft das nicht gleich nächste Probleme? Ich denke schon.

Ich sehe aber auch positive Ansätze innerhalb der Diskussion. Die mehr und mehr ausufernden Verzehr-Pflichten pro Reservierung sind einzudämmen und auf ein verträgliches Maß zurückzuführen. Die meisten Wiesnwirte praktizieren das ohnehin so und die, die es übertreiben, sollten sich einreihen. Besonders positiv sehe ich die Entwicklung der Oiden Wiesn. Die wird enorm gut angenommen und sollte zum festen Bestandteil der Wiesn werden. Deshalb darf man auch über eine sinnvolle zeitliche oder auch räumliche Verlegung des Zentralen Landwirtschaftsfest nachdenken. Grundsätzlich gilt es, die Wiesn als das zu sehen, was sie ist: ein internationales Volksfest in München, wo sich in-und ausländische Gäste einfinden und gemeinsam feiern. Ob Münchner, Umlandbewohner, Oktoberfestfreunde aus ganz Deutschland und der Welt - die Wiesn bringt sie zusammen und deshalb wäre eine Spaltung durch falsche Regeln mehr als kontraproduktiv. Reformen sollten sich an der Realität orientieren", so der erfahrene Wirt und Volksfestkenner Bergmüller.
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