Freitag, 09. Dezember 2016


Theaterprojekt mit 23 ehemaligen Hauptschülern ohne Ausbildungsplatz am Theater Heilbronn

"Suche Zukunft"

(lifePR) (Heilbronn, ) Am Theater Heilbronn erarbeiten gegenwärtig 23 Jugendliche eine außergewöhnliche Theaterperformance. Sie haben einen schlechten Hauptschulabschluss, deshalb keinen Ausbildungsplatz und absolvieren derzeit ein sogenanntes Berufseinstiegsjahr (BEJ). Wie es danach weitergeht, wissen sie nicht. "Suche Zukunft", so könnte man die Situation der 23 Mädchen und Jungen auf den Punkt bringen. "Suche Zukunft" - so lautet auch der Titel des Theaterprojektes, welches das Berliner Künstlerteam Union Universal um Regisseurin Maria Magdalena Ludewig seit Januar mit den Mädchen und Jungen erarbeitet. Premiere ist am 24. März um 20 Uhr im Komödienhaus. Am 27. März wird es nach der Vorstellung um 19 Uhr eine von der Tageszeitung "Heilbronner Stimme" moderierte Podiumsdiskussion zum Thema "Suche Zukunft" geben.

Union Universal* *hat bereits dokumentarische Theaterprojekte in Hamburg realisiert, etwa mit Jugendlichen, die von einem Leben als Superstar träumen, oder mit Prostituierten. In Heilbronn steht nun also die Geschichte von Jugendlichen im Mittelpunkt, die den selbständigen Weg ins Leben nicht schaffen, weil sie die erste Hürde, einen Ausbildungsplatz zu finden, nicht nehmen können.

Gemeinsam mit dem Team von Union Universal erarbeiten diese Jugendlichen in sechs Wochen Proben die Dauerbewerbungsshow "Suche Zukunft". Neben chorischen Sequenzen bekommt jeder einzelne seinen ganz unverwechselbaren Auftritt: Drei Minuten Zeit sich zu präsentieren, mit dem was er kann und wer er ist.

Die Theaterbühne wird zum öffentlichen Raum, in dem es sich zu beweisen gilt. Das Bekenntnis zum eigenen Versagen kann plötzlich den Darsteller zum Gewinner machen, das Defizit wird zur Qualität. Der Schüler, der im Unterricht nicht aufpasst, weil er sich lieber in seiner Traumwelt befindet, wird plötzlich zum unterhaltenden Geschichtenerzähler. Der straffällige Jugendliche mit Migrationshintergrund stellt sich als Experte für Deutsch-Muslimische Kultur und Gewaltprävention vor.

Die Jugendlichen legen mit diesem Projekt den Status des Gescheiterten ab und entwickeln sich zum selbstbestimmt Handelnden. Sie können sich so präsentieren, wie sie sich zeigen wollen.

Die Bühne wird zum Freiraum, der die Verhältnisse verkehrt.

Die Texte dieses Theaterabends sind aus langen intensiven Gesprächen mit den Jugendlichen entstanden. Zu Hause oder an Lieblingsorten, mit Eltern, Geschwistern und Freunden wurden Video-Interviews gedreht. Mit erstaunlicher Offenheit erzählten die Mädchen und Jungen von ihren Niederlagen und Ängsten, aber auch von ihren Wünschen. Die zumeist nicht überzeugenden Zensuren verbauen ihnen den Weg. Viele von ihnen haben Brüche in der Biografie. Bei einem Jungen begann der Leistungsabfall mit der schweren Erkrankung der Mutter, bei einem Mädchen gar mit dem Tod der Mutter, bei einem anderen mit der Trennung der Eltern... Einer ist in seinem kurzen Leben bisher schon so oft umgezogen, dass er immer wieder von vorn anfangen musste. Mancher weiß von sich, dass seine Stärken eindeutig im praktischen Bereich liegen. "Wenn ich nur die Chance bekäme, zu beweisen, dass ich arbeiten kann, ich würde alle überzeugen", sagt ein Mädchen und spricht damit vielen aus dem Herzen. "Ich will eine Ausbildung." "Ich habe Arme und Beine, ich kann arbeiten." "Hartz IV ist keine Option".

Kann es sich unsere Gesellschaft leisten, auf diese Jugendlichen zu verzichten? Gibt es keine Chance für sie, sich zu beweisen? Keinem von ihnen mangelt es an ausreichender Intelligenz. Ihre Kleidung, ihr Verhalten, ihre Sprache, nichts davon entspricht dem Klischee des asozialen Jugendlichen. Warum haben sie sich aufgegeben, warum ist die Hürde so unüberwindbar hoch?

"Suche Zukunft" ist ein Theaterprojekt von Jugendlichen für Erwachsene, das für die schwierige Situation von Jugendlichen auf dem Weg ins Berufsleben sensibilisieren soll. Die Begegnung mit diesen Jugendlichen soll Diskussionen in Gang bringen, das Bewusstsein schärfen, möglicherweise dazu führen, Vorurteile abzubauen.

Zum anderen hilft es auch ganz konkret diesen Jugendlichen, durch die Mittel des Theaters ihre Stärken herauszufinden und diese mit neuem Selbstbewusstsein öffentlich zu präsentieren. Einem Selbstbewusstsein, das auch bei der Gestaltung der eigenen Zukunft hilfreich sein wird.

Das Projekt hat eine eigene Homepage

www.suche-zukunft.de <http://www.suche-zukunft.de/>

Da sind unter anderem die Videos mit den beteiligten Jugendlichen zu sehen und ein Tagebuch, das die Probenarbeit dokumentiert.

*Union Universal *ist ein Berliner Künstler- Kollektiv, das Maria Magdalena Ludewig, Susanne Jakob, Martin Hammer, Agnieszka Piwowarska und Jakob Klaffs 2008 gegründet haben. Ihr Arbeitsfeld ist die Umsetzung recherchierter dokumentarischer Stoffe für das Theater.

Die erste gemeinsame Produktion von Union Universal "Wir sind Zukunft! - Perspektive Hamburg" war eingeladen zu Festivals nach Frankfurt, Magdeburg, Berlin, Hamburg und New York. Die zweite Produktion "Dreamdolls" hatte im Hamburger Club Übel&Gefährlich im Juni 2009 Premiere, zuletzt arbeiteten sie wieder auf Kampnagel. "STARS UNITED" hatte im Januar 2010 in Hamburg Premiere.

Neben der gemeinsamen Arbeit, verwirklichen alle regelmäßig Einzelprojekte und Kooperationen mit anderen Künstlern, sowohl im Schauspieltheater, als auch im Opern- und Filmbereich.

www.unionuniversal.de

In der Selbstbeschreibung von Union Universal heißt es:

Der Theaterraum ist für uns genauso ein öffentlicher Raum, in den es durch Bespielung zu intervenieren gilt wie ein Marktplatz, eine Schulaula oder das Internet. Wir sind an der Realität und der Alltäglichkeit interessiert, an den Phänomenen, die uns auf der Straße, im Fernsehen oder in virtuellen Welten begegnen. Wir suchen einen spielerischen Umgang mit ihnen und nutzen dafür den Freiraum Theater.

Wir fühlen uns den Geschichten und Menschen, mit denen wir arbeiten, verpflichtet und verantwortlich und trotzdem stellen wir sie in einen künstlerischen Kontext. Das Spiel mit der Realität ohne Bloßzustellen ist unser Ziel.

Die Arbeit beginnt mit Recherche und Interviews. Aus den Interviews entstehen Texte, Videos und Material. Je nach Konzept entsteht dann eine szenische Umsetzung mit den Interviewten selbst auf der Bühne, mit Schauspielern oder nur im Video/Performance-Bereich.

Einen großen Baustein unserer Arbeit stellt die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern dar. Je nach Projekt und Umfeld suchen wir ein dichtes Netz von Partnern, die das Projekt in dem jeweiligen Umfeld verankern. Uns interessieren die Rückkopplungen unserer Arbeit in den Alltag der Beteiligten, wir wollen uns engagieren und haben Lust an der Einmischung, als künstlerische Intervention im Alltag.

Einzel-Biographien:
Maria Magdalena Ludewig
Regisseurin
2001-2003 Studium der Philosophie, Germanistik und Medienkultur in Hamburg.

Erste Inszenierungen 2002/2003 in der Schreibwerkstadt des Hamburger Schauspielhauses. 2003-2008 Regie-Studium an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin. Während des Studiums zahlreiche eigene Projekte wie "Exilkonsummesse", "Die Flut -- Ein Ersatzrequiem", "Der Nibelungen Not", und "Tonight: Lulu live". Zusammen mit der Gruppe anschläge.de entwickelte sie 2007 das Projekt "barmbek.tv" auf Kampnagel. "Wir sind Zukunft! -- Perspektive Hamburg" war ihr Regiediplom, das auf Gastspielen in Berlin, Magdeburg, Frankfurt und New York zu sehen war. In der Spielzeit 2009/2010 ist sie Stipendiatin von "Format-neue Wege in der Kultur", der Deutschen Bank Stiftung und des Thalia Theaters Halle.

Martin Hammer
Dramaturg
Seit 2003 Studium der Theater- und Literaturwissenschaft an der FU

Berlin. 2006 entwickelte er mit der Regisseurin J. Hölscher u.a. die Produktion "Match Factory Girl", (Festival Premières am Théâtre National de Strasbourg, Körber Preis 2007). Er arbeitete als Gastdramaturg am Theaterhaus Jena, am Thalia Theater Hamburg und Schauspiel Düsseldorf. Mit Julia Hölscher gemeinsam erarbeitete er zuletzt 2009 in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut "Creeps" in Taschkent, Usbekistan.

Agnieszka Piwowarska
Autorin/Schauspielerin

Erste Veröffentlichung 1995 zum "Treffen Junger Autoren" in Berlin. Im Jahr 1999 Beginn des Schauspielstudiums an der Theaterhochschule in Leipzig. Seit 2001 zahlreiche Film- und Theaterproduktionen. Von 2006 bis 2009 Studium an der Hamburger Media School im Fachbereich Drehbuch als Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung. Sie erhielt für ihr Kurzfilm-Skript eine Einladung und den 1.Preis beim Internationalen Filmfestival in St. Petersburg und 2009 den Hohenemser Literaturpreis für ihre Erzählung Oktober. Sie arbeitet als Drehbuchautorin und freie Schauspielerin.

Susanne Jakob
Bühnen- und Kostümbildnerin

2003-09 Theaterprojekte in Frankfurt, Düsseldorf, Berlin, Hamburg, New York, Seoul und Antwerpen. 2003-09 Bühnenbildstudium an der UdK Berlin. Arbeiten im Bereich Bühnen/Kostümbild für Theater-/Operninszenierungen am Schauspiel Frankfurt, Hau1, Castillo-NYC und der Vlaamser Opera. 2005 Szenografin beim Film. Im selben Jahr stellte sie auf dem Internationalen Theaterfestival Korea aus.

Jakob Klaffs
Video/Dokumentation
2001 Studium der Musikwissenschaft an der Universität

Hamburg. Seit dieser Zeit experimentelle Beschäftigung mit Video-Kurzfilmen und Tonschnitt. 2003 Studium der Musiktheater-Regie an der Theaterakademie der Musikhochschule Hamburg 2008 stellte er als Diplomarbeit den Kurzfilm 'Der Wanderer' fertig. Er arbeitet an eigenen Filmprojekten, wie auch als Videokünstler für Opernproduktionen.
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