Sonntag, 25. September 2016


Menschenrechte verwirklichen - Unrecht heilen

Einheit in der Vielfalt - Deutliches Zeichen aus Prag erwartet

(lifePR) (Stuttgart, ) Landesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Zeichen der neuen Grundsatzerklärung

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Baden-Württemberg diskutierte am vergangenen Wochenende intensiv über die von der Bundesversammlung vor wenigen Wochen beschlossene Grundsatzerklärung und Satzungsänderung. Landesobmann Klaus Hoffmann griff diese beiden Themen in der Landesversammlung bewußt auf und stellte sie zur Diskussion. "Diese Fragen beschäftigen unsere Landsleute seit drei Wochen. Daher war es selbstverständlich, dass wir mit ihnen über diese richtungsweisenden Beschlüsse diskutieren" führt er aus. "Aufgabe der Sudetendeutschen Landsmannschaft wird auch künftig sein auf die Verwirklichung der Menschenrechte und die Heilung des erlittenen Unrechts hinzuarbeiten. Hierzu suchen wir den Dialog mit den in der Tschechischen Republik Verantwortlichen. Nun liegt der Ball auf deren Spielfeld."

Rechenschaftsbericht des Landesobmannes

Der Rechenschaftsbericht über das erste Jahr im Amt des Landesobmannes wurde von den Delegierten positiv aufgenommen. Klaus Hoffmann streifte dabei die vom Landesvorstand angestoßenen Maßnahmen und die verbesserte Außendarstellung. Besonders Augenmerk widmete er den mit Parteienvertretern von SPD und CDU geführten Gesprächen. Auch verwies er auf die in Kürze anstehenden Treffen mit Grünen und FDP.

Für die Darstellung der sudetendeutschen Vielfalt sei mit dem Auftritt auf der offerta in Karlsruhe ein neuer Weg beschritten worden. Das Interesse an der eigenen Herkunft sei groß. Daher plane die Landsmannschaft sich in diesem Jahr wieder dort zu präsentieren. Eine optische Aufwertung erfuhren auch die Internetseiten www.sudeten-bw.de. Steigende Besucherzahlen der Seiten zeugen vom großen Interesse.

Die ungezählte Zahl von sudetendeutschen Veranstaltungen im ganzen Land bildete einen weiteren Schwerpunkt des Berichtes. Schwerpunktmäßig ging er dabei auf die Landeskulturtagung im Haus der Heimat, den Besuch des Stuttgarter Weindorfes und die Chartafeier im August ein.

Mit einem Dank an alle Delegierte, Landsleute und Unterstützer für deren aktive Unterstützung und ihre Treue zur Heimat leitete er zur Aussprache über.

Menschenrechte verwirklichen - Unrecht heilen

Es entspann sich eine sachliche, aber äußerts lebhafte und intensive Diskussion über den Bericht. Im Mittelpunkt standen erwartungsgemäß die Beschlüsse der Bundesversammlung. Die Delegierten begrüßten die Forderung in der Grundsatzerklärung, die gegen Deutsche und weitere Minderheiten gerichteten Präsidialdekrete des Präsidenten Beneš außer Kraft zu setzen. Auch die klar formulierten Ziele, Verstöße gegen Menschenrechte auf Grundlage eines gerechten Ausgleichs zu heilen, fanden ihre Zustimmung. Nun erwarten die Delegierten die längst überfälligen deutlichen Zeichen aus Prag.

Einheit in der Vielfalt

Die kontroversen Diskussionen der letzten Wochen gehörten zu einem demokratischen Prozess, so die Meinung der Delegierten. Daher müssten die unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Landsmannschaft zusammengeführt werden. Dies sei seit Jahrzehnten Praxis innerhalb der Sudetendeutschen Landsmannschaft und trage zur Einheit bei.

"Mit den Beschlüssen hat die Sudetendeutsche Landsmannschaft den Weg für einen offenen Dialog mit Prag geebnet", sagt Klaus Hoffmann. Und weiter "wir erwarten nun deutliche Zeichen aus Prag zu den Unrechtsdekreten und Eigentumsfragen".

Haushalt 2014 und Planung 2015

Haushaltsansätze 2014 und 2015 bestimmten den zweiten Teil der Versammlung. Die Delegierten stimmten den vorgelegten Zahlen einstimmig zu und entlasteten den Vorstand.

Mit Einladungen zum Sudetendeutschen Tag an Pfingsten nach Augsburg und zum nationalen Gedenktag am 20. Juni verabschiedete Klaus Hoffmann die Delegierten aus Stuttgart.
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Über Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesgruppe e. V

Wir vertreten die im Land Baden-Württemberg wohnenden Sudetendeutschen.

Die Nachfahren jener Deutschen, die vor mehr als 800 Jahren in den sogenannten "Böhmischen Ländern", nämlich in Böhmen, Mähren und dem südlichen Teil Schlesiens (diese Länder bilden heute die "Tschechische Republik") ansässig geworden sind, wurden in diesem Jahrhundert unter dem Sammelnamen "Sudetendeutsche" bekannt.

1945/46 wurden 3,2 Millionen von den insgesamt 3,5 Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben, ihr Eigentum wurde entschädigungslos konfisziert. Konfiskation und Vertreibung waren begleitet von blutigen Exzessen. Grundlage dieser gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßenden "ethnischen Säuberung" bildeten Dekrete, die vom damaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš erlassen worden waren und die heute noch gültig sind.

Rund 600 000 dieser vertriebenen Sudetendeutschen kamen nach Baden-Württemberg, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten und in das wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben eingegliedert wurden. Sie fanden sich in zahlreichen Vereinigungen zusammen, deren Grundlage ganz verschiedenartig war: Herkunftsgebiete, politische oder kulturelle Interessen, Freizeitgestaltung, berufliche Gemeinsamkeiten und manches mehr.

Jeder 15. Einwohner Baden-Württembergs ist Sudetendeutscher. Heute gibt es in Europa und Übersee insgesamt rund 3,8 Millionen Sudetendeutsche. Rund 600 000 von ihnen kamen im Zuge der Vertreibung aus ihrer Heimat nach dem 2.Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung trugen sie in der Nachkriegszeit zum Wiederaufbau des Landes bei. Durch ihre Stimmabgabe bei der Volksabstimmung 1952 waren sie wesentlich am Zustandekommen des "Südweststaates" beteiligt. Die für Baden-Württemberg kennzeichnende Ausgewogenheit zwischen großen Weltfirmen, Mittel- und Kleinbetrieben hat die wirtschaftliche Eingliederung der Sudetendeutschen und die Gründung neuer Werke und Fabriken durch sudetendeutsche Unternehmer in besonderem Maße erleichtert. Stellvertretend dafür seien genannt die Autofirma Porsche in Stuttgart, die Wiesenthal-Glashütte in Schwäbisch Gmünd, die Aluminium-Hütte Grohmann in Bisingen,die Maschinenfabrik Panhans in Sigmaringen, die Papierwerke Zechel in Reilingen,das Pharmawerk Merckle in Blaubeuren, dazu zahlreiche weitere mittlere und kleinere Betriebe.

27 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs übernahmen Patenschaften über sudetendeutsche Kreise, Gemeinden und Landschaften. Insgesamt 24 kulturelle sudetendeutsche Einrichtungen - wissenschaftliche Gesellschaften, Archive, Büchereien, Sammlungen, Heimatstuben - wurden durch eigene Kraft der Sudetendeutschen und mit Hilfe öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg aufgebaut.

Aus dem kulturellen Leben des Landes sind manche Namen von Sudetendeutschen nicht mehr wegzudenken, wie z. B. der Bildhauer Prof. Otto H. Hajek, die Tänzerin Birgit Keil, die Komponisten Karl-Michael Komma und Widmar Hader, der weltbekannte Posaunist Armin Rosin, die Dirigenten Wolfgang G. Hofmann und Emmerich Smola, die Malerin Traude Teodorescu-Klein oder der Dichter und Schriftsteller Josef Mühlberger - um nur einige wenige stellvertretend zu nennen.

Das Sudetenland im Vergleich zur Fläche einzelner deutscher Bundesländer

Bayern 70550 km2
Baden-Württemberg 35750 km2
Sudetenland 26500 km2
Hessen 21100 km2
Schleswig-Holstein 15700 km2
Saarland 2600 km2

Die kulturelle Verflechtung der Sudetendeutschen mit den übrigen deutschen Ländern und Landschaften ist seit Jahrhunderten eng und vielgestaltig.

Beispiele sind: Der schwäbische Baumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der im 14. Jahrhundert u. a. den Veitsdom in Prag erbaute, oder der aus dem Egerland kommende Barockbaumeister Balthasar Neumann, der nicht nur die Würzburger Residenz, sondern z. B. auch berühmte Treppenhäuser in Brühl und Bruchsal schuf. Auch andere Namen, herausgegriffen aus einer großen Zahl, beweisen den lebendigen Anteil, den die Deutschen aus den böhmischen Ländern am geistigen Leben des gesamten deutschen Volkes hatten und haben: Der Komponist Johann Wenzel Stamitz aus Deutsch-Brod beispielsweise, der später in Mannheim wirkte, Vinzenz Prießnitz und Johann Schroth, die großen Naturheiler, der Brünner Abt Gregor Mendel, dessen Vererbungslehre zur Grundlage moderner Genetik wurde, die Friedensnobelpreis-Trägerin Bertha von Suttner, die Dichter Rainer Maria Rilke, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, die Maler Alfred Kubin oder Ferdinand Staeger, aber auch die Bamberger Symphoniker, die nach der Vertreibung aus den "Prager Deutschen Philharmonikern" hervorgegangen waren, oder auch der Schriftsteller Otfried Preußler aus Reichenberg, dessen "Räuber Hotzenplotz" und "Kleine Hexe" heute Millionen Kinder und Erwachsene erfreuen.

Die Organisationen der Sudetendeutschen spiegeln in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit das Leben und die Interessen der Angehörigen dieser Volksgruppe wider. Im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich gibt es sudetendeutsche Zusammenschlüsse, aber auch auf Generationsebene und im Bereich der Freizeitgestaltung.

In Baden-Württemberg gibt es heute 27 größere sudetendeutsche Vereinigungen, von denen viele noch Untergliederungen auf Orts- und Kreisebene haben.

Mehrere sudetendeutsche Zeitschriften werden in Baden-Württemberg herausgegeben, ebenso haben verschiedene sudetendeutsche Stiftungen, Institute und Gesellschaften ihren Sitz in diesem Lande.

Die Sudetendeutschen im Vergleich zur Einwohnerzahl verschiedener Staaten

Norwegen 4,1 Mio
Sudetendeutsche 3,8 Mio
Irland 3,3 Mio
Albanien 2,7 Mio
Luxemburg 0,36 Mio
Island 0,23 Mio

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