Dienstag, 06. Dezember 2016


Menschenrechte ohne Grenzen – Sudetendeutscher Tag 2015

Sudetendeutscher Tag 2015 setzt Zeichen für Menschenrechte

(lifePR) (Stuttgart, ) .
-Sudetendeutscher Tag 2015 setzt Zeichen für Menschenrechte
-Sudetendeutscher Menschrechtspreises geht an Prof. Dr. Manfred Kittel
-Kurpfälzisches Kammerorchester umrahmt Verleihung der Sudetendeutschen Kulturpreise
-Europäischer Karls-Preis 2015 wird Valentin Inzko verliehen
-Hauptkundgebung mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer
-Sudetendeutsche aus Baden-Württemberg wieder in großer Zahl dabei

Mit dem Motto des 66. Sudetendeutschen Tages in Augsburg "Menschenrechte ohne Grenzen" legte die Sudetendeutsche Landsmannschaft in diesem Jahr den Finger in die Wunde. Aktueller denn je ist die Verletzung elementarer Menschenrechte; weltweit werden heute mehr Heimatvertriebene und Flüchtlinge gezählt als vor sieben Jahrzehnten zum Ende des Zweiten Weltkrieges, als 15 Millionen Deutsche Haus und Hof und Hab und Gut verloren haben.

Ein Zeichen für Menschenrechte

Ein international besetzter Menschenrechtskongress bildete den Auftakt des diesjährigen Sudetendeutschen Tages. Zu Beginn verlieh Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, den Sudetendeutschen Menschenrechtspreis an Prof. Dr. Manfred Kittel, den ehemaligen Direktor der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV). Kittel nahm auch an der anschließenden Podiumsdiskussion teil, die von Posselt moderiert wurde. Vertreter verschiedener Organisationen, die alle ein gleiches Schicksal verbindet diskutierten über Menschenrechte; insbesondere über die Verletzung dieser Menschenrechte gegen ihre jeweiligen Volksgruppen. "Nie wieder" lautete Posselt's während des Sudetendeutschen Tages oft wiederholtes Credo; nie wieder dürfen Nationalismen dazu führen, dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Kurpfälzisches Kammerorchester umrahmt Verleihung der Sudetendeutschen Kulturpreise

An hochkarätige Vertreter ihres Faches wurden die Sudetendeutschen Kulturpreise vergeben.

Seit 1955 vergibt die Sudetendeutsche Landsmannschaft Kulturpreise in verschiedenen Kategorien. In diesem Jahr erhielten sieben Preisträger aus den Händen des Vorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, ihre Urkunden. Die Verleihung der Kulturpreise im Rahmen einer Festveranstaltung zeigt das breite kulturelle und wissenschaftliche Leistungsvermögen der sudetendeutschen Volksgruppe bis heute. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Kurpfälzischen Kammerorchester aus Mannheim unter Leitung von Prof. Armin Rosin. Kulturpreise für Wissenschaft, Bildende Kunst und Architektur, Darstellende und Ausübende Kunst, Musik, Literatur und der Sudetendeutsche Volkstumspreis fanden neue Preisträger unter dem großem Beifall der Gäste im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses. Der Großen Sudetendeutschen Kulturpreis wurde an Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Rudolf Fritsch verliehen. "Die Kulturpreisträger treten in die Nachfolge herausragender sudetendeutscher Persönlichkeiten, die in den letzten Jahrhunderten für das Leistungsvermögen der Deutschen aus Böhmen, Mähren und Sudeten-Schlesien stehen." freut sich Klaus Hoffmann, Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Baden-Württemberg, für die Preisträger.

Europäischer Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Valentin Inzko, Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, erhält den Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft aus den Händen von Bernd Posselt. Karl IV., König von Böhmen, steht Pate für den Sudetendeutschen Karls-Preis. In seiner Laudatio würdigte Bernd Posselt Valentin Inzko als herausragenden Europäer, der die Idee eines geeinten Europas verfolgt. Er kenne aber auch die Schrecken von Krieg und Menschrechtsverletzungen, die ihn stetig antrieben um für die Durchsetzung der Menschenrechte und dieses geeinte Europa zu kämpfen.

Hauptkundgebung mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer

In der gut besuchten Schwabenhalle erfreuten sich die Teilnehmer zunächst am traditionellen Einzug der Trachtengruppen mit ihren Fahnenabordnungen. Danach begrüßte der stellvertretende Bundesvorsitzende, Steffen Hörtler, die Ehrengäste und Teilnehmer. Neben Horst Seehofer konnte er Emilia Müller, die bayerische Sozialministerin und viele weitere Ehrengäste begrüßen. Unter ihnen waren auch die beiden Landtagsabgeordneten Epple und Nemeth (beide CDU) aus Baden-Württtemberg. Besondere Aufmerksamkeit galt den Ehrengästen aus der Tschechischen Republik.

Eine Videobotschaft aus Prag von Pavel Bĕlobrádek, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten, war mehr als ein Novum. Es war ein deutliches Zeichen, dass die Bemühungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft den Dialog mit Prag endlich einzuleiten erste positive Ergebnisse zeitigt. Mit einem Zitat aus dem Vater Unser "Herr, vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" zeigt er, dass Bewegung in die Beziehungen zwischen Sudetendeutschen und Tschechen kommt.

Seehofer stellte in seiner Rede die veränderte Situation in der Tschechischen Republik fest. Der Prozess, dass sich immer mehr Politiker dort mit der Sudetendeutsche Frage beschäftigten, sei nicht mehr umzukehren und dem Reformkurs der Sudetendeutschen Landsmannschaft geschuldet.

"Unser Reformprozess zeigt Wirkung. Vor wenigen Monaten haben wir eine Grundsatzerklärung verabschiedet. Diese hat den Weg geebnet. Unsere tschechischen Partner haben dieses Signal aufgenommen", erklärt Klaus Hoffmann, Landesobmann in Baden-Württemberg. Und weiter meint er "ich bin mir sicher, dass diesen ersten positiven Zeichen weitere folgen werden.

Sudetendeutsche aus Baden-Württemberg wieder in großer Zahl dabei

Aus Baden-Württemberg war wieder eine große Zahl Landsleute nach Augsburg angereist. Ein eigener Stand der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Jüngeren und Mittleren Generation unter Leitung des stellvertretenden Landesvorsitzenden Bruno Klemsche war in Halle 5 erster Anlaufpunkt. Weitere Aussteller waren zum Beispiel das Begegnungszentrum Brünn, von der Sektion Schwaben des DAV die Regionalgruppe Sudeten oder der Bund der Niederländer, die ihren Sitz in Baden-Württemberg haben. Bundesfrauenreferentin Gerda Ott und der Vorsitzende des Sudetendeutschen Heimatrates Franz Longin, beide auch Mitglied im Landesvorstand der SL Baden-Württemberg, luden zu interessanten und gutbesuchten Vorträgen ein. Viele Landsleute kamen mit PKW und öffentlichen Verkehrsmitteln, am Sonntag auch zahlreich mit Bussen aus Baden-Württemberg in die bayerisch-schwäbische Metropole Augsburg. "Der Sudetendeutsche Tag ist und bleibt wichtigster Treffpunkt unserer Sudetendeutsche Landsleute und unserer Gesprächspartner aus der Tschechischen Republik. Wir freuen uns auf den 67. Sudetendeutschen Tag, der 2016 in Nürnberg stattfinden und wieder viele Landsleute anlocken wird" resümiert Klaus Hoffmann.
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Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesgruppe e. V

Wir vertreten die im Land Baden-Württemberg wohnenden Sudetendeutschen.

Die Nachfahren jener Deutschen, die vor mehr als 800 Jahren in den sogenannten "Böhmischen Ländern", nämlich in Böhmen, Mähren und dem südlichen Teil Schlesiens (diese Länder bilden heute die "Tschechische Republik") ansässig geworden sind, wurden in diesem Jahrhundert unter dem Sammelnamen "Sudetendeutsche" bekannt.

1945/46 wurden 3,2 Millionen von den insgesamt 3,5 Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben, ihr Eigentum wurde entschädigungslos konfisziert. Konfiskation und Vertreibung waren begleitet von blutigen Exzessen. Grundlage dieser gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßenden "ethnischen Säuberung" bildeten Dekrete, die vom damaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš erlassen worden waren und die heute noch gültig sind.

Rund 600 000 dieser vertriebenen Sudetendeutschen kamen nach Baden-Württemberg, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten und in das wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben eingegliedert wurden. Sie fanden sich in zahlreichen Vereinigungen zusammen, deren Grundlage ganz verschiedenartig war: Herkunftsgebiete, politische oder kulturelle Interessen, Freizeitgestaltung, berufliche Gemeinsamkeiten und manches mehr.

Jeder 15. Einwohner Baden-Württembergs ist Sudetendeutscher. Heute gibt es in Europa und Übersee insgesamt rund 3,8 Millionen Sudetendeutsche. Rund 600 000 von ihnen kamen im Zuge der Vertreibung aus ihrer Heimat nach dem 2.Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung trugen sie in der Nachkriegszeit zum Wiederaufbau des Landes bei. Durch ihre Stimmabgabe bei der Volksabstimmung 1952 waren sie wesentlich am Zustandekommen des "Südweststaates" beteiligt. Die für Baden-Württemberg kennzeichnende Ausgewogenheit zwischen großen Weltfirmen, Mittel- und Kleinbetrieben hat die wirtschaftliche Eingliederung der Sudetendeutschen und die Gründung neuer Werke und Fabriken durch sudetendeutsche Unternehmer in besonderem Maße erleichtert. Stellvertretend dafür seien genannt die Autofirma Porsche in Stuttgart, die Wiesenthal-Glashütte in Schwäbisch Gmünd, die Aluminium-Hütte Grohmann in Bisingen,die Maschinenfabrik Panhans in Sigmaringen, die Papierwerke Zechel in Reilingen,das Pharmawerk Merckle in Blaubeuren, dazu zahlreiche weitere mittlere und kleinere Betriebe.

27 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs übernahmen Patenschaften über sudetendeutsche Kreise, Gemeinden und Landschaften. Insgesamt 24 kulturelle sudetendeutsche Einrichtungen - wissenschaftliche Gesellschaften, Archive, Büchereien, Sammlungen, Heimatstuben - wurden durch eigene Kraft der Sudetendeutschen und mit Hilfe öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg aufgebaut.

Aus dem kulturellen Leben des Landes sind manche Namen von Sudetendeutschen nicht mehr wegzudenken, wie z. B. der Bildhauer Prof. Otto H. Hajek, die Tänzerin Birgit Keil, die Komponisten Karl-Michael Komma und Widmar Hader, der weltbekannte Posaunist Armin Rosin, die Dirigenten Wolfgang G. Hofmann und Emmerich Smola, die Malerin Traude Teodorescu-Klein oder der Dichter und Schriftsteller Josef Mühlberger - um nur einige wenige stellvertretend zu nennen.

Das Sudetenland im Vergleich zur Fläche einzelner deutscher Bundesländer

Bayern 70550 km2
Baden-Württemberg 35750 km2
Sudetenland 26500 km2
Hessen 21100 km2
Schleswig-Holstein 15700 km2
Saarland 2600 km2


Die kulturelle Verflechtung der Sudetendeutschen mit den übrigen deutschen Ländern und Landschaften ist seit Jahrhunderten eng und vielgestaltig.

Beispiele sind: Der schwäbische Baumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der im 14. Jahrhundert u. a. den Veitsdom in Prag erbaute, oder der aus dem Egerland kommende Barockbaumeister Balthasar Neumann, der nicht nur die Würzburger Residenz, sondern z. B. auch berühmte Treppenhäuser in Brühl und Bruchsal schuf. Auch andere Namen, herausgegriffen aus einer großen Zahl, beweisen den lebendigen Anteil, den die Deutschen aus den böhmischen Ländern am geistigen Leben des gesamten deutschen Volkes hatten und haben: Der Komponist Johann Wenzel Stamitz aus Deutsch-Brod beispielsweise, der später in Mannheim wirkte, Vinzenz Prießnitz und Johann Schroth, die großen Naturheiler, der Brünner Abt Gregor Mendel, dessen Vererbungslehre zur Grundlage moderner Genetik wurde, die Friedensnobelpreis-Trägerin Bertha von Suttner, die Dichter Rainer Maria Rilke, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, die Maler Alfred Kubin oder Ferdinand Staeger, aber auch die Bamberger Symphoniker, die nach der Vertreibung aus den "Prager Deutschen Philharmonikern" hervorgegangen waren, oder auch der Schriftsteller Otfried Preußler aus Reichenberg, dessen "Räuber Hotzenplotz" und "Kleine Hexe" heute Millionen Kinder und Erwachsene erfreuen.

Die Organisationen der Sudetendeutschen spiegeln in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit das Leben und die Interessen der Angehörigen dieser Volksgruppe wider. Im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich gibt es sudetendeutsche Zusammenschlüsse, aber auch auf Generationsebene und im Bereich der Freizeitgestaltung.

In Baden-Württemberg gibt es heute 27 größere sudetendeutsche Vereinigungen, von denen viele noch Untergliederungen auf Orts- und Kreisebene haben.

Mehrere sudetendeutsche Zeitschriften werden in Baden-Württemberg herausgegeben, ebenso haben verschiedene sudetendeutsche Stiftungen, Institute und Gesellschaften ihren Sitz in diesem Lande.

Die Sudetendeutschen im Vergleich zur Einwohnerzahl verschiedener Staaten

Norwegen 4,1 Mio
Sudetendeutsche 3,8 Mio
Irland 3,3 Mio
Albanien 2,7 Mio
Luxemburg 0,36 Mio
Island 0,23 Mio

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