Samstag, 10. Dezember 2016


"Heimatvertriebene haben mit der Charta Weitsicht bewiesen"

Feierstunde zur Erinnerung an die "Charta der Heimatvertriebenen" in Stuttgart

(lifePR) (Stuttgart, ) Im Rahmen einer Feierstunde, erinnerte die Union der Vertriebenen und Flüchtlinge in der CDU und der Bund der Vertriebenen an die Unterzeichnung der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" am 5.August 1950 in Stuttgart. Dazu hatten sich zahlreiche Teilnehmer an der Gedenktafel vor dem Ehrenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart zusammengefunden, unter denen die Kreisvorsitzende der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge, Stadträtin Iris Ripsam, auch Vertreter aus der Politik wie die Landtagsabgeordneten Dr. Reinhard Löffler und Konrad Epple, sowie ihre Stuttgarter Stadtratskollegen, den CDU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Kotz und Prof. Dorit Loos, begrüßen konnte. Aber auch die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Nord, Sabine Mezger, Alt-Regionalrat Hans-Werner Carlhoff, Alt-Stadträtinen Bärbel Häring, Helga Vetter und zahlreiche Honorationen von den Vertriebenenverbänden wie die Vorsitzende des Deutschen Kulturverbandes Region Brünn, Hanna Zakhari, der SL-Landesobmann von Baden-Württemberg Klaus Hoffmann, der Sprecher der Südmährer, Franz Longin, die stellvertretende BdV- Landesvorsitzende, Andrea Krueger und der Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Stuttgart, Albert Reich, waren zur Feierstunde gekommen, um der Festrede des CDU-Fraktionsvorsitzenden im baden-württembergischen Landtag, Guido Wolf, in der von der Bläsergruppe Feuerbach musikalisch umrahmten Feier, beizuwohnen.

Bevor jedoch Guido Wolf den 65.Jahrestag der Unterzeichnung der "Charta der Heimatvertriebenen" würdigen konnte, machte die UdVF- Kreisvorsitzende Iris Ripsam in ihrer Begrüßungsrede zunächst auf das Schicksal der rund 60 Millionen Flüchtlinge aufmerksam, die derzeit weltweit auf der Flucht sind und die Aktualität von Flucht und Vertreibung sichtbar werden lassen. Die Kreisvorsitzende der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge in der CDU ließ Festredner Guido Wolf aber auch sogleich wissen, dass sich die Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg einen Gedenktag für die Opfer für Flucht, Vertreibung und Deportation wie es ihn in Bayern und Hessen gebe, wünschten und es in einer CDU-geführten Landesregierung wieder einen Beauftragten für Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler in Baden- Württemberg geben sollte.

Guido Wolf, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, unterstützte in seiner Festrede das Anliegen der UdVF, mit der alljährlichen Feier die Erinnerung an das schwere Schicksal der Vertreibung und die Verkündung der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" wachzuhalten. So sei am Ende des Zweiten Weltkrieges die Gewalt, die von Deutschland ausgegangen war, wieder auf Deutschland zurückgefallen und habe mit der Vertreibung der Deutschen zu einem Unrecht an wehrlosen Menschen geführt. Der CDU- Landtagsabgeordnete lobte in diesem Zusammenhang den Geist und die Weitsicht der Heimatvertriebenen, den sie bereits 1950 mit ihren Aussagen in der "Charta" getroffen hätten. So haben die Autoren der "Charta" mit ihrem Versprechen, auf Rache und Vergeltung zu verzichten um daran mitzuwirken die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, bereits wenige Jahre nach dem Verlust ihrer Heimat deutlich gemacht, dass sie aus der Geschichte gelernt hätten. Trotz mancher Vorurteile und Abgrenzungen, die die Heimatvertriebenen in einem zerstörten Deutschland von der dortigen Bevölkerung erfahren musste, haben die Menschen ihr Schicksal doch gemeistert und entscheidend am Wiederaufbau Deutschlands mitgewirkt. Dafür dankte Guido Wolf, schließlich sei auch die Erfolgsgeschichte Baden-Württembergs ohne das Engagement der Heimatvertriebenen nicht möglich gewesen. Der CDU-Politiker sieht in der vor 65 Jahren formulierten "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" aber auch deshalb ein wegweisendes Dokument, da sich die Heimatvertriebenen schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges für ein werteorientiertes Europa aussprachen. "Sie haben damals am Bau des neuen Hauses Europa entscheidend mitgewirkt", lobte der Christdemokrat Guido Wolf das europäische Engagement der Heimatvertriebenen, die sich von Anfang an für ein geeintes Europa, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können, stark gemacht hatten. Heute stehe Europa vor großen Umwälzungen und müsse die Frage diskutieren, welche Rolle die Nationalstaaten, die Religionen und die einzelnen Regionen auf dem alten Kontinent künftig spielen sollen. Auch benötige die Europäische Union sehr viel Kraft, um die gegenwärtige Flüchtlingswelle zu bewältigen und an der Lösung der Konflikte in den Nachbarländern Europas mitzuwirken, so der Christdemokrat weiter.

Guido Wolf, der auch Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl in Baden- Württemberg 2016 ist, sieht in der Heimatpflege eine wichtige Daueraufgabe im Land und wünscht sich dazu eine aktive Bürgergesellschaft, die wieder eine Kultur des "Ärmel hochkrempelns" in Baden- Württemberg entwickelt. Dazu versprach der CDU-Politiker den Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg, dass es bei einer CDU-geführten Landesregierung wieder einen Beauftragten für Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler in der Landesregierung von Baden- Württemberg geben werde.

Neben einem Grußwort der stellvertretenden Landesvorsitzenden des BdV Baden-Württemberg, Andrea Krueger, war es dann der Kreisvorsitzende des BdV Stuttgart, Albert Reich, der mit seinem Zeitzeugenbericht über die Verkündung der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" im Hof des zerstörten Neuen Schlosses in Stuttgart an die damalige Stimmung unter den Heimatvertriebenen erinnerte.
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Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesgruppe e. V

Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Wir vertreten die im Land Baden-Württemberg wohnenden Sudetendeutschen.

Die Nachfahren jener Deutschen, die vor mehr als 800 Jahren in den sogenannten "Böhmischen Ländern", nämlich in Böhmen, Mähren und dem südlichen Teil Schlesiens (diese Länder bilden heute die "Tschechische Republik") ansässig geworden sind, wurden in diesem Jahrhundert unter dem Sammelnamen "Sudetendeutsche" bekannt.

1945/46 wurden 3,2 Millionen von den insgesamt 3,5 Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben, ihr Eigentum wurde entschädigungslos konfisziert. Konfiskation und Vertreibung waren begleitet von blutigen Exzessen. Grundlage dieser gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßenden "ethnischen Säuberung" bildeten Dekrete, die vom damaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš erlassen worden waren und die heute noch gültig sind.

Rund 600 000 dieser vertriebenen Sudetendeutschen kamen nach Baden-Württemberg, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten und in das wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben eingegliedert wurden. Sie fanden sich in zahlreichen Vereinigungen zusammen, deren Grundlage ganz verschiedenartig war: Herkunftsgebiete, politische oder kulturelle Interessen, Freizeitgestaltung, berufliche Gemeinsamkeiten und manches mehr.

Jeder 15. Einwohner Baden-Württembergs ist Sudetendeutscher. Heute gibt es in Europa und Übersee insgesamt rund 3,8 Millionen Sudetendeutsche. Rund 600 000 von ihnen kamen im Zuge der Vertreibung aus ihrer Heimat nach dem 2.Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung trugen sie in der Nachkriegszeit zum Wiederaufbau des Landes bei. Durch ihre Stimmabgabe bei der Volksabstimmung 1952 waren sie wesentlich am Zustandekommen des "Südweststaates" beteiligt. Die für Baden-Württemberg kennzeichnende Ausgewogenheit zwischen großen Weltfirmen, Mittel- und Kleinbetrieben hat die wirtschaftliche Eingliederung der Sudetendeutschen und die Gründung neuer Werke und Fabriken durch sudetendeutsche Unternehmer in besonderem Maße erleichtert. Stellvertretend dafür seien genannt die Autofirma Porsche in Stuttgart, die Wiesenthal-Glashütte in Schwäbisch Gmünd, die Aluminium-Hütte Grohmann in Bisingen,die Maschinenfabrik Panhans in Sigmaringen, die Papierwerke Zechel in Reilingen,das Pharmawerk Merckle in Blaubeuren, dazu zahlreiche weitere mittlere und kleinere Betriebe.

27 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs übernahmen Patenschaften über sudetendeutsche Kreise, Gemeinden und Landschaften. Insgesamt 24 kulturelle sudetendeutsche Einrichtungen - wissenschaftliche Gesellschaften, Archive, Büchereien, Sammlungen, Heimatstuben - wurden durch eigene Kraft der Sudetendeutschen und mit Hilfe öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg aufgebaut.

Aus dem kulturellen Leben des Landes sind manche Namen von Sudetendeutschen nicht mehr wegzudenken, wie z. B. der Bildhauer Prof. Otto H. Hajek, die Tänzerin Birgit Keil, die Komponisten Karl-Michael Komma und Widmar Hader, der weltbekannte Posaunist Armin Rosin, die Dirigenten Wolfgang G. Hofmann und Emmerich Smola, die Malerin Traude Teodorescu-Klein oder der Dichter und Schriftsteller Josef Mühlberger - um nur einige wenige stellvertretend zu nennen.

Das Sudetenland im Vergleich zur Fläche einzelner deutscher Bundesländer

Bayern 70550 km2
Baden-Württemberg 35750 km2
Sudetenland 26500 km2
Hessen 21100 km2
Schleswig-Holstein 15700 km2
Saarland 2600 km2

Die kulturelle Verflechtung der Sudetendeutschen mit den übrigen deutschen Ländern und Landschaften ist seit Jahrhunderten eng und vielgestaltig.

Beispiele sind: Der schwäbische Baumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der im 14. Jahrhundert u. a. den Veitsdom in Prag erbaute, oder der aus dem Egerland kommende Barockbaumeister Balthasar Neumann, der nicht nur die Würzburger Residenz, sondern z. B. auch berühmte Treppenhäuser in Brühl und Bruchsal schuf. Auch andere Namen, herausgegriffen aus einer großen Zahl, beweisen den lebendigen Anteil, den die Deutschen aus den böhmischen Ländern am geistigen Leben des gesamten deutschen Volkes hatten und haben: Der Komponist Johann Wenzel Stamitz aus Deutsch-Brod beispielsweise, der später in Mannheim wirkte, Vinzenz Prießnitz und Johann Schroth, die großen Naturheiler, der Brünner Abt Gregor Mendel, dessen Vererbungslehre zur Grundlage moderner Genetik wurde, die Friedensnobelpreis-Trägerin Bertha von Suttner, die Dichter Rainer Maria Rilke, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, die Maler Alfred Kubin oder Ferdinand Staeger, aber auch die Bamberger Symphoniker, die nach der Vertreibung aus den "Prager Deutschen Philharmonikern" hervorgegangen waren, oder auch der Schriftsteller Otfried Preußler aus Reichenberg, dessen "Räuber Hotzenplotz" und "Kleine Hexe" heute Millionen Kinder und Erwachsene erfreuen.

Die Organisationen der Sudetendeutschen spiegeln in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit das Leben und die Interessen der Angehörigen dieser Volksgruppe wider. Im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich gibt es sudetendeutsche Zusammenschlüsse, aber auch auf Generationsebene und im Bereich der Freizeitgestaltung.

In Baden-Württemberg gibt es heute 27 größere sudetendeutsche Vereinigungen, von denen viele noch Untergliederungen auf Orts- und Kreisebene haben.

Mehrere sudetendeutsche Zeitschriften werden in Baden-Württemberg herausgegeben, ebenso haben verschiedene sudetendeutsche Stiftungen, Institute und Gesellschaften ihren Sitz in diesem Lande.

Die Sudetendeutschen im Vergleich zur Einwohnerzahl verschiedener Staaten

Norwegen 4,1 Mio
Sudetendeutsche 3,8 Mio
Irland 3,3 Mio
Albanien 2,7 Mio
Luxemburg 0,36 Mio
Island 0,23 Mio

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