Samstag, 03. Dezember 2016


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Brutergebnis 2012: 57 Storchenjunge erfolgreich aufgezogen

Jahresbericht des Beauftragten für die Weißstörche in der Region Hannover

(lifePR) (Hannover, ) "Um den Weißstorch ist es in der Region Hannover nicht schlecht bestellt, auch wenn in diesem Jahr mit insgesamt 57 Jungen zehn Jungstörche weniger als 2011 ausgeflogen sind." - Zu diesem Resultat kommt der Naturschutzbeauftragte für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover, Dr. Reinhard Löhmer, in seiner Bilanz des Storchenjahres 2012: "Mit 1,73 Jungen pro Paar ist ein durchschnittlicher Bruterfolg erzielt worden. Ein besseres Ergebnis hat der relativ kühle und nasse Sommer nicht zugelassen", so die Erklärung des Experten.

Der langjährige Mittelwert für den Storchennachwuchs in der Region Hannover liegt bei 1,8 Jungen pro Paar. Den "Vogel abgeschossen" hat diesem das Bokeloher Storchenpaar mit 5 Jungen - Regionsrekord!

Abschlussbericht des Naturschutzbeauftragten für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover (Stand: 15.August 2012)

Weißstörche in der Region Hannover im Jahre 2012

Vorbemerkung

Die Jungstörche haben jetzt ihre ersten Erkundungsflüge absolviert. Einige von ihnen haben sogar schon vor vier Wochen ihre Nester verlassen, andere waren erst Anfang August so weit. Es herrscht Aufbruchstimmung bei den Störchen. Sie sammeln und formieren sich zu größeren Trupps, um in Richtung Winterquartiere zu starten, so dass jetzt ein Resümee der Brutsaison 2012 gezogen werden kann.

Rückkehr der Störche und Horstbesetzung

Überwinterung

Im vergangenen Winter hat nur das Bokeloher Brutpaar vor Ort überwintert und vor allem bei Frost und Schnee auf den Kolenfelder Mülldeponie nach Nahrung gesucht.

Westziehende Störche

Viele "Westzieher" fliegen heute nicht mehr über Gibraltar hinaus nach Westafrika sondern überwintern in Südspanien oder auch schon im südfranzösischen Raum. Diese Störche kommen wegen der geringeren Distanz Winterquartier - Brutort früher zurück. In diesem Jahr sind die ersten Störche Ende Februar eingetroffen ( 1. Storch am 26.02.12 in Immensen und am 27.02.12 in Wulfelade ). Einen sehr starken Einflug gab es dann zwischen dem 04. und 09.März. Bis Mitte März war die Hälfte der Nester von Westziehern besetzt.

Ostziehende Störche

Die Rückkehr der "Ostzieher", deren Zugweg über den Bosporus und den Vorderen Orient ins östliche Afrika führt, erfolgte ab der letzten Märzdekade und zog sich bis Anfang Mai hin ( Eintreffen der letzten Brutvögel am 02.05.12 in Welze und am 06.05.12 in Dudensen).

Bis Mitte Mai waren 33 Nester mit Paaren besetzt - nochmals drei Paare mehr als 2011

Der weiterhin positive Trend im Bestand geht auf neue Entwicklungen bei den Westziehern zurück. Die Zahl der Ostzieher stagniert oder ist z.B. in Mecklenburg sogar rückläufig. Der Zuwachs basiert wohl im Wesentlichen auf den geringeren Verlusten der Westzieher auf dem Zug und in den Winterquartieren. Es fällt aber auch auf, dass immer mehr junge Störche, die früher bis zum 3./5. Lebensjahr in Afrika oder dem Mittelmeerraum übersommert haben, heute schon als Zweijährige bei uns auftauchen. Nicht wenige von ihnen brüten sogar, andere bilden sogenannte "Verlobungspaare", wieder andere ziehen in Trupps herum oder werden als Störstörche "auffällig".

Die Entwicklung ist nicht auf Verbesserungen im heimischen Lebensraum zurückzuführen. Die für den Storch so wichtigen (Nass-)Grünlandflächen sind bei der aktuellen Landnutzung nach wie vor eher rückläufig.

Neugründungen gab es in Altenhorst, Basse und Dudensen. Die Neuanfänge von 2011 in Steinhude, Frielingen, und Steinwedel haben eine Fortsetzung erfahren. Nach 14-jähriger Pause gab es wieder eine Brut in Welze und auch in Obershagen wurde erstmals nach 1999 erfolgreich gebrütet.

In Isernhagen HB, in Wulfshorst im Hastbruch, in Dollbergen, Hülptingsen, Lohnde und in Negenborn haben sich Störche zwar mehr oder weniger lange auf den Nestern aufgehalten, sie haben aber keine Brutversuche unternommen.

Brutverlauf

Die früh heimkehrenden Westzieher haben teilweise schon Ende März/Anfang April mit der Brut begonnen. Entsprechend früh sind dort nach 30 bis 32 Tagen Ende April/Anfang Mai die ersten Jungen geschlüpft (Schloß Ricklingen, Luthe, Bokeloh, Idensen, Wulfelade) - zu einem Zeitpunkt, wo in anderen Nestern gerade erst Eier gelegt worden sind oder die Familiengründung vollzogen wurde.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine Störchin um die 4 Eier legt. Der Bruterfolg eines Jahres hängt dann ab vom Nahrungsangebot, der Witterung und der Bruterfahrung der Eltern.

Nahrungsengpässe hat es in diesem Jahr nicht gegeben. Das zeigen u.a. die sehr guten Brutergebnisse in Bokeloh ( 5 Junge sind der Regionsrekord! ) oder die Vierer-Bruten in Schloß Ricklingen, Luthe und Idensen - alles früh brütende Paare, deren Junge bereits Ende April/Anfang Mai geschlüpft waren.

Weniger günstig war für die exponiert sitzenden Nesthocker das Wetter. Bei den später geschlüpften Jungen haben vor allem die Eisheiligen und die Schafskälte verbunden mit Dauernässe und (Nacht-) Temperaturen unter +10° C ihren Tribut gefordert. Die Jungenzahlen sind durch die Witterung drastisch reduziert worden. Kranke oder kümmernde Junge werden in der Regel abgeworfen.

In 6 Nestern gab es immerhin noch 3 Junge, in 8 Nestern nur 2 Junge und in 6 Nestern nur 1 Jungstorch. 9 Brutversuche blieben ohne Erfolg (27 % aller Bruten).

Auffällig waren die relativ häufigen Auseinandersetzungen um die Nester. In Burgdorf, Hänigsen und Meitze sind die Gelege bzw. alle Jungen solchen Horstkämpfen zum Opfer gefallen.

Insgesamt sind 57 Junge ausgeflogen - 10 weniger als im Vorjahr.

Mit 1,73 Jungen pro Paar ist ein durchschnittlicher Bruterfolg erzielt worden. Ein besseres Ergebnis hat der relativ kühle und nasse Sommer nicht zugelassen.

Ausblick

Um den Weißstorch ist es in der Region Hannover nicht schlecht bestellt.

Die Anzahl der besetzten Nester hat den Bestand der 1950-iger Jahre erreicht. 1958 gab es zum Beispiel nur 30 Brutpaare im Gebiet der heutigen Region Hannover.

Positiv für die Population sind auch die vielen Nichtbrüter zu bewerten, die sich den ganzen Sommer über in größeren und kleineren Gruppen in der Region aufgehalten haben. Bei ihnen handelt es vornehmlich um jüngere Vögel, die sich in den kommenden Jahren in den Brutbestand eingliedern werden. Hinzu kommt, dass der aktuelle Aufwärtstrend auch in den Nachbarkreisen Minden-Lübbecke oder Nienburg zu beobachten ist.

Bis Mitte August werden die Jungstörche gemeinsam mit den erfolglos gebliebenen Brutvögeln und den Nichtbrütern die Region verlassen haben. Die älteren, zugerfahrenen Vögel werden dann bestimmen, in welche Richtung es gehen wird - entweder nach Westen in Richtung Gibraltar oder nach Osten in Richtung Bosporus.

Die Eltern werden noch einige Zeit vor Ort verbleiben. Sie müssen sich von den Strapazen der Aufzucht erholen und Kräfte sammeln für den eigenen Zug. Sie werden getrennte Wege gehen, denn Störche führen keine Dauerbeziehung wie etwa Gänse oder die Kraniche. Sie sind allerdings sehr orts-/ horsttreu, so dass mit ihnen im kommenden Jahr wieder gerechnet werden kann - vorausgesetzt sie überleben den strapaziösen Zug und die Gefahren im Winterquartier.
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