Dienstag, 06. Dezember 2016


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51 Nester waren von Storchenpaaren bezogen - 102 Junge flügge

Jahresbericht des Beauftragten für die Weißstörche in der Region Hannover

(lifePR) (Hannover, ) Deutlich mehr Storchenpaar, deutlich mehr Junge: Dr. Reinhard Löhmer: "Es ist ein gutes Jahr für Adebar geworden", stellt der Naturschutzbeauftragter für die Weißstorchbetreuung der Region Hannover fest. Jetzt hat er seinen Abschlussbericht für 2015 vorgelegt. Das Ergebnis: "Der positive Trend hält mit einer ungewöhnlichen Dynamik an. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Bestand in der Region Hannover mehr als verdoppelt."

Waren 2010 noch 24 Nester besetzt, so waren es in diesem Jahr 51 - sechs mehr als im vergangenen Jahr. Noch deutlicher sind die Zahlen bei den Jungstörchen. Nur zehn Paare, also knapp 20 Prozent, hatten keine ausfliegenden Jungen. 102 Jungen sind flügge geworden, fast  doppelt so viele wie 2014, als 56 Jungstörche den Zug in andere Gefilde antreten konnten. Damals blieben 40 Prozent der Storchenpaare ohne Nachwuchs.

Trotz der positiven Bilanz mahnt Dr. Löhmer, weiter auf den Erhalt eines ökologisch intakten Lebensraums für die Weißstörche zu achten. In diesem Jahr habe eine Massenvermehrung bei den Mäusen, vor allem bei den Feldmäusen für einen üppig gedeckten Tisch gesorgt. Das werde aber nicht in jedem Jahr der Fall sein. "Um die Brutpopulation auf dem  gegenwärtigen Niveau zu halten. Bedarf es weiterer Anstrengungen bei der ökologischen Entwicklung des Lebensraums", sagt der Naturschutzbeauftragte für die Weißstorchbetreuung.

Abschlussbericht des Naturschutzbeauftragten für die Weißstorchbetreuung in der  Region Hannover (Stand: 26. Juli 2015)

Weißstörche in der Region Hannover im Jahre 2015

Vorbemerkung

Die jahrgangsältesten Jungstörche, die bereits Ende April geschlüpft waren und Anfang Juli ihre Nester erstmals verlassen hatten, haben sich bereits zu Trupps zusammen geschlossen und vagabundieren in immer größerer Zahl im norddeutschen Brutgebiet herum. Die Familienbande zu den Eltern, aber auch zu den Geschwistern sind bereits gelöst. Nun orientieren sie sich an Artgenossen, mit denen sie dann gemeinsam gen Süden ziehen werden.

Während die älteren Jungen schon allein zu recht kommen, gibt es noch die anderen, die bis zu sechs Wochen später geschlüpft sind. Diese sind gerade dabei sind, ihre Nester erstmals zu verlassen. Sie brauchen noch ein zwei- bis dreiwöchiges Training unter Aufsicht der Eltern, um ihre Flugfähigkeit und auch die Verhaltensweisen der Nahrungssuche zu vervollkommnen.

Diese Jungstörche werden bis Mitte August soweit sein, dass sie zum Flug nach Süden aufbrechen können. Nachzügler wie in den Vorjahren gibt es nicht.

Die Eltern verbleiben noch am Brutort. Sie müssen sich von den Strapazen der Aufzucht erholen, bevor dann Anfang/Mitte September auch sie unseren Raum in Richtung Winterquartiere verlassen. Zurück bleibt sicher das Brutpaar in Bokleloh, das schon seit Jahren nicht mehr weg zieht. Vielleicht bleibt auch das Grasdorfer Paar wieder zurück. Dort ist die nunmehr 17 Jahre alte Störchin, die seit 2004 in Grasdorf brütet und immer artgemäß gezogen ist, im vergangenen Winter erstmals mit ihrem Partner vor Ort geblieben. Bei dem milden Winter hatten beide keinerlei Probleme. Ob sie das Überwintern wiederholen und ob noch weitere Störche zurück bleiben werden, wird sich zeigen.

Rückkehr der Störche und Horstbesetzung

Die Mehrzahl der "Westzieher" fliegt heute nicht mehr über Gibraltar hinaus nach Westafrika sondern überwintert in Südspanien oder auch schon im südfranzösischen Raum. Diese Störche kommen wegen der geringeren Distanz zum Brutort früher zurück. Weil es keinen wirklichen Winter gab, sind viele Störche schon im Februar eingetroffen. Anfang März waren viele Westzieher bereits fest verpaart und haben dann schon in der letzten März-Dekade Eier gelegt.

Die Rückkehr der "Ostzieher", deren Zugweg über den Bosporus und den Vorderen Orient ins östliche Afrika führt, erfolgte in diesem Jahr ab der letzten Märzdekade und zog sich bis Anfang Mai hin.

Insgesamt sind 51 Nester von Paaren bezogen worden  - nochmals 6 Paare mehr als im Vorjahr.

Der positive Trend hält mit einer ungewöhnlichen Dynamik an. Iin der vergangenen fünf  Jahren hat sich der Bestand in der Region mehr als verdoppelt ( 2010 =  24 Brutpaare )!

2015 gab es Neugründungen bzw. Erstbruten in:

Burgwedel - Fuhrberg,  Hannover - Stöcken,  Langenhagen - Engelbostel,  Neustadt - Scharrel, Wunstorf - Großenheidorn.

Der erfreuliche Zuwachs an Brutpaaren überrascht, weil sich im heimischen Kulturland der "storchfähige" Lebensraum nicht wirklich verbessert hat. Die Zunahme entspricht nach wie vor dem Trend in der westziehenden Population insgesamt. Die ost-ziehende Population stagniert hingegen oder ist gebietsweise sogar rückläufig.

Die Entwicklung bei den Westziehern ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Neben unbekannten populationsdynamischen Prozessen, gibt es offensichtlich weniger Verluste im Winterquartier bzw. auf den kürzer gewordenen Zugwegen, wodurch die Individuenzahl steigt. Zum anderen sind aber auch Änderungen in den biologischen Abläufen der Art zu beobachten wie z.B. die Verlagerung der Sommeraufenthaltsräume nach Norden. Noch vor 15 Jahren galt, dass jüngere Störche im Sommer im afrikanischen oder mediterranen Raum verbleiben. Sie kamen erst mit Eintritt der Geschlechtsreife im 3. bis 5. Lebensjahr in ihre Geburtsgebiete zurück. Heute tauchen sie bereits als Zweijährige auf. Einige treiben sich in Trupps herum oder brüten auch schon, andere bilden sogenannte "Verlobungspaare". Solche Störche besetzen ein Nest, legen aber noch keine Eier. Wenn sie überleben, ist aufgrund ihrer Ortstreue zu erwarten, dass sie im Folgejahr zurückkommen und dann brüten - so geschehen in diesem Jahr in Engelbostel, Stöcken und Scharrel.

Brutverlauf

Wenn sich die Horstbesetzung von Februar bis in den Mai erstreckt, dann kommt es immer wieder vor, dass Neuankömmlinge versuchen, schon brütende Paare zu vertreiben. Noch freie Nistplätze interessieren häufig nicht. Wenn es bei den z.T. sehr heftigen Kämpfen einem Angreifer gelingt, auf dem Nest zu landen, so ist seine erste Handlung, Eier oder Junge heraus zu werfen. So ein Kampf mit Paarwechsel und Gelegeverlust war Anfang April in Bordenau zu beobachten gewesen.   

Grundsätzlich entscheiden über den Bruterfolg das saisonale Futterangebot, die Witterung und vor allem auch die biologische Fitness ( Bruterfahrung ) der Eltern.

Das Wetter war im Mai und bis Mitte Juni sehr kühl und über weite Strecken auch zu trocken. Die problematische Kombination von Dauerregen und Kälte gab es in diesem Jahr aber zum Glück nicht. Noch in den vergangenen beiden Jahren hatten viele Jungstörche die Nässe und Kälte Ende Mai und Mitte Juni nicht überlebt.

Die kühle Witterung hat die Entwicklung der (Groß-)Insekten gehemmt und die Trockenheit hat die Verfügbarkeit des Regenwurms eingeschränkt - beides wichtige Elemente in der Ernährung der Störche. Dafür hat es aber eine Massenvermehrung bei den Mäusen, vor allem bei der Feldmaus gegeben, so dass Nahrungsengpässe mehr als kompensiert werden konnten. Gute Mäusejahre garantieren in aller Regel auch beim Weißstorch einen guten Bruterfolg.

In Fuhrberg, Stöcken und Großenheidorn sind die Neugründungen ohne Bruterfolg geblieben. Völlig geklärt sind die Umstände der Brutaufgabe nicht. Sehr wahrscheinlich haben sich aber hier junge, brut-unerfahrene Störche versucht und sind gescheitert.

Es ist ein gutes Jahr für Adebar in der Region Hannover geworden:

  • es gibt  nur 10 Paare ohne ausfliegende Junge ( 19,6 % )
  • es sind 102 Junge flügge geworden - fast doppelt so viele wie  im Vorjahr ( 56 Junge )              
5  Junge und damit Spitzenreiter in der Region ist das Paar in Grasdorf. 4 Junge gab es an der Leine in in Wülfel, Luthe, Blumenau und Esperke sowie in Immensen.
  • bezogen auf alle 51 Nester sind 2,0 Junge pro Paar aufgewachsen
das ist ein Wert, der deutlich über dem langjährigen Mittel von 1,8 liegt.

Ausblick

Um den Weißstorch ist es in der Region Hannover sehr gut bestellt.

Mit nunmehr 51 Paaren nähert sich der Brutbestand der Zahl von 1934, als bei der ersten landesweiten Erfassung 55 Paare gezählt worden sind.

Um die Brutpopulation auf gegenwärtigem Niveau zu halten, bedarf es allerdings weitere Anstrengungen beim Erhalt und der ökologischen Entwicklung des Lebensraumes. Nicht jedes Jahr wird die Feldmaus vorhandene Defizite im Nahrungsangebot kompensieren!

Liste der besetzten Nester mit Bruterfolg (ausgeflogene Junge )

Burgdorf        
- Burgdorf (2) / Dachtmissen (3)

Burgwedel    
- Fuhrberg (0) / Wulfshorst (0)

Garbsen        
- Frielingen-Süd (1)
- Frielingen-Nord (2)
- Schloß Ricklingen (3)
- Stelingen (1)

Hannover      
- Stöcken (0) / Wülfel (4)

Hemmingen
- Wilkenburg (2)

Isernhagen
- Kircher Bauernschaft (1)

Laatzen
- Alt Laatzen (2) / Grasdorf (5)

Langenhagen
- Altenhorst  (2)
- Engelbostel (2)
- Kananohe (2)
- Schulenburg (3)

Lehrte
- Arpke (3)
- Immensen (4)
- Steinwedel (2)

Neustadt
- Amedorf (1)
- Basse (3)
- Bordenau (1)
- Brase (2)
- Dudensen (2)
- Esperke (4)
- Helstorf (3)
- Laderholz (3)
- Mecklenhorst (3)
- Neustadt (0)
- Niedernstöcken (3)
- Scharrel (2)
- Stöckendrebber (0)
- Suttorf (2)
- Welze  (2)
- Wulfelade (0)

Seelze
- Lohnde (2)

Uetze
- Dedenhausen (3)
- Hänigsen (2)
- Obershagen (2)
- Uetze (0)

Wedemark
- Brelingen  (0)
- Meitze (3)
- Negenborn (2)

Wunstorf
- Blumenau (4)
- Bokeloh (0)
- Großenheidorn(0)
- Idensen (3)
- Luthe (4)
- Steinhude (2)

Weitere Informationen:
Dr. Reinhard Löhmer, Naturschutzbeauftragter für die Weißstorchbetreuung der Region Hannover, Klohestraße 13, 30519 Hannover, Telefon (0511) 834696
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