Donnerstag, 08. Dezember 2016


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Grindwale und ihr enges soziales Gefüge

(lifePR) (Aichach, ) In den Gewässern um die Kanarischen Inseln sind die Pilotwale (Globicephala macrorhynchus)oder auch Indische Grindwale genannt, zu Hause.

Zwischen den Inseln Teneriffa und La Gomera schwimmen sie regelmäßig hin und her, sind meist auf 1000m Wassertiefe anzutreffen, wo sie ihre Lieblingsnahrung - Kalmare und Tintenfische - jagen. Auf Whale Watching Ausfahrten werden diese besonderen und majestätischen Meeressäuger regelmäßig von den Gästen bestaunt. Sie sind leicht zu finden, denn tagsüber schlafen sie direkt an der Wasseroberfläche und da die Meeressäuger hier permanent leben, sind sie auch bestens erforscht und identifiziert.

Wenige Male konnten wir Außergewöhnliches beobachten: Etwas wird im Schnabel eines Grindwales beim Schwimmen mitgeschleppt. Erst beim Näherkommen erkannten wir von unserem Boot aus, um was es sich handelt: Es ist ein totes Junges. Tagelang wird es von der Pilotwalmutter mit herumgetragen und immer wieder versucht sie ihr totes Junges an die Wasseroberfläche zu bringen, damit es atmet. Vermutlich beklagt sie den Verlust ihres Kalbes auf diese Art und Weise, was auf ein enges, soziales Netz in ihrer Familie schließen lässt. Die Kälber bleiben bis zu drei Jahren bei der Mutter. Grindwale sind für ihr starkes Beistandsverhalten bekannt. Auch stranden in anderen Gebieten der Welt Grindwale oft in großen Gruppen, eben auf Grund ihres engen sozialen Gefüges.

Matriachate

sind Teil dieser Verbundenheit, innerhalb des Clans auf den Kanarischen Inseln, wo eine von drei residenten Pilotwalgruppen dieses blauen Planeten lebt. Eine ihrer Anführerinnen wird in einer Dokumentation von Aquawork productions " Isora" genannt, ein älteres Weibchen - die Matriarchin und Chefin einer großen Schule. Sie führt die Gruppen an. Genau wie bei den Schwertwalen und Pottwalen geben die älteren Weibchen den Ton an. Sie gebären nach ungefähr 40 Jahren Lebenszeit keine Kälber mehr, doch, unter guten Bedingungen, leben die reifen Damen noch 20 - 30 Jahre. Dann wird ihnen die Aufgabe zu teil, junge Mütter zu unterstützen sowie ihre Erfahrungen und Geheimnisse an die nachfolgenden Generationen zum (Über)Leben der Gruppe weiterzugeben.

Geparden der Tiefe

werden sie genannt, erklärt Meeresbiologe Volker Boehlke während einer Ozeanischen Woche Intensiv auf La Gomera (www.oceano-meerzeit.com). Mittlerweile weiß man auch, was die Tiere des Nachts machen. Dann gehen diese Hochleistungssportler auf Jagd nach Kalmaren, die dann ihrerseits der Meeresoberfläche näher kommen und fressen.

Grindwale sind meist in Tauchtiefen um die 600/700 m unterwegs und sind dabei zeitweise so schnell wie kein anderer Wal unter Wasser unterwegs. Tauchprofile zeichneten auf, dass die Anfangsgeschwindigkeit eines Tauchgangs bei 2 m pro Sekunde liegt. Wenn ein Grindwal, allerdings seine Beute geortet hat, kann er mit bis 7m pro Sekunde auf diese zu- schnellen.

Tagsüber ruhen sie sich von ihrem nächtlichen Extremsport aus - Momente, in denen wir die Meeressäuger mit dem Boot des Öfteren antreffen und uns an ihrem Anblick erfreuen.

Auch an anderen Orten in Europa kann man diesen besonderen Meeressäugern begegnen, z.B. in der Straße von Gibraltar. Hier haben die sozialen Wale mit dem zunehmenden Schiffsverkehr in einer hoch frequentierten Schifffahrtsstraße zu tun. Dadurch wird es immer lauter unter Wasser und es besteht das Risiko der Kollision mit diesen Schiffen.

Mehr Schafe als Menschen

gibt es auf den Färöer Inseln, die zu Dänemark gehören, aber nicht Teil der EU ist. Hier auf den Färöer Inseln gibt es allerdings einen anderen Grund, warum die Grindwale (Globicephala melas) so bekannt sind. Auf diesen abgelegenen 18 Inseln , wo man nie weiter als 5km vom Meer entfernt ist und es mehr doppelt so viele Schafe als Menschen gibt, werden ganze Schulen von Grindwalen abgeschlachtet (ca. 800 Tiere pro Jahr). In früheren Zeiten war die Bevölkerung auf das Walfleisch als Nahrungsquelle angewiesen. Heutzutage wird diese nicht kommerzielle Jagd aufrechterhalten, auch wenn es die Empfehlung gibt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als 250 g Walfleisch pro Monat zu essen (vom Blubber, der Fettschicht maximal 50g) und schwangeren Frauen schon lange von dem Verzehr des schwermetallbelasteten (sowie PCBs) Fleisches abgeraten wird.

Natürlich stellt sich immer wieder die Frage, was ist der Unterschied ein Stück Rind zu essen oder eben ein Stück Walfleisch, wenn man dann überhaupt noch Fleisch isst. Sicher ist, dass das Fleisch der Wale, die am Ende der Nahrungskette stehen, deutlich belasteter ist als das von Rindern.

Darauf weist auch Marna Olsen von den Färöer Inseln hin, die uns vor kurzem auf der Insel La Gomera besuchte und einer Einladung des M.E.E.R. e.V. (www.m-e-e-r.de) folgte an einem der verhaltensbiologischen Kurse auf der zweitkleinsten Kanareninsel teilzunehmen. Sie räumt mit einigen Missverständnissen auf: Denn die Jagd auf die Meeresssäuger ist weder kommerziell noch ein Ritual für werdende Männer. Weiterhin ist es kein Festival, denn die Tiere werden ganzjährig, wann immer sie sichtet werden, geschlachtet. Sobald eine Schule von Grindwalen in Inselnähe schwimmt , breitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer aus und die Boote machen sich ans Werk und treiben die Tiere in eine der 23 autorisierten Walfangbuchten, wo sie dann getötet werden. So ein Blutbad ist auf jeden Fall nichts für schwache Nerven.

Einmal in die Bucht getrieben, stranden die Wale und ein Haken wird in ihr Blasloch befestigt und damit werden sie an Land gezogen, um dann mit der "Spinal lance" "schnell" in wenigen Sekunden getötet zu werden. Für eine ganze Gruppe brauchen die Fischer meist nicht länger als 10 Minuten.

Doch so richtig hält die Jagd einer tierrechtlichen Grausamkeitsprüfung nicht unbedingt stand: Man kann davon ausgehen, dass die Grindwale panisch und ängstlich werden in dem Moment, wo der "drive" beginnt. Es werden Kälber, Jungtiere und schwangere Weibchen geschlachtet, eben immer eine ganze Gruppe. Unvermeidlich, dass Kälber Zeugen des Todes ihrer Mutter und umgekehrt sind. Es liegt die Vermutung nahe, dass es auch nicht immer mit dem schnellen Tod klappt, so dass unnötiges Leid erzeugt wird.

Nicht leicht tut sich Marna Olsen auf den Inseln, wo "prowhaling" die Norm ist (http://www.whaling.fo/) und als moderner, retroromantischer Lebensstil angepriesen wird, ihre sanfte Stimme zu erheben:

Eine Stimme für die Grindwale

Mit ihrer ansprechenden und interessanten Website möchte sie einen Gegenpol schaffen zu der selbstverständlichen Jagd auf diese sozialen und intelligenten Tiere: www.grindabod.fo Allein schon wegen der wunderschönen und besonderen Fotos von Grindwalen lohnt es sich auf der englisch sprachigen Seite vorbei zu schauen.

Man kann sich nur selbst eine Meinung bilden: Wo fängt Menschlichkeit im Tierschutz an und wo hört sie auf?

Ich bin froh, in dem Gespräch mit Marna Informationen aus erster Hand erhalten zu haben und kann nun nachvollziehen, warum die stolzen Färöer so handeln wie sie handeln (auch, wenn ich nicht ihrer Meinung bin) und finde es stark von der zarten Frau, den Mut zu haben, Aufmerksamkeit auf ein unliebsames Thema zu richten, das unbequemen Fragen nicht unbedingt stand hält und für das es sicher keine Auszeichnung für ethisch wertvolles Handeln gibt.

Schutz des Ökosystems Meer

Weiterhin sind Wale für das komplexe Ökosystem (u.a. durch ihre eisenhaltigen Kotabsonderungen) selbst über den Tod hinaus unglaublich wichtig. Seine letzte Rolle spielt der auf den Meeresgrund sinkende Kadaver: Unzählige Kleinstlebewesen warten in der Tiefe auf die Überreste toter und verwesender Tiere. Ihr Überleben hängt davon ab, was in Richtung Meeresboden sinkt. In einigen Gebieten der Erde - wie zum Beispiel in der Antarktis - kommt dort nicht mehr viel an. Bevor Wale eines natürlichen Todes sterben konnten, hat die menschliche Jagd auf die Giganten der Meere diese Tiere zumindest in den antarktischen Gewässern an den Rand der Ausrottung gebracht.

Als ich am nächsten Tag die indischen Grindwale vor La Gomera in der Nähe unseres Bootes (www.oceano-gomera.com) mit begeisterten Gästen erleben darf - ein Kalb inspiziert unser Boot ausführlich, bis es dann von der Mutter im wahrsten Sinne des Wortes zurück gepfiffen wird - bin ich froh, dass diese Wale wenigstens hier vom Thema Walfang verschont sind.

Mehr und mehr wird mir die Rolle der Meeressäuger bewusst, je mehr Menschen sie in ihren Bann ziehen, umso mehr Menschen setzen sich mit dem Ökosystem MEER auseinander, das unsere Achtsamkeit und Schutz in vielerlei Hinsicht braucht. Wegen der Meeressäuger! Und gleichzeitig für uns! Vor allem unseres Klimas wegen. Das ist überlebens-notwendig für uns und leider nicht mehr optional.

www.oceano-meerzeit.com
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