Sonntag, 11. Dezember 2016


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Zweitklässler der Grundschule Edertal richten Kinderstube für künftige Baumriesen im Nationalpark ein

(lifePR) (Bad Wildungen, ) In der vorletzten Märzwoche besuchten 21 Zweitklässler der Grundschule Edertal bereits zum wiederholten Male den Nationalpark Kellerwald-Edersee. Direkt vor Ort konnten die Schüler sich tatkräftig für künftige Baumkinder einbringen. Das Projekt entstand im Rahmen der seit 5 Jahren bestehenden Kooperation zwischen dem Nationalparkamt und der Grundschule Edertal.

Die Zweitklässler der Grundschule Edertal besuchten mit ihrer Lehrerin Gunhild Stein den Nationalpark. Gemeinsam mit Nationalparkförsterin Mareike Schulze, Ranger Jörg Backhaus und Kerstin Schäfer, die derzeit ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Schutzgebietsverwaltung absolviert. säten die Schüler Bucheckern aus.

Für die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse war der Weg in das Reich der urigen Buchen nicht neu. Bereits im Herbst 2009 besuchten sie den Nationalpark. Damals sammelten sie die kleinen Buchenfrüchte, und erfuhren neben spannenden Details zum Nationalpark, auf welche Reise die von ihnen gesammelten Bucheckern zur Überwinterung gehen würden, damit im Frühjahr möglichst viele Samen keimen können.

Im März lernte die Klasse vor allem etwas über Prozesse in der Natur. "Mich begeistert immer, mit wie viel Akribie und Erstaunen die Kinder kleinste Dinge im Boden, auf dem Boden oder an einer Baumrinde entdecken und mit welcher Wissbegier sie die gefundenen Schätze kennen lernen wollen", so Mareike Schulze.

Die Klasse erfuhr, dass sich der wilder werdende Kellerwald in bestimmten Bereichen vollkommen frei von menschlichen Eingriffen entwickeln soll. In wenigen Randbereichen, den sog. Entwicklungszonen, stehen die Nationalparkmitarbeiter der Natur noch für wenige Jahre unterstützend zur Seite. Sie entfernen z.B. fremdländische Baumarten wie die Douglasie, deren Baumkinder schneller als die heimischen Buchensprösslinge wachsen und somit die Buche verdrängen. Die Zweitklässler der Grundschule Edertal halfen nun durch das Ausbringen der Buchensamen tatkräftig mit, den heranwachsenden Buchenkindern einen kleinen Vorsprung vor der Douglasien-Naturverjüngung zu verschaffen.

"Oh, schade, ist die Zeit schon 'rum? Können wir nicht länger bleiben?", waren die meistgestellten Fragen der Zweitklässler zum Ende der Aktion. Ein schöneres Feedback konnten die Nationalparkmitarbeiter Mareike Schulze, Jörg Backhaus und Kerstin Schäfer nicht bekommen. Gunhild Stein war ebenfalls begeistert:"Wir kommen immer gerne in den Nationalpark und hoffen, noch viele weitere Male den Wald besuchen zu können. Dann können wir schauen, wie groß unsere künftigen Baumriesen schon geworden sind ist."

Hintergrund "Bildungsarbeit für nachhaltige Entwicklung":

Sowohl das Nationalparkamt als auch die Grundschule Edertal streben eine langfristige Patenschaft einer kleinen Fläche im Nationalpark an. Die Zweitklässler haben den Anfang gemacht und Bucheckern aufgelesen und gesät. Die Schüler haben so die Möglichkeit, alle Entwicklungsschritte eines werdenden Baumes mitzuerleben. Sie können ihre Patenfläche immer besuchen und dort beobachten, wie kleine Buchenkeimlinge wachsen und mit der Zeit zu großen Bäumen werden. Einige Samen werden vielleicht nicht keimen. Woran kann das liegen? Und welche anderen Bäume, Sträucher und Pflanzen werden sich im Laufe der Jahre auf der Fläche ansiedeln? Spannende Fragen, auf die die Jungforscher durch regelmäßige Stippvisiten und offene Augen Antworten finden können.

Neugierde und Interesse für die Natur und die in ihr stattfindenden Entwicklungsprozesse und Zusammenhänge zu wecken, ist ein Bestandteil der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dieser pädagogische Aspekt ist sowohl der Schulleiterin Birgit Kessler-Vogel als auch Jutta Seuring, im Nationalpark zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung und Erholung sehr wichtig.

"Wir können nur das wertschätzen und pflegen, was wir auch kennen. In der Einbindung in die Prozesse liegt deshalb eine große Chance. Wir sind glücklich, dass wir diese Chance für unsere Schülerinnen und Schüler, die ja die nächste Generation darstellen, durch unsere Kooperation mit dem Nationalparkamt erhalten.", so Birgit Kessler-Vogel.

Künftig sollen auch den übrigen Partnerschulen des Nationalparks aus Frankenau, Vöhl und Herzhausen ähnliche langfristige Projekte mit Patenschaftsflächen angeboten werden.

Hintergrund Management im Nationalpark:

Der Nationalpark ist in verschiedene Zonen unterteilt. Es gibt die sogenannten "Naturzonen", in denen der Mensch nicht mehr eingreift und die Natur Natur sein darf. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee sind dies nahezu 90% der Gesamtfläche! In den sog. "Entwicklungszonen" unterstützt der Mensch durch "kleine Hilfestellungen" die Entwicklungsprozesse der Natur, um sie kurz- und mittelfristig in Naturzonen zu überführen.

Die Buchecker-Sammel-Aktion und das spätere Ausbringen der Samen auf die Patenschaftsfläche finden daher auch nur in einer Entwicklungszone des Nationalparks Kellerwald-Edersee statt.

Anlass für diesen Projekttag war eine Waldfläche, auf der in diesem Jahr vom Borkenkäfer frisch befallene Fichten entnommen wurden. Diese Waldschutzmaßname wurde durchgeführt, um die an den Nationalpark angrenzenden Fichtenwälder vor einem möglichen Schaden durch ausfliegende Käfer zu bewahren.

Auf besagter Fläche sollen möglichst bald wieder Bäume stehen. Die Natur verfügt über beeindruckende Kräfte, sich selbst zu regenerieren. Sie ist daher bei geringfügigen Störungen eines ausgeglichenen Ökosystems nicht auf den Menschen angewiesen. Unterstützende Maßnahmen können allerdings bestimmte Entwicklungsprozesse etwas beschleunigen. In diesem Fall gibt die Nationalparkverwaltung mit dem Ausbringen der Buchensaat eine kleine Starthilfe zur Wiederbewaldung. Mit der Zeit werden aus den jungen Bäumen hoffentlich knorrige Baumriesen, die zahlreichen Tierarten einen optimalen Lebensraum bieten. Die Verknüpfung mit der Bildungsarbeit des Nationalparks ist ein wichtiger Aspekt dieser Maßnahme.
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