Donnerstag, 08. Dezember 2016


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Die Macher des Klimaschutzes

Die Nationalen Naturlandschaften könnten zu Vorreitern des Klimaschutzes werden, wenn es mehr Geld und Unterstützung gäbe

(lifePR) (Berlin, ) Kurz vor der Kopenhagener Klimakonferenz hoffen die Verantwortlichen deutscher Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks auf mehr Unterstützung von Seiten der Politik und Wirtschaft, um bestehende Klimaschutzmaßnahmen in den Nationalen Naturlandschaften zu erhalten und neue Projekte zu realisieren. Deutschland könnte durch die Umsetzung dieser Projektwünsche seine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz ausbauen.

Das Ziel für die in einer Woche beginnende Klimakonferenz in Kopenhagen ist klar: globale Reduktion der Treibhausemissionen. In den Nationalen Naturlandschaften vom Watzmann bis zum Wattenmeer wird seit Jahren Klimaschutz betrieben. Dabei könnte man noch viel mehr machen, meinen die Verantwortlichen der deutschen Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks. Sie wollen mehr finanzielle und sachliche Unterstützung von Politik und Wirtschaft.

Die Wunschliste derer, die wie kaum andere den Klimaschutz in Deutschland aktiv umsetzen, ist lang und reicht von einer Erhöhung der personellen Ausstattung in den Parkverwaltungen, hin zu direkten Schutzmaßnahmen durch das Pflanzen von Klimaschutzwäldern, der Umwandlung in "Null-Emissions-Regionen" und dem Erhalt von Moorflächen. Die auf regionaler Ebene existierenden Klimaprogramme müssten erhalten, ausgebaut und länderübergreifend einsetzbar werden. Auch die Kooperationen mit Universitäten muss unterstützt werden, um beispielsweise Studien zu Salzwiesen und ihrem CO2-Senkenpotenzial zu erforschen. Förderung von Mobilitätskonzepten rund um die Nationalen Naturlandschaften sollten ausgebaut werden, so dass Besucher aufs Auto verzichten können. Ferner sei die bessere Vermarktung von Regionalprodukten notwendig, die aus den Biosphärenreservaten stammten. Die eingesparten Transportkosten schonten das Klima ebenfalls. Auch der Gebrauch nachwachsender Rohstoffe sei zu fördern. Dabei dürfe jedoch der Anbau nicht auf Kosten wertvoller Lebensräume geschehen.

Anbei finden Sie die vollständigen Zitate von Verantwortlichen folgender Großschutzgebiete:

Leiter der Nationalparks
- Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
- Harz Leiter der Biosphärenreservate
- Schaalsee
- Karstlandschaft Südharz i.G.
- Bliesgau, Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen
- Rhön/Hessen
- Schorfheide-Chorin
- Mittelelbe
- Vessertal-Thüringer Wald
- Rhön/Thüringen
- Flusslandschaft Elbe-Brandenburg Leiter der Naturparks
- Erzgebirge/ Vogtland
- Kyffhäuser
- Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale

- Naturwacht Brandenburg, Vereinigung der brandenburgischen Großschutzgebiete

"Für die Revitalisierung unserer Hochmoore als Stoffsenke (CO2 und Wasser) sind umfangreiche Mittel notwendig und die volle Unterstützung der Politik, da verschiedene andere Nutzungsinteressen seitens der Forstwirtschaft, der Trinkwassergewinnung und des Tourismus bestehen."

Sigrid Ullmann, Leiterin Naturpark Erzgebirge/ Vogtland

"Zur CO2-Reduzierung sollen in den nächsten fünf Jahren 42 ha Klimaschutzwald gepflanzt und ca. 400 ha Moorflächen renaturiert werden. Voraussetzungen dafür sind zum einen Finanzmittel in Höhe von 210.000 EUR für das Klimawaldprojekt über Sponsoring einzuwerben, und zum anderen, Mittel für das Projektmanagement von 30.000 EUR/jährlich. Das Projekt 'Klima - regional im Griff' zur Förderung der Handlungskompetenz regionaler Akteure bei der Entwicklung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien soll weitergeführt werden."

Klaus Jarmatz, Leiter UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee

"Wälder spielen als CO2-Senke eine wichtige Rolle für den Klimaschutz. Deshalb müssen Empfehlungen für eine klimaschutzgerechte Pflege und Nutzung forstlich bewirtschafteter Wälder von den Ländern gemeinschaftlich erarbeitet und publiziert werden."

Holger Piegert, Leiter Biosphärenreservat Karstlandschaft

"Der Biosphärenzweckverband Bliesgau als Biosphärenverwaltung hat in seiner Verbandsversammlung am 29. Juni 2009 beschlossen, eine 'Null-Emissionsregion' zu werden und nach außen als 'Klimaschutzbündnis Biosphärenreservat Bliesgau' aufzutreten. Zur weiteren Umsetzung soll ein Klimaschutzkonzept für das ganze Biosphärenreservat Bliesgau erarbeitet werden, wofür dringend weitere Fördermittel benötigt werden."

Walter Kemkes, Leiter UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau

"Bei der Umweltbildungsarbeit im Rahmen des mehrfach als beispielhaftes Projekt im Sinne der UN-Dekade 'Bildung für nachhaltige Entwicklung' ausgezeichneten Junior-Ranger-Programms spielt das Thema 'Klimaschutz' eine wichtige Rolle. Durch die Anschaffung von zwei neuen Kleinbussen mit Ergas-Antrieb wäre eine Fortbewegung mit im Vergleich zu Treibstoffen auf Erdöl-Basis geringeren CO2-Ausstoß möglich. Leider fehlen uns für den Kauf die Mittel."

Manfred Lütkepohl, Leiter Naturwacht Brandenburg

"Das Bundesamt für Naturschutz fördert das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben 'Biosphärenreservate für Klimaschutz und Klimaanpassung'. Das Teilvorhaben 'Schalt dich ein fürs Klima' zeigt praktischen Klimaschutz vor Ort auf durch lokale Energieeinsparung und Beratung bei der Umsetzung und Nutzung erneuerbarer Energien."

Dr. Detlef Hansen, Leiter UNESCO-Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen und Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

"Der Schutz der Salzwiesen - durch Stilllegung und den Verzicht auf Unterhaltung von Entwässerungssystemen - ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Salzwiesen fungieren als bedeutende CO2-Senken weltweit. Untersuchungen dazu sollen in Kooperationen mit Universitäten in Schleswig-Holstein angeschoben werden."

Dr. Detlef Hansen, Leiter UNESCO-Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen und Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

"Mit einer Projektförderung kann ein gut vernetztes System des öffentlichen Personennahverkehrs rund um den Brocken über digitale Medien länderübergreifend so attraktiv beworben werden, dass mehr Harzbesucher ihr Auto stehen lassen und trotzdem in der Nationalparkregion Harz mobil sind."

Andreas Pusch, Leiter Nationalpark Harz

"Studien belegen, dass die ökologische Landwirtschaft deutlich klimafreundlicher ist als die gute fachliche Praxis. Gleichwohl fehlt es an effizienten Beratern und Programmen. Biosphärenreservate bieten sich an, modellhaft neue Wege in der Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe zu beschreiten und diese durch geeignete Fördermaßnahmen zu unterstützen."

Otto Evers, Leiter UNESCO-Biosphärenreservat Rhön/Hessen

"Enorme Pendlerströme wälzen sich Tag für Tag aus den ländlichen Regionen in die Ballungszentren. Allein aus der hessischen Rhön sind täglich über 20.000 Pendler u.a. bis in das Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Im Sinne des Klimaschutzes erarbeitet das Biosphärenreservat Rhön z. Z. als Pilotprojekt eine 'Digitale Mitfahrzentrale' für die Gesamtkulisse des Mittelgebirges Rhön unter Einbeziehung der umliegenden Zentren. Nach Bestätigung der Praxistauglichkeit sollten derartige Mitfahrzentralen für alle ländlichen Regionen Deutschlands vorgesehen werden."

Martin Kremer, Sachgebietsleiter UNESCO-Biosphärenreservat Rhön/Hessen

"Bei der Diskussion um den Ausbau der regenerativen Energien ist unseres Erachtens die Wasserkraft bundesweit aus dem Blickwinkel der Klimapolitik verschwunden. Gerade im Alpenraum und in den Mittelgebirgen gibt es erhebliche Ausbaupotentiale für eine klimaneutrale Energieerzeugung an volkswirtschaftlich sinnvollen Standorten durch Wasserkraft. Nach einem mehr als hundertjährigen Sterben der Mühlen und Wasserkraftanlagen ist eine Trendwende erforderlich. Insbesondere sind Erleichterungen in den Genehmigungsverfahren sowie Rechtssicherheit für die Betreiber nötig."

Martin Kremer, Sachgebietsleiter UNESCO-Biosphärenreservat Rhön/Hessen

"Regionale Produkte, hergestellt in kleinen Produktionsstätten, erhalten Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfungsketten in den ländlichen Gebieten. Die Realisierung vieler innovativer Ideen scheitert oft an behördlichen Auflagen, die auf Großbetriebe zugeschnitten sind. Eine Förderung der regionalen Produkte, insbesondere im Lebensmittelsegment, vermeidet lange Transportwege und damit auch CO2-Emmissionen."

Otto Evers, Leiter UNESCO-Biosphärenreservat Rhön/Hessen

"Die Weiterführung und Ausweitung des Forschungs- und Entwicklungsvorhaben 'Biosphärenreservate als Modellregionen für Klimaschutz und Klimaanpassung' ist besonders wichtig. Mit einem entsprechenden Etat können wir im Sinne einer Modellregion in diesen schwierigen und wichtigen Fragen aktiv werden. Eine Anschubfinanzierung kann regionaltypisches effizientes Bauen unter dem Einsatz regenerativer Energien anhand von Beispielen fördern. Landschaftsverträgliche, nachhaltige Bioenergiedörfer unter Berücksichtigung der Entwicklungsziele des Biosphärenreservates könnten dadurch etabliert werden. Es ist auch unbedingt erforderlich, ein nachhaltiges Verkehrskonzept im ländlichen Raum unter Einsatz und Entwicklung von E-Mobilitätskonzepten zu entwickeln und zu unterstützen."

Constanze Knape, Leiterin UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

"Im Biosphärenreservat Mittelelbe wurde eine Studie zur 'Ermittlung des Potentials zur Nutzung von Biomasse und kommunalen Abfällen in der Einheitsgemeinde Havelberg' in Auftrag gegeben. Die Biosphärenreservatsverwaltung und die Stadt Havelberg entwickeln gemeinsam ein modellhaftes Energiekonzept, um durch den Einsatz erneuerbarer Energien den CO2-Ausstoß zu verringern. Im Rahmen der BUGA 2015 in der Region Havelberg wird die öffentlichkeitswirksame Präsentation eines beispielhaften energetischen Stadtumbaus von Havelberg angestrebt. Diesbezügliche Projekte sollten auch zukünftig eine Förderung erfahren."

Guido Puhlmann, Leiter UNESCO-Biosphärenresevat Mittelelbe

"Das Biosphärenreservat soll erweitert und gleichzeitig die Kernzone als CO2-Senke vergrößert werden. Hierfür brauchen wir die Akzeptanz durch die Region, für die wir durch Öffentlichkeitsarbeit werben, sowie die Einstellung der forstlichen Nutzung in den Bereichen der vergrößerten Kernzonen."

Dr. Elke Hellmuth, stellvertretende Leiterin UNESCO-Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald

"Wir fordern die Erhöhung des Kernzonenanteils als CO2-Senke. Hierzu muss die forstliche Nutzung der dazu benötigten Flächen eingestellt werden. Durch weiteren Flächenankauf könnte die Wiedervernässung von ehemaligen Feuchtgebieten als CO2-Senke eingeleitet werden. Und eine Finanzierung von Werkverträgen würde Forschung und Monitoring im Biosphärenreservat ermöglichen, denn hier sind die Indikatoren zu Klimaänderungen und -folgen deutlich ablesbar."

Karl-Friedrich Abe, Leiter UNESCO-Biosphärenreservat Rhön/Thüringen

"Der Ausbau des Rufbussystems am zertifizierten Kyffhäuserweg würde den Individualverkehr drosseln und das Naturerlebnis für jeden erhöhen. Dazu suchen wir Partner, die bereit sind, dieses Konzept zu optimieren."

Jörg Nonnen, Leiter Naturpark Kyffhäuser

"Die Erreichbarkeit der naturparkspezifischen Angebote mit Bus und Bahn muss verbessert werden. Voraussetzung dafür ist, dass die regulären Bahn- und Buslinien im Gebiet in vollem Umfang erhalten bleiben und Angebote und Vermarktung dazu verbessert werden."

Christine Kober, Leiter Naturpark Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale

"Die Entwicklung eines speziellen Auenschutzprogramms ist wichtig. Denn alternative Energieformen haben auch ihre Schattenseiten. Der Anbau nachwachsender Rohstoffe darf nicht auf Kosten wertvoller Lebensräume geschehen. Grünland, insbesondere das Feuchtgrünland in den Auen der großen Ströme, Lebensraum für den Weißstorch und wiesenbrütende Vögel, ist dringend zu schützen."

Jeanette Fischer, Leiterin UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg
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Nationale Naturlandschaften

Als Dach und Marke vereinen die Nationalen Naturlandschaften die Familie der deutschen Großschutzgebiete unter einem Namen. Ihr Ziel ist es, die derzeit 14 Nationalparks, 16 Biosphärenreservate und über 100 Naturparks durch ihren gemeinsamen Auftritt zum Inbegriff für die Schönheit deutscher Natur zu machen. Die Nationalen Naturlandschaften werden von der bundesweiten Dachorganisation der deutschen Großschutzgebiete EUROPARC Deutschland getragen sowie von den Ländern, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterstützt.

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