Dienstag, 06. Dezember 2016


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Vertrau(d)lich: Auf niedrige Energiepreise setzen

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) Vor einigen Tagen flatterte mir ein Brief meines Energieversorgers ins Haus. Darin wurde das Angebot gemacht, jetzt in einen Festpreistarif zu wechseln, um bis 30. September 2017 vor Preiserhöhungen geschützt zu sein. Der angebotene Tarif ist angeblich sogar günstiger als der aktuelle. Leider war es mir nicht möglich, aus dem Schreiben meine effektive Kostenersparnis zu ersehen. Dafür hätte ich erst die Jahresabrechnung aus meinen Akten heraussuchen müssen.

Ich habe mich aber auch gar nicht darüber geärgert, dass das Angebot nicht auf meinen individuellen Verbrauch ausgerichtet war. Vielmehr stellte ich mir die Frage, welche Annahme der Energieversorger wohl über die künftige Entwicklung der Energiepreise getroffen hat. Offensichtlich geht er davon aus, dass der eingesetzte Rückgang nicht temporär ist, sondern noch eine Weile anhalten wird.

Seit Mitte letzten Jahres ist der Preis des Rohöls in US-Dollar um fast 60 Prozent gefallen. Auch die anderen fossilen Primärenergieträger Kohle und Erdgas hat es gebeutelt. In Euro-Rechnung ist der Effekt nicht ganz so ausgeprägt, da der Euro im betrachteten Zeitraum um fast 20 Prozent abgewertet hat. Anfangs wurde der Verfall des Rohölpreises weitgehend konjunkturellen Faktoren in den Industrieländern zugeschrieben. So passte es auch ins Bild, dass Mario Draghi den aus den schwächeren Energiepreisen resultierenden sehr niedrigen Inflationsraten mittels einer extrem expansiven Geldpolitik, unter anderem durch den Ankauf von Staatsanleihen, entgegen zu wirken versucht. Nicht ganz unschuldig am Ölpreisrutsch war auch die Angebotsausweitung durch Fracking in den USA.

Zuletzt stand für die Erklärung der fallenden Primärenergiepreise die schwache Entwicklung in den Schwellenländern im Fokus. Zunehmend wird deutlich, dass es sich dabei nicht um ein konjunkturelles, sondern vielmehr um ein strukturelles Phänomen handelt. Auch in den vormals dynamischen BRIC-Ländern hat sich der Wachstumspfad sichtbar abgeflacht. Verantwortlich sind in den einzelnen Ländern jeweils unterschiedliche Faktoren - angefangen von bedrohlich angewachsenen Blasen wie beispielsweise auf dem chinesischen Immobilien- oder Aktienmarkt bis hin zu innen- und außenpolitischen Konflikten sowie wirtschaftspolitischer Lethargie und strukturellen Verkrustungen. Erschwerend kommt hinzu, dass die erwartete Zinserhöhung in den USA zu Kapitalabflüssen aus diesen Ländern führt.

Auch das Ende der Sanktionen gegenüber dem Iran hat die Erwartung einer Angebotsausweitung genährt und entsprechend zu einem weiteren Rückgang des Rohöl- und anderer Energiepreise geführt.

Wie das Angebot meines Energieversorgers zeigt, passen sich die langfristigen Preiserwartungen allmählich nach unten an. Auch wir gehen davon aus, dass der Preis für Brent kurzfristig unter Druck bleibt und sich auch mittelfristig nur zwischen 50 und 60 US-Dollar pro Fass bewegen wird. Während damit für die Ölproduzenten die Margen belastet werden, dürften die Verbraucher profitieren. Wir haben jüngst aufgrund der Anpassung unserer Rohölprognose auch unsere Inflationserwartungen deutlich reduziert. Die niedrigen Primärenergiepreise wirken somit wie ein Konjunkturprogramm in den Abnehmerländern. Dies gilt in gewissem Maße auch für Deutschland als Nettoimporteur von Energie, obwohl hier die Strompreise durch die Energiepolitik verzerrt werden. Der Konsum bleibt somit ein Motor der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Anpassung der Weltmarktpreise ist nicht auf Energie begrenzt. Sie umfasst vielmehr nahezu alle Rohstoffe. Da viele Schwellenländer zu den Exporteuren von Rohstoffen zählen, wird die aktuelle Preisentwicklung für sie zum Belastungsfaktor. Somit kommt es zu einer Umverteilung zugunsten von rohstoffarmen Ländern und zulasten von Rohstoffexporteuren. Die Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten aus diesen Ländern dürfte sich daher abschwächen.

Die USA werden per saldo ihre Position als Wachstumslokomotive stärken. Aufgrund der Ölpreisanpassung haben wir unsere BIP-Prognose 2016 für die USA von 2,7 auf 3 Prozent angehoben. Als zweitwichtigste Exportdestination Deutschlands sollten die Amerikaner unsere Exporte insgesamt stabilisieren.

Die niedrigen Primärenergiepreise werden somit Gewinner und Verlierer hervorbringen. Mit Blick auf das Angebot meines Versorgers habe ich mich entschlossen, dieses nicht anzunehmen. Ich teile mit ihm die Erwartung einer Phase vorerst anhaltend niedriger Energiepreise. Dieser schrieb mir "Wie sich die Energiepreise am Weltmarkt entwickeln werden, wissen auch wir nicht". Das gilt natürlich auch für uns. Vieles aber spricht für unsere Prognose und deshalb gehe ich das Risiko ein und sichere mich nicht ab.
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