Freitag, 09. Dezember 2016


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Konjunktur aktuell: Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) Ende April 2015 wurden die Daten zum regionalen Wirtschaftswachstum im Jahr 2014 veröffentlicht sowie revidierte Werte für die Vorjahre zur Verfügung gestellt. Die realen Wachstumsraten der hier betrachteten Bundesländer reichen von Thüringen mit 1,6 % über Hessen mit 1,4 % und Nordrhein-Westfalen mit 1,3 % bis zu Brandenburg mit 0,9 % (nicht arbeitstäglich bereinigt).

Deutschland: Rück- und Ausblick

2014 erholte sich das deutsche Wirtschaftswachstum mit 1,6 % nach der Quasi-Stagnation (0,1 %) im Jahr zuvor. Die konjunkturelle Belebung dürfte sich 2015 mit ähnlicher Dynamik fortsetzen. Entlastend wirkt sich die bessere Lage in vielen Eurozonenländern aus, auch wenn das dortige Wachstum im Nachgang der Staatsschuldenkrise zum Teil noch schwach ist. Die lockere Geldpolitik sowie die historisch niedrigen Zinsen sollten zudem den konjunkturellen Verlauf unterstützen, allein die realen Effekte dürften überschaubar sein. So ist die Entwicklung in Deutschland hauptsächlich vom inländischen Konsum getragen, der insbesondere aufgrund hoher Lohnsteigerungen dynamisch wächst. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen nehmen ebenfalls zu, doch ist der Anstieg noch weit von früheren Höchstständen entfernt. Die Wachstumsaussichten bleiben also insgesamt begrenzt.

Hessen: Guter Start in 2015

Hessen wies 2014 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf, das mit 1,4 % geringfügig unter dem Bundesdurchschnitt von 1,6 % lag. In den einzelnen Sektoren kam es ebenfalls kaum zu Abweichungen von den gesamtdeutschen Wachstumsraten. Die Bruttowertschöpfung in der hessischen Industrie nahm um 2,2 % zu, nachdem zuvor auch schon ein Plus von 1,6 % erreicht worden war. Kräftige Impulse kamen von der Pharmaindustrie, dem Maschinen- sowie dem Fahrzeugbau.

Chemie, Metallbranche und Ernährungsgewerbe dagegen blieben zum Teil deutlich hinter ihrem Vorjahresergebnis zurück. Die Elektroindustrie/Optik stagnierte. Damit entsprach die Entwicklung der hessischen Industriebranchen im Groben auch den bundesdeutschen Trends, mit Ausnahme der hiesigen Elektrotechnik/Optik, die auf Bundesebene einen Zuwachs verbuchen konnte. Die Industrieumsätze, die aus Exporten in die Eurozone resultierten, nahmen in Hessen mit fast 4 % besonders stark zu. Der Absatz mit Ländern außerhalb des Währungsgebiets wies nur eine rote Null auf. Inländische Nachfrager von hessischen Industrieprodukten generierten eine Umsatzsteigerung von fast 2 %. Erste Daten für 2015 sprechen in Hessen für eine Fortsetzung der positiven Vorgaben aus dem letzten Jahr.

Anpassungsprozess im Kreditgewerbe

Die Dienstleitungsbereiche in Hessen entwickelten sich 2014 mit 1,2 % leicht unterdurchschnittlich (Deutschland 1,4 %). Der Wirtschaftszweig "Finanz-, Versicherungs-, Unternehmensdienstleister, Vermietung" konnte erneut wachsen (1,3 %) und signalisiert damit, dass sich die Erholung im hessischen Bankgewerbe fortsetzt. Allerdings lag die Bruttowertschöpfung der Finanz- und Versicherungsdienstleister auch im sechsten Jahr nach der Finanz- und Wirtschaftskrise in Hessen real noch um 16 % niedriger als 2008. Neben den tatsächlichen Anpassungsprozessen im Kreditgewerbe dürfte dies durch die Schrumpfung der Margen und das insgesamt niedrige Zinsniveau beeinflusst sein, die die Berechnung der Wertschöpfung in der Finanzbranche erschweren. Zudem schmälern die Aufwendungen der Banken zur Erfüllung der verschärften Regulierungsvorschriften die Wertschöpfung. Insofern dürfte derzeit der Output im Kreditgewerbe in der amtlichen Statistik tendenziell etwas unterschätzt werden.

"Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Information/Kommunikation" ist ein zusammengefasster Dienstleistungsbereich, der 2014 und im Jahr zuvor in Hessen durchschnittlich gewachsen war.

Für die Verkehrsbranche ist das Logistikdrehkreuz Frankfurter Flughafen ausschlaggebend, das national und international zu den größten zählt. 2014 nahm die Zahl der Passagiere um 2,6 % (mehr als 1,5 Mio. Personen) und das Frachtaufkommen um 1,7 % zu. Dies bestärkte die Eigentümer des Flughafens, die Abfertigungskapazität durch ein drittes Terminal um rund 15 % zu erhöhen; Baubeginn ist Ende 2015, die Inbetriebnahme ist für 2022 geplant. Davon dürften für die gesamte hessische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt Auftriebskräfte zu erwarten sein, die anhaltende Nachfragesteigerung vorausgesetzt.

Hessen 2015: Chance auf überdurchschnittliches Wachstum

Die hessische Arbeitslosenquote (Jahresdurchschnitt 5,7 %) veränderte sich 2014 gegenüber dem Vorjahr kaum. Die Zahl der Arbeitslosen sank mit 0,7 % etwas stärker als im westdeutschen Durchschnitt (-0,4 %). Für 2015 kündigen sich weitere Verbesserungen an, wie die Abnahme der Erwerbslosen um 2,4 % im April 2015 gegenüber dem Vorjahr zeigt. Zudem nimmt auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weiter zu, wobei Hessen sogar etwas überdurchschnittlich abschneidet. Zusammen mit den ermutigenden Anzeichen aus den Wirtschaftsbereichen dürfte 2015 einem überdurchschnittlichen Jahr in Hessen kaum etwas im Wege stehen. Die erwartete bundesdeutsche Wachstumsrate von 1,8 % stellt eine Untergrenze für das Bundesland im laufenden Jahr dar.

Thüringen: Erfolgreich 25 Jahre nach der Wiedervereinigung

In den 25 Jahren nach der Wiedervereinigung wurde in Thüringen viel erreicht: So stieg die Wirtschaftskraft - gemessen am BIP pro Einwohner - von ehemals 34 % des deutschen Durchschnitt auf inzwischen 70 %. In der Industrie war das Tempo noch viel höher: Hier lag die Ausgangslage mit nur 18 % noch niedriger, doch die Marke von 70 % wurde im gleichen Zeitraum überschritten.

2014 stieg das BIP in Thüringen mit 1,6 % genauso dynamisch wie in Deutschland insgesamt, nachdem es im Jahr zuvor zurückgegangen war. In allen großen Wirtschaftsbereichen verbesserte sich die Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr erheblich.

Die Dienstleistungsbereiche lieferten in Thüringen 2014 mit einem Plus von 1,5 % eine etwa gleichhohe Wachstumsrate wie in Deutschland insgesamt (1,4 %). Die Thüringer Industrie expandierte dagegen nicht ganz so dynamisch und blieb mit einer Wachstumsrate von 1,3 % hinter dem Bundesdurchschnitt von 2,2 % zurück. Allerdings war der Industriezyklus in Thüringen früher in Gang gekommen und hatte schon 2013 für ein Wachstum von 1,5 % (Deutschland: +0,3 %) gesorgt.

Mit zum Teil kräftigen Wachstumsraten konnten 2014 der Kfz-Bau, der Maschinenbau und die Metallbranche in Thüringen punkten. Damit waren drei der vier größten Industriezweige Thüringens im Plus. Nur das Ernährungsgewerbe war mit 1,4 % rückläufig.

Im Baugewerbe kam es mit 2,9 % zu einem Anstieg, der den Rückgang im Vorjahr quasi ausglich. Hier war der "ausgefallene" Winter ausschlaggebend, der die Bausaison 2014 auch bundesweit spürbar ausweitete. Land- und Forstwirtschaft, als kleinster Wirtschaftsbereich, entwickelte sich 2014 mit einem Plus von 8,2 % stärker als in Deutschland mit 5,8 %.

Wachstum 2015: 1,5 %

Da in Thüringen in der Vergangenheit auf ein "starkes Dienstleistungsjahr" häufig ein schwächeres folgte und das Wachstum im Industriesektor nur leicht überdurchschnittlich sein dürfte, ist für 2015 ein BIP-Wachstum zu erwarten, das bestenfalls den deutschen Durchschnitt erreichen sollte.

Auf dem Arbeitsmarkt ist mit weiteren Verbesserungen zu rechnen. So lag 2014 die Arbeitslosenquote mit 7,8 % erneut unter dem Vorjahreswert (8,2 %). Sie hat sich über die letzten Jahre hinweg deutlich dem gesamtdeutschen Durchschnitt angenähert und liegt nur noch einen Prozentpunkt darüber. Dies ist zum Teil auf eine Zunahme der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückzuführen. Ein weiterer Aspekt ist die "reifere" Altersstruktur. Entsprechend mehr Personen werden zukünftig aus dem Erwerbsleben bzw. vom Arbeitsmarkt ausscheiden. Die Beschäftigungsschwelle dürfte im laufenden Jahr wieder überschritten werden, was Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften hervorruft. Das Ausmaß dürfte aber geringer ausfallen als 2014.

Nordrhein-Westfalen: Zugpferd Dienstleister kommt ins Laufen

Das Wachstum in Nordrhein-Westfalen (NRW) lag 2014 abermals unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt, wenn auch diesmal nur geringfügig. Strukturelle Anpassungsprozesse bremsten das Bundesland zumeist im Industriesektor. Doch es gab auch Verbesserungen: Bei den Dienstleistern wurden viele Arbeitsplätze geschaffen. Und nicht zuletzt erholte sich die nordrhein-westfälische Wirtschaft 2014 immerhin mit einem Plus von 1,3 %, nach einem Rückgang von 0,6 % im Jahr zuvor. Die konjunkturelle Belebung setzt sich 2015 fort, sodass auch NRW an die Dynamik des Vorjahrs anknüpfen kann, wobei das Wirtschaftswachstum aufgrund der strukturellen Faktoren nicht über den Wert von 2014 hinausgehen dürfte.

Dienstleister deutlich im Plus; Industrie noch etwas im Minus

Erfreulich war, dass die Dienstleistungsbereiche "Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Information/ Kommunikation" sowie "Finanzierung, Versicherung, Vermietung, Unternehmensdienstleister" 2014 mit Raten von 3,4 % und 1,9 % deutlich kräftiger wuchsen als im Bundesdurchschnitt. Sie stellen die Zugpferde der nordrhein-westfälischen Wirtschaft dar. Von der Industrie kommen dagegen seit drei Jahren keine Wachstumsimpulse. Allerdings ist die Entwicklung in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich: Die größten Branchen Chemie, Metallerzeugung, Maschinenbau und Nahrungsmittel/Getränke mussten 2014 weitere Umsatzeinbußen verkraften. Metallerzeugnisse, Pharma, Elektrotechnik und Fahrzeugbau konnten zum Teil hohe Zuwächse verbuchen. 2015 werden insbesondere die Grundstoffindustrien durch den gesunkenen Rohölpreis entlastet. Ob dies zu einer durchgreifenden Besserung für die NRW-Industrie führt, ist angesichts der bisher verhaltenen Signale noch offen.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich robust - auch in Nordrhein-Westfalen. Die Arbeitslosenquote verharrt hier seit vier Jahren bei etwas über 8 %. Sie ist allerdings die höchste unter den alten Bundesländern und um 1,5 Prozentpunkte höher als in Deutschland insgesamt. Dabei ist die Arbeitslosigkeit nicht gleichmäßig verteilt. Die Erwerbslosenrate in der Ruhrregion hat mit 10,8 % ein deutlich höheres Niveau als im restlichen NRW mit nur 7,1 %. Auch gibt es Regionen mit ländlicher Prägung, die nahe der Vollbeschäftigung sind.

Aus der stagnierenden Arbeitslosenquote lässt sich aber nicht ableiten, dass auch die Beschäftigung unverändert blieb. Im Gegenteil: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt und der Aufbau zieht zuletzt sogar noch an: In Nordrhein-Westfalen werden zurzeit fast in gleichem Tempo Arbeitsplätze geschaffen wie in Deutschland insgesamt. Die Beschäftigungsschwelle ist seit längerem überschritten. Dies erklärt auch, warum sich der Einzelhandel in NRW genauso positiv entwickelt wie im Durchschnitt aller Bundesländer.

Wirtschaftskraft innerhalb NRW sehr unterschiedlich

Die Wirtschaftskraft Nordrhein-Westfalens - gemessen am BIP pro Einwohner - verfehlt nach den neusten Daten mit 99 % knapp den Bundesdurchschnitt. Damit liegt das Bundesland im innerdeutschen Vergleich trotzdem noch auf Platz vier (ohne die Stadtstaaten Hamburg und Bremen). Dabei ist die Spannbreite zwischen den einzelnen nordrhein-westfälischen Regionen sehr groß. So war das höchste BIP pro Einwohner mit 215 % des Bundesdurchschnitts in der Landeshauptstadt Düsseldorf anzutreffen, der niedrigste Wert mit nur 63 % in der kreisfreien Stadt Bottrop. Dies ist untypisch, da normalerweise ein Stadt-Land-Gefälle herrscht. Hier zeigt sich der Strukturwandel im Ruhrgebiet, der in vielen Städten zu einer niedrigen Wirtschaftskraft geführt hat. Für die Ruhrregion insgesamt ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 91 % des Bundesdurchschnitts, das deutlich unter dem der anderen nordrhein-westfälischen Kreise und kreisfreien Städte von 105 % liegt.

Doch es tut sich was im Ruhrgebiet. So stellt die Wirtschaftsleistung von 91 % eine Erholung dar, war sie doch bis zur Jahrtausendwende auf rund 85 % gesunken. Auftriebskräfte hat die Region aus dem Dienstleistungsbereich "Unternehmensdienstleister, Finanzierung, Versicherung, Vermietung" erhalten, der seitdem überdurchschnittlich gewachsen ist. Damit deutet sich an, dass der Strukturwandel erste Früchte trägt.

Brandenburg: Gebremstes Wachstum

Brandenburg blieb 2014 wachstumsmäßig mit 0,9 % deutlich unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt und befand sich damit im Bundesländervergleich auf dem drittletzten Platz. Allein der staatlich dominierte Sektor "öffentliche und sonstige Dienstleister" war ein Outperformer mit einem Anstieg der Bruttowertschöpfung um 1,7 %. Der Bereich "Finanz-, Versicherungs-, Unternehmensdienstleister, Vermietung" wuchs mit 1,4 % immerhin genauso stark wie Deutschland insgesamt. Für den Schwung in diesen zwei Sektoren dürfte sicher die Nähe zu Berlin beigetragen haben. Die Bundeshauptstadt konnte in den oben erwähnten Wirtschaftszweigen ebenfalls überdurchschnittlich expandieren (2,4 % bzw. 3,7 %).

Berlin wieder mit positiven Impulsen

Überhaupt war Berlin 2014 mit 2,2 % der Wachstumsspitzenreiter in Deutschland. Dabei ist das Wachstumspotenzial nicht ausgereizt. So betrug das BIP pro Kopf nur 95 % des Bundesdurchschnitts, während die Wirtschaftskraft einer Hauptstadt normalerweise deutlich über dem nationalen Durchschnitt liegt. Berlin als ein wichtiges Dienstleistungszentrum ist also immer noch ausbaufähig, wovon Brandenburg ebenfalls profitieren dürfte.

Brandenburg 2015 erneut unterdurchschnittlich

Für den Bereich "Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Information/Kommunikation" ist die Nähe zu Berlin nicht nur positiv. Die Bruttowertschöpfung sank hier sogar um 0,7 %. Gerade für den Einzelhandel und die Gastronomie stellt die Bundeshauptstadt eine starke Konkurrenz dar. Der Industriestandort Brandenburg hat ebenfalls drei schwierige Jahre mit einer rückläufigen Bruttowertschöpfung hinter sich. Auch zu Beginn 2015 ist noch keine Besserung in Sicht. Dies bremst die Entwicklung in Brandenburg insgesamt, sodass im laufenden Jahr wieder mit einem deutlich unterdurchschnittlichen Wachstum zu rechnen ist, zumal sich die Eröffnung des Flughafens voraussichtlich auf 2017 verschiebt.

Der Arbeitsmarkt verbesserte sich 2014 auch in Brandenburg. Die Zahl der Arbeitslosen nahm um fast 6 % ab und damit sogar stärker als in Berlin (-3,4 %). Die Arbeitslosenquote sank auf 9,3 % im Jahresdurchschnitt (Berlin 11,1 %). Eine Fortsetzung des Trends zeichnet sich auch für das laufende Jahr ab, zumal die Arbeitnehmerschaft wie in allen neuen Bundesländern durchschnittlich älter ist und somit zunehmend mehr Beschäftigte in den Ruhestand wechseln. Daneben entstehen in Brandenburg neue Arbeitsplätze. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt seit Anfang 2014 mit über 1 % inzwischen stärker als Thüringen.
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