Dienstag, 06. Dezember 2016


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Japanischer Yen

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) .
- Der Euro erholte sich in den letzten Wochen auf breiter Front. Unter den Hauptwährun-gen verliert vor allem der US-Dollar, aber auch der Yen gerät ins Hintertreffen.
- Nach einer mehrjährigen Aufwertung tritt die japanische Währung 2012 eher auf der Stelle. Zwar weist die japanische Wirtschaft durchaus Vorzüge auf. Im Zeitablauf lassen diese aber nach und insbesondere die Verschuldungssituation birgt erhebliche Risiken. In der kürzeren Frist droht dagegen nur eine leichte Abwertung.
- Helaba-Währungsprognosen

JPY: Dunkle Wolken in der fernen Zukunft

Anleger aus der Eurozone suchen seit geraumer Zeit nach Alternativwährungen. Der Japanische Yen steht dabei weniger im Blickpunkt, obwohl er sich seit Beginn der Finanzkrise Mitte 2007 als die mit Abstand stärkste Währung in der Welt erwies. Allerdings sind die andauernden Probleme Japans und damit eigentlich auch des Yen bekannt, so dass die mehrjährige Aufwertung eher mit Skepsis zu betrachten ist. 2012 bewegte sich der Yen für Euro-Anleger per saldo kaum. Nach anfänglichen Kursverlusten legte die japanische Währung gegenüber dem Euro zu, büßte die Ge-winne aber zuletzt wieder ein. Der Euro-Yen-Kurs notiert um 100, gegenüber dem US-Dollar gab der Yen leicht nach.

Der Yen wird am Devisenmarkt als sicherer Anlagehafen gehandelt. Wenn an den Finanzmärkten die Risikoaversion zunimmt, ist die japanische Währung gefragt. Dieser Zusammenhang gilt seit einigen Jahren und hatte auch 2012 Bestand, selbst wenn diese Beziehung zuletzt nicht mehr so ausgeprägt war. Die Yen-Stärke in Phasen höherer Unsicherheit erklärt sich mit Repatriierungen seitens japanischer Anleger, Auflösungen von in Yen finanzierten Carry Trades sowie sinkenden Zinsdifferenzen, d.h. der Renditenachteil japanischer Papiere verringert sich. In diesem Jahr redu-zierte sich zwar wegen der Euro-Schuldenkrise und globaler Konjunktursorgen der Zinsvorteil von deutschen bzw. US-Staatsanleihen, per saldo verändert sich die Risikoneigung aber kaum, so stie-gen die Aktienkurse z.T. recht deutlich. Die Entwicklung in Japan selbst spricht dagegen nur be-dingt für den Yen.

Für Japan als Anlageraum sprechen die Preisstabilität und die positive Leistungsbilanz bzw. das hohe Auslandsvermögen. Seit 2011 verringerte sich jedoch der Leistungsbilanzüberschuss spürbar. Das langjährige Plus im Außenhandel schlug in einen Fehlbetrag um. Neben der massiven Yen-Aufwertung in den letzten Jahren, die die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Exportwirtschaft beeinträchtigt hat, zogen vor allem die erhöhten Importe von Energiegütern - nach dem zwischen-zeitlichen Abschalten sämtlicher Atomkraftwerke - den Außenhandel ins Minus. Zudem schwä-chen sich die Exporte nach Europa und China ab. Aufgrund des hohen Auslandsvermögens und der damit verbundenen Erträge bleibt die japanische Leistungsbilanz aber in absehbarer Zukunft positiv, d.h. das Land ist nicht auf ausländisches Kapital angewiesen - im Gegensatz zu den euro-päischen Peripherieländern.

Auch jenseits des Exports kommt die japanische Wirtschaft kaum voran. Zwar wächst das Brutto-inlandsprodukt im Gesamtjahr 2012 mit rund 2,5 % vermutlich recht kräftig. Dies beruht aber zum Teil auf Wiederaufbaumaßnahmen nach der Dreifachkatastrophe vom März 2011 bzw. Nachholef-fekten. Die starke Konjunkturdynamik von Anfang 2012 flaute bereits im zweiten Quartal mit einem Wachstum von 0,2 % zur Vorperiode ab. Die Stimmungsindikatoren lassen eine leichte Eintrübung erwarten, so dass Japan wohl wieder in den Modus des sehr mäßigen Wachstums zu-rückfallen wird.

Die öffentlichen Finanzen Japans erinnern stark an die europäischen Krisenländer: 2011 lag das Haushaltsdefizit bei 9,5 % am BIP. Knapp die Hälfte seiner Ausgaben finanziert der japanische Staat bereits mit Anleihen. Die Staatsverschuldung mit über 200 % am BIP lässt sogar die Grie-chen erblassen. Da Japan immerhin Vermögen besitzt, betrug die Nettoverschuldung 2011 "nur" 125 % am BIP. Als Hort der politischen Stabilität kann Japan kaum bezeichnet werden. In den letzten sechs Jahren gab es sieben Ministerpräsidenten, von denen keiner länger als 15 Monate amtierte. Auch die Regierungszeit vom jetzigen Premierminister Noda von der Demokratischen Partei neigt sich dem Ende zu, denn seine Chancen bei den sich abzeichnenden Neuwahlen stehen schlecht. Da sich Noda weigert, einen konkreten Termin für die Unterhauswahlen zu benennen, blockiert die LDP-Opposition derzeit im Oberhaus einen Gesetzesentwurf zur Ausstellung neuer Staatsanleihen. Sollte keine Einigung erfolgen, würde Japan noch in diesem Jahr zahlungsunfähig werden. Bei den zu erwartenden Parlamentswahlen dürfte zwar die LDP die stärkste Partei wer-den, könnte aber alleine wohl keine Regierung stellen.

Angesichts der politischen Turbulenzen war es fast schon überraschend, dass das Parlament - mit Unterstützung der Opposition gegen das Neuwahlversprechen - eine Anhebung der Mehrwertsteu-er von 5 auf 10 % in zwei Stufen (2014 und 2015) beschlossen hatte. Dies wäre ein wichtiger Schritt hinsichtlich der Haushaltskonsolidierung und könnte zu einer Halbierung des Primärdefi-zits (Saldo vor Zinsausgaben) 2015 im Vergleich zum Fiskaljahr 2010 beitragen. Allerdings ist nicht völlig auszuschließen, dass diese Entscheidung noch ausgehebelt wird. Japan hat das zusätz-liche Problem, dass das Nettofinanzvermögen der privaten Haushalte kaum noch die Staatsver-schuldung abdeckt. In einigen Jahren könnte der japanische Staat auf eine Finanzierung aus dem Ausland - der Großteil der Anleihen wird bislang im Inland gehalten - angewiesen sein, was Risi-ken birgt (siehe Euro-Schuldenkrise). Aufgrund der Staatsfinanzen ist trotz des noch vorhandenen Leistungsbilanzüberschusses und deutlicher Devisenreserven der Japanische Yen zumindest auf die längere Sicht nicht als sicherer Hafen geeignet, die Skepsis der Anleger daher also berechtigt. Am Devisenmarkt werden die Risiken Japans bis auf Weiteres ausgeblendet. Hier gelten wohl die Worte vom Ökonom John Maynard Keynes: "Langfristig sind wir alle tot".

Für den Yen sprechen in erster Linie die Probleme anderer Währungen. So halfen dem Yen in den vergangenen Jahren die sehr expansiven geldpolitischen Maßnahmen in Europa und insbesondere in den USA. Während der Yen vor der Finanzkrise fast allein als Niedrigzinswährung gelitten hatte, profitierte er seitdem von der Angleichung der Renditedifferenzen. Zwar spricht derzeit wenig dafür, dass demnächst die Renditen deutscher oder US-Staatsanleihen wieder auf das Vor-krisenniveau 2007 ansteigen. Von einer weiteren Einengung des japanischen Renditenachteils ist jedoch auch nicht mehr auszugehen. Sollte dank der politischen Maßnahmen die Krise in der Wäh-rungsunion weiter an Schärfe verlieren, dürfte dies den Yen über höhere Bund-Renditen belasten. Inflationsbereinigt hat der Yen mittlerweile zwar einen Renditevorteil gegenüber Euro und US-Dollar. Aber auch hier spricht der historische Zusammenhang eher für eine Bodenbildung der Yen-Wechselkurse. So dürfte der Euro-Yen-Kurs in den kommenden Monaten auf 105 oder sogar 110 ansteigen.

Schließlich favorisiert die Politik in Japan klar einen schwächeren Yen, da sich insbesondere der Außenhandel verschlechtert hat und zudem die Binnennachfrage nicht vor Kraft strotzt. Der Yen ist auf Basis von Kaufkraftparitäten gegenüber Euro und US-Dollar sehr teuer, wenngleich die Fehlbewertung in den neunziger Jahren zum Teil noch ausgeprägter war. Neue geldpolitische Maßnahmen aus den USA könnten die Bank of Japan (BoJ) zusätzlich unter Handlungsdruck setzen. Deshalb wird die japanische Notenbank ihr vergleichsweise bescheidenes Wertpapierkauf-programm vermutlich noch ausweiten, zumal die Deflation anhält. Der Dollar-Yen-Kurs nähert sich unter 78 den Schwellen der letzten Devisenmarktinterventionen. Daher sind neue Marktein-griffe seitens der BoJ fast schon absehbar. Damit sollte die japanische Notenbank eine Yen-Aufwertung gegenüber dem Greenback letztlich verhindern, ein Dollar dürfte daher um 78 Yen pendeln.
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