Dienstag, 06. Dezember 2016


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Die Zeit läuft ab

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) Die jüngsten Kursschwankungen zeigen, dass die Luft bei Aktien sehr dünn geworden ist. Themen wie ein möglicher "Grexit" sind jedoch nur vordergründig dafür verantwortlich. Aktien haben bereits zu viel Positives vorweggenommen und sind nicht zuletzt aufgrund der hohen Bewertung anfällig für eine deutlichere Korrektur.

Passend zum saisonalen Muster, wonach Aktien von Mai bis Oktober im historischen Durchschnitt die mit Abstand schwächste Performance aufweisen, tun sich Dividendentitel derzeit sichtlich schwer. Während Euro-Blue-Chips nach der Rally zu Jahresbeginn nun korrigieren, konnten die US-Indizes noch einmal neue Höchststände erreichen. Die Kräfte lassen aber auch dort nach und die Divergenzen nehmen zu. So wurde der letzte Anstieg des Dow Jones Industrials nicht mehr durch eine gleichgerichtete Entwicklung im Dow Jones Transportation bestätigt. Vielmehr ist dieser sogar unter die 200-Tage-Linie gefallen. Für technisch orientierte Anleger ist dies ein Warnsignal.

Angesichts des fortgeschrittenen Alters der seit März 2009 laufenden Hausse ist es jedoch nicht verwunderlich, dass Aktien allmählich die Puste auszugehen scheint. Immerhin dauert der Bullenmarkt schon mehr als sechs Jahre. Dies ist fast doppelt so lang wie im Durchschnitt der vergangenen hundert Jahre. Länger waren in der jüngeren Historie nur der Nachkriegsaufschwung von 1949 bis 1956 und die Hausse von 1990 bis 2000. Betrachtet man das Verhältnis von Monaten mit positiver und Monaten mit negativer Performance über einen gleitenden 5-Jahreszeitraum (sog. Stetigkeitsindikator), deutet sich Ermüdung an.

Schließlich war das fundamentale Umfeld in den USA während der letzten Monate nicht gerade ermutigend. Dass die Marktteilnehmer über die mehrheitlich negativen Konjunkturüberraschungen hinweggesehen haben, mag auch mit statistischen Sondereffekten zusammenhängen. Hauptgrund dürfte jedoch die einfache Gleichung vieler Investoren sein: je schwächer die Daten, desto später leitet die Fed die Zinswende ein. Dabei bereiten wohl weniger die realwirtschaftlichen Folgen höherer Zinsen Sorge als vielmehr die damit verbundene Verschiebung der relativen Bewertungsposition. Schließlich ließen bislang nur ausgesprochen niedrige Renditen vermeintlich sicherer Anlagen Aktien nicht so teuer erscheinen.

Dagegen zeigen Maßstäbe wie das Shiller-KGV, das Q-Ratio oder das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Bruttoproduktionswert der Unternehmen, dass US-Aktien nur im +Zuge der New Economy- Blase noch höher bewertet waren. Auch der enorme Anstieg kreditfinanzierter Aktienkäufe ist ein erheblicher Risikofaktor. Selbst wenn man das rekordhohe Volumen von Wertpapierkrediten in Relation zum nominalen BIP setzt, sind inzwischen die Spitzenwerte der Jahre 2000 und 2007 erreicht. Damals bildeten Aktien ihr Hoch aus. Auch wenn die US-Notenbank vermutlich nicht schon auf ihrer Sitzung im Juni an der Zinsschraube drehen wird, läuft die Zeit für Aktien allmählich ab.
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