Mittwoch, 07. Dezember 2016


Häusliche Gewalt ist kein Schicksal

Landesärztekammer Hessen und Hessisches Ministerium für Soziales und Integration informieren über wirksame Vorbeugung und Hilfe durch vernetzte Angebote

(lifePR) (Frankfurt/Main, ) Tatort Familie und Partnerschaft: Gewalt gegen Frauen und Mädchen ereignet sich jeden Tag mitten unter uns. In Deutschland hat bereits jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche und vielfach auch sexualisierte Gewalt in der Partnerschaft erlebt. Jede siebte Frau ist in ihrer aktuellen Beziehung durch gewalttätige Übergriffe des eigenen Partners gefährdet. "Doch häusliche Gewalt ist kein Schicksal", betonte Sozialminister Stefan Grüttner. "Wir wollen die Kultur des Wegschauens oder Verschweigens durch eine Kultur des Hinschauens und Ansprechens ablösen", so Grüttner weiter. Hierfür sei es wichtig, klare Präventions- und Interventionsstrukturen zu schaffen und die verschiedenen Institutionen zu vernetzen, um unterschiedliche Kompetenzen nutzen zu können.

Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration informiert deshalb zusammen mit der Landesärztekammer Hessen im Rahmenprogramm des 118. Deutschen Ärztetags in Frankfurt über die Hintergründe häuslicher Gewalt, wirksame Vorbeugemaßnahmen und Hilfsangebote. "Patientinnen und Patienten mit Gewaltbelastung brauchen eine sensible medizinische Versorgung und psychosoziale Unterstützung, um Auswege aus ihrer Situation zu finden", erklärt Monika Buchalik, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Vizepräsidentin der Landesärztekammer Hessen. In vielen Fällen sei eine Dokumentation der Verletzungen notwendig, die einer juristischen Beurteilung standhalte. "Hier sind pragmatische Orientierungshilfen für die ärztliche Tätigkeit ebenso notwendig wie Materialien, die eine fachgerechte Anamnese, gerichtsfeste ärztliche Dokumentation und die zielgerichtete Vermittlung psycho-sozialer und juristischer Hilfen ermöglichen."

In Hessen und bundesweit gibt es vielfältige Unterstützungsangebote: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist das erste rund-um-die-Uhr zugängliche Beratungsangebot für von Gewalt betroffene Frauen. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung können sich Betroffene wie auch Angehörige, Freunde sowie Fachkräfte anonym und kostenfrei beraten lassen. Bei der Initiative "Medizinische Akutversorgung nach

Vergewaltigung" in Frankfurt am Main steht die medizinische Erstversorgung und psychosoziale Unterstützung im Mittelpunkt. Seit 2013 bietet ein Konsortium von sieben Frauenkliniken gemeinsam mit der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt am Main eine standardisierte medizinische Akutversorgung für durch Vergewaltigung schwer belastete Menschen an. Zwischenzeitlich haben weitere Kommunen in Hessen das Konzept umgesetzt.

Die Institute der Rechtsmedizin bieten rechtsmedizinische Konsile an, die vor allem bei multiplen Verletzungen unterschiedlichen Alters und besonders bei Gewaltanwendung gegen den Hals angeraten sind. Bereits seit 2010 ermöglicht das erste Modellvorhaben im öffentlichen Gesundheitsdienst, die Schutzambulanz Fulda beim Gesundheitsamt des Landkreises Fulda, eine Begleitung bei der Akutversorgung und eine gerichtsfeste Dokumentation bzw. Assistenz bei der fachärztlichen Beweissicherung. Auch hier werden Beweismittel unabhängig von einer Strafanzeige asserviert.

Das Ärztliche Praxishandbuch GEWALT, Berlin 2013, enthält Handlungsempfehlungen zu allen wesentlichen Themen interpersoneller Gewalt und sämtlichen Materialien, die für eine gerichtsfeste Dokumentation und für die Unterstützung der Betroffenen notwendig sind. Herausgegeben wurde das Praxishandbuch GEWALT von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration; mitgewirkt haben u.a. die Landesärztekammer Hessen, die Landeszahnärztekammer Hessen, die Bundeszahnärztekammer, die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, das Hessische Koordinationsbüro für behinderte Frauen und die Hochschule Fulda.
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