Montag, 30. Mai 2016


Bauern und Verbraucher gemeinsam für zukunftsfähige Landwirtschaft

Repräsentative Forsa-Umfrage zeigt: über 70 Prozent der Bauern befürworten Qualitäts-Kennzeichnung von Milch- und Fleischprodukten

(lifePR) (Berlin, ) Unter dem Motto „Agrarindustrie ist Mist“ wurde heute eine große Fuhre Mist vor dem Bundestag auf die Straße gekippt, gespickt mit Schildern auf denen „Gentechnik“, „TTIP“, „Tierfabriken“ und „Existenzbedrohende Milchpreise“ zu lesen war. Die Aktion unterstrich das Motto der „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Großdemonstration am kommenden Samstag in Berlin.
 
Zuvor hatte das Demonstrationsbündnis eine repräsentative Forsa-Umfrage unter Bauern vorgestellt. Demnach ist die Mehrheit der Landwirte in Deutschland der Meinung, dass eine qualitative Kennzeichnung von Fleisch- und Milchprodukten eingeführt werden sollte. 85 Prozent befürworten eine Herkunftskennzeichnung, 75 Prozent wollen, dass erkennbar ist, wenn Gentechnik-Futtermittel im Trog waren und 71 Prozent stimmen für eine Kennzeichnung der Tierhaltungsform.

„Agrarminister Schmidt drückt sich mit der freiwilligen Tierwohldiskussion vor tatsächlicher Transparenz bei Fleisch und Milch. Das haben Bauern gründlich satt“, sagte Reinhild Benning, Agrarexpertin von Germanwatch. „Nur mit der Kennzeichnungspflicht bekommen Bauern aus der Region, mit besonders tiergerechter Haltung und heimischen Futtermitteln eine faire Chance, dass Verbraucher ihre Produkte erkennen und angemessen  bezahlen. Mit der Pflichtkennzeichnung muss die Bundesregierung die Irreführung von Verbrauchern stoppen und dafür Sorge tragen, dass diese auch erkennen können, was sie meiden wollen – wie zum Beispiel Gentechnik im Futter.“

Johanna Böse-Hartje, Milchbäuerin aus Niedersachsen: „Wenn Bauern für einen Liter Milch 20 Cent weniger erhalten als das, was sie an Kosten hatten, können sie ihre Betriebe auf Dauer nicht halten. Doch immer mehr Landwirte sehen das Potenzial von regionalen Lebensmitteln und Produkten aus tier- und umweltgerechter Haltung ohne Gentechnik-Einsatz und wollen es besser nutzen, denn die Verbraucher fragen danach. Die „Wir haben es satt!“-Demonstrationen sind aus der Überzeugung entstanden, dass wir einen Umbau der Landwirtschaft nur im Schulterschluss zwischen Bäuerinnen und Bauern, ob bio oder konventionell, und den Verbrauchern erreichen können.“

Kannaiyan Subramaniam, Milchbauer aus Indien und Landwirtevertreter, beschrieb die Auswirkungen europäischer Landwirtschaft: „Wir sind sehr froh, dass ein Großteil der deutschen Bauern erkannt hat, dass der Export von Milchpulver zu Dumpingpreisen keine Chance für sie bietet. Denn der Import von europäischem Milchpulver 2009 und 2011 hatte desaströse Folgen für die Milchbauern in Indien. Heute leiden indische Bauern unter einer ähnlichen Milchkrise wie die Bauern in Europa und können ihre Milch nur sehr billig vermarkten. Wenn der Milchmarkt weiter geöffnet wird, wird die bäuerliche Milchproduktion in Indien – und das betrifft 70 Millionen Familien – komplett kollabieren.“

Böse-Hartje abschließend: „Gemeinsam werden am 16. Januar 2016 tausende Bäuerinnen und Bauern zusammen mit vielen anderen engagierten Menschen für eine ökologischere und bäuerliche Landwirtschaft hier und weltweit auf die Straße gehen. Und es werden wieder viele Dutzend Traktoren sein, die unseren Demozug begleiten und noch kraftvoller machen.“

Die "Wir haben es satt!"-Demonstration findet zum sechsten Mal zeitgleich mit der Internationalen Grünen Woche in Berlin statt. Immer mehr Menschen setzen sich ein für eine Agrarwende, damit es der Landwirtschaft, Menschen, Tieren und Umwelt besser geht. Die Demonstration wendet sich einmal mehr gegen Gentechnik in der Landwirtschaft, gegen Agrarindustrie und die Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Außerdem steht die Solidarität mit den Milchbauern im Zentrum der Kundgebungen am Potsdamer Platz und am Bundeskanzleramt.

Weitere Informationen auch unter www.wir-haben-es-satt.de
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