Sonntag, 11. Dezember 2016


Versorgungsforschung: Compliance bei Diabetes noch verbesserungsfähig

(lifePR) (Frankfurt, ) Ein wesentliches Ziel von Versorgungsforschung besteht darin, die Behandlung von Erkrankungen unter Alltagsbedingungen zu untersuchen und möglichst Ansätze zur Verbesserung anzudenken. IMS Health hat am Beispiel des Diabetes mellitus Typ 2 untersucht, wie es um die Compliance der Patienten im Lebensalltag bestellt ist und ob Unterschiede hinsichtlich der Therapietreue in Abhängigkeit von soziodemografischen Merkmalen, Pharmakotherapie und Art der Facharztausrichtung bestehen. Im Ergebnis zeigen sich keine Divergenzen hinsichtlich des Geschlechts, wohl aber in Bezug auf das Alter der Patienten und die Art der Arzneimitteltherapie: mit steigendem Alter verbessert sich die Therapietreue signifikant und die Einnahme oraler Antidiabetika wirkt sich ebenso compliance-fördernd aus wie eine Behandlung in diabetologischen Schwerpunktpraxen.

Therapietreue bei Diabetes: individueller und gesellschaftlicher Nutzen

Diabetes mellitus ist eine Volkskrankheit. Nach verschiedenen Angaben[1] sind in Deutschland etwa 8 % der erwachsenen Bevölkerung betroffen. Infolge dieser hohen Prävalenz und teilweise komplexen Behandlung entstehen vergleichsweise hohe Kosten. Für die Patienten ist die Erkrankung aufgrund der Chronifizierung, diagnostischer Maßnahmen wie etwa Blutzuckerkontrolle und ggflls. dem Spritzen von Insulin belastend, hinzu kommt die potenzielle Lebensbedrohlichkeit bei Unterzuckerung.

Die Verbesserung mangelnder Therapietreue gilt allgemein als eine der wichtigsten Stellgrößen, um Einsparungen bei den Gesundheitsausgaben zu erzielen wie das IMS Institute for Healthcare Informatics allgemein herausgefunden hat[2]. In Verbindung mit den oben genannten Fakten zur Erkrankung Diabetes ließe eine Verbesserung der Compliance sowohl einen individuellen als auch gesellschaftlichen Nutzen erwarten, wenn es denn um die Therapietreue bei dieser Indikation nicht optimal bestellt sein sollte. Dieser Frage ist IMS Health nachgegangen.

Datenbasis bildete das Krankheitsregister IMS ® DIAREG, das über epidemiologische Kennzahlen hinaus anonymisierte, prospektiv erhobene Daten beinhaltet. In Kombination mit ebenfalls anonymisierten Behandlungsverläufen aus der Datenbank IMS® Disease Analyzer, die eine retrospektive Analyse ermöglicht, wurden für die Jahre 2013 und 2014 insgesamt 983 Patienten aus 76 hausärztlich tätigen und 155 Patienten aus diabetologischen Praxen in die Untersuchung eingeschlossen.

Ergebnisse

Die Compliance der Patienten wurde von den behandelnden Ärzten auf einer sechsstufigen Skala von "sehr schlecht" bis "sehr gut" geschätzt. Als complient galten Patienten mit einer Beurteilung von "gut" oder "sehr gut". Alle in die Studie einbezogenen Patienten wurden über mindestens sechs Monate mit oralen Antidiabetika (OAD) oder Insulin behandelt.

Die Analysen führen im Blick auf die untersuchten möglichen Einflussfaktoren auf die Therapietreue zu einigen interessanten Ergebnissen.Während Männer und Frauen sich hinsichtlich der Compliance nicht unterscheiden, verbessert sich die Therapietreue statistisch signifikant mit steigendem Alter der Patienten. So werden rund 63 % der 40- bis 60-Jährigen von den Ärzten als therapietreu eingestuft, jedoch 69 % der 61- bis 70-Jährigen und 74 % der über 70-Jährigen.

Auch die Art der Pharmakotherapie spielt eine Rolle: von den Patienten, die auf orale Antidiabetika eingestellt sind, werden rund 75 % als complient beurteilt, deutlich mehr als bei einer Therapie unter Insulin (67 %) oder gar einer Kombinationstherapie aus beiden Medikationen (59 %). In diabetologischen Schwerpunktpraxen schließlich wird mehr Patienten (78 %) eine höhere Compliance zuerkannt als in hausärztlichen Praxen (69 %).

Welche Gründe jeweils für diese Unterschiede maßgeblich sind, wäre in einem weiteren Schritt zu untersuchen, um auf Verbesserungen der Compliance gezielt hinzuwirken. Ginge eine schlechtere Therapietreue bei Jüngeren bspw. auf eine andere Bewertung der Krankheit zurück, so wäre ggflls. bei der Aufklärung und Information über die Erkrankung und die Therapie anzusetzen; spielt hingegen bspw. eine Rolle, das Handling der Therapie mit dem Alltagsmanagement zu vereinbaren, so wäre hier u.U. Hilfestellung und individuelle Beratung ein möglicher Weg.

Allerdings ist bei der Interpretation der Ergebnisse eine wichtige Limitation zu beachten. Bei der Bewertung der Compliance handelt es sich um subjektive Einschätzungen der Ärzte, und es ist nicht auszuschließen, dass diese die Therapietreue auch als von Blutzuckerwerten abhängig einstufen.

Auch wenn die hier berichteten Complianceraten im Vergleich mit anderen Erkrankungen[3] eher hoch ausfallen, so zeigen die Subgruppenanalysen, dass noch Verbesserungsbedarf besteht. Oder, wie Prof. Dr. Karel Kostev, Senior Research Advisor bei IMS Health, erläutert: "Wie wir festgestellt haben, besteht gerade bei der jüngeren Gruppe von Diabetes Typ 2-Patienten hinsichtlich der Compliance Verbesserungsbedarf. Die Therapietreue dieser Patienten zu optimieren, ist für sie selbst wichtig in Anbetracht ihrer Lebensperspektive. Außerdem muss im Zuge des demografischen Wandels gerade auch eine älter werdende Gesellschaft allgemein ein Interesse daran haben, dass bei chronischen Erkrankungen, die dann immer mehr Menschen betreffen, eine möglichst gute Compliance erreicht wird, denn dies hilft Kosten zu sparen."

[1] S. z.B. Robert Koch-Institut (Hrsg) (2014) Diabetes mellitus. Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie »Gesundheit in Deutschland aktuell 2012«. RKI, Berlin www.rki.de/geda (Stand: 25.10.2014)
[2] IMS Institute for Healthcare Informatics, 2012: Responsible Use of Medicines Report. Link: www.imshealth.com/
[3] S. z.B. Schöffski, O., J.-M. Graf v.d.Schulenburg, 2000: Gesundheitsökonomische Evaluationen. Berlin, Heidelberg, New York.
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