Samstag, 01. Oktober 2016


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DirectDyk - En alte Porco Saurier wird Nünzgi. Weltenbewahrer und Kosmopolit Hector Bertschi

(lifePR) (CH-Zürich/Unterterzen, ) Mit wenigen Monaten vor 90 ist Hector Bertschi ein so empirisch begnadeter und uriger Zeitgenosse, dass man an diesem vielseitig interessierten und fidelen "Herr der Schweine" in Unterterzen nicht vorbei kommt. Allerdings nicht ganz ohne Glück, denn immer ist der Eigner der Casa Grunz nicht in Unterterzen. In den kalten Monaten des Jahres verharren seine Vierbeiner im Winterschlaf und er auf dem Kilchberg.

Überall wohin ich schaue Schweine. Pink-, blau und naturfarben, aus Porzellan, Plastik, Glas, Gips und Bronzeblech. An diesem Ort direkt am Walensee begegnet einem das Borstenvolk aus fast allen Materialien mit weisen und frechen Schweinesprüchen, die mich an einen Nachbarn, an die unhöfliche Kellnerin, den Beamten oder den Taxifahrer von unlängst erinnern.

Plötzlich sehe ich das neueste Prachtstück: Eber Vladimir, der seit wenigen Tagen rechts oben an der Hausfassade seinen Platz als Koryphäe eingenommen hat.

Hector Bertschi steht gerade mit dem Schraubenzieher ganz oben auf der Alu-Leiter, um an Vladimir noch eine weitere lockere Schraube fest zu ziehen. Ich, die neugierig nach oben blinzelnde Joggerin. Er, der zu mir verblüfft hinabforschende Zürcher bei der Komplettierung seiner schweinischen Untermieter agierend an der Fassade seines Sommersitzes.

"Vladimir?", frage ich mit einem leicht verschmitzten Unterton, ob er wohl den gleichen Vladimir meine wie ich, obwohl der sich mit ja W schreibe und warte nicht lange auf eine Reaktion.

Nichtssagend, aber mit einem nachhaltig-bestätigenden Blick, steht der kreative Handwerker, flink die Höhenmeter überwindend vor mir auf dem Erdboden der Schweinerealitäten, drückt mir charmant die Hand und lädt mich ein, die ganze Schweinewelt anzuschauen.

Die gesamte Schweinewelt?

Ich kann nicht widerstehen. Mein Instinkt sagt mir, dass hier noch mehr Schweine unter den Lebenden ihre Abbilder gefunden haben.

Und wie wahr. Ein ganzer Schweine-Salon voller Haus- und Wildschwein-Rudel rotten und sudeln in den Vitrinen, auf den Regalen, auf Treppen und in Bildern inmitten dieses winzigen Teils der Ostschweiz umher. "Himmel, Schwein und Zwirn!?", wo kommen die alle her?" "Aus dem Leben, Verehrteste, alle aus dem Leben!", zwinkert mein Gesprächspartner.

Dass Schweine über ein gewisses Ich-Bewusstsein verfügen, ist bekannt. Die einen mehr und die anderen weniger. Ist das nicht auch so im stink normalen Menschen-Leben, witzelt Bertschi? Obwohl Schweine bekanntlich schon lange domestiziert wurden, bleiben sie gerade deshalb allgegenwärtig unter, neben und vor uns und im schlimmsten Fall hinter uns. Sie verfügen über ein erstaunliches Erinnerungsvermögen sowie über eine brillante Anpassungsfähigkeit. "An wen?", frage ich. "Na, an die anderen Schweine im Rudel!", antwortet Bertschi. "Ohne nachzudenken?!", setze ich nach. "Ja, ohne nachzudenken. So ist das bei Schweinen!"

Für die Übersetzung der Verhaltensweisen von Menschen aller Couleur verlässt sich der Zürcher mit dem Herz für Unterterzen und dem Walensee auf seine Schweine und natürlich auf die Menschen im Allgemeinen und Besonderem, die aus jedem Teil dieser Welt Drehbücher ohne Ende dafür liefern. Was wären Schweine ohne Menschen?

Für die ungeniert und präziös ausgegrunzten Weisheiten der Schweine, wie "Nicht jeder Esel ist ein Huftier.", legt der Schweineherr seine Hände ins Feuer. Seine Augen blinzeln mehr als deutlich und seine Sätze für die kurz angerissenen Erinnerungen sind schnell, die entstehenden Bilder schlagen Brücken über Jahrzehnte: Sein Großvater Albert Madörin, 1867-1944, war der erste Walensee-Fischer, der sieben Knechte beschäftigte. Hector Bertschi hält sein Porträt, eine schwarz-weiß Fotografie hinter Glas, fest in den Händen.

Das größere Öl-Bild vom Familienpatron richtet sich in einen Raum, der alle gewollten und ungewollten großen Abenteurer dieser Welt, wie Peter Pan, Robinson Crusoe, Marco Polo oder Alexander von Humboldt auf einmal aufgerufen hätte - zu diesem Ort, in dem Gischt und Windstärken wetteifern - in der heiligen Halle außerhalb des Schweinesalons, die nur dem "Herr der Schweine" zugänglich ist.

In einem mit einer mehr als 5 Meter gefühlten Deckenhöhe angelegtem Wohnraum klotzt ein eingebauter Kamin aus nordischen, metallenen Schiffsplanken der "S.S. Trust", einem Frachtschiff mit 8952 Bruttoregistertonnen, das unter holländische Flagge alle Weltmeere befuhr und 1908 in Hamburg auf Reede gelegt wurde. 2 Tonnen vom Frachter schifften Ende der 70-iger Jahre von der Nordsee per Eisenbahn nach Unterterzen, wo sie als Fragment einer gewaltigen Erinnerung an die industrielle Verkehrsgeschichte des 19. und frühen 20. Jhd. ihre letzte Bestimmung fanden.

Hector Bertschi drückt mir eine nicht verbaute Planke in beide Hände und wir denken bei diesen Kilos synchron und naiv, wie kann so viel Gewicht, so viel Schwermetall auf Wasser schwimmen, obwohl Archimedes stoisch auch durch unsere Grundschul-Jahre stapfte?

Der Schiffsplanken-Kamin nimmt Kurs auf mich. Meine bisherigen Vorstellungen von einem Kamin sind fortan auf ein höheres Level manövriert. Hier kann hohe See aufkommen, wobei Hector Bertschi sofort einlenkt: "Wählen wir lieber die ruhige See, die Diplomatie und den Frieden."

Backbord der Feuerstätte ist ein Flaschenzug angebraucht, der drei Meter lange Grillspieße über dem Feuer drehen kann. Versehen mit einer Glocke, die bei jeder Fleischspieß-Umrundung einmal bimmelt. Bimmelt es nicht mehr, läuft der Hausherr schnurstracks zum Flaschenzug, damit die Spieße weiter voran gedreht werden und das Fleisch nicht verbrennt.

Steuerbords schlummern Erinnerungen. "Tief verwurzelt?" "Ja, sehr", antwortet Hector Bertschi, der für einen Hauch versunken inne hält, lächelt und mir auf den Weg mitgibt: "Nie vergessen, es gibt Menschen, die fischen und solche, die nur das Wasser trüben!" www.directdyk.com
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